100 x Dank an den Hund - Eine Artikelserie von Barbara Puhl

1. Einführung

Mit Hunden zu arbeiten versuche ich ein Leben lang. Sie sind einer der beiden schönen roten Fäden in meinem Leben. Die Hunde klein oder groß haben mir ständig geholfen - meist emotional - senkrecht zu bleiben und anderen Menschen eine Lebensperspektive zu schenken. Durch die Ergebnisse wurde ich selbst immer wieder beglückt, beschenkt und ermutigt weiter zu machen. Dadurch nehmen die Vierbeiner einen sehr hohen Stellenwert in meinem Lebenslauf ein.

Noch heute schlafen alle meine Hunde um mein Bett mit mir, sowohl nachts, als auch beim Mittagsschlaf. Darum merke ich sofort, wenn etwas nicht stimmt, sei es draußen oder auch bei jedem einzelnen Hund. Eine so enge Beziehung hat dabei schon so manchem Hund das Leben gerettet. Z.B. musste ich einmal nachts um 2 Uhr nach Rendsburg in die Tierklinik, weil einer der Hunde einen sehr dicken Bauch bekommen hatte und vor Schmerzen winselte. Oder eine hoch schwangere Hündin fing an sich zu übergeben und zitterte am ganzen Körper und kündigte mir an, dass es nun bald soweit sein wird. 12 Welpen kamen zur Welt.

Von Herzen empfundene und ausgedrückte Dankbarkeit ist eine Kostbarkeit, wodurch allen Beteiligten nochmals ein Stück Himmel entgegen kommt.

Dieser Artikel soll zu den Kostbarkeiten beitragen und so manchem Menschen auch die Schatzkiste der Erinnerungen öffnen und dazu helfen, die Geschenke derselben nicht zu vergessen und von Herzen dankbar zu sein bzw. zu werden.

Neuenkirchen im Januar 2012

2. Grundsätzliches

" Was sagt man?" fragte die Mutter den kleinen vierjährigen Sohn, nachdem er etwas von seiner Tante geschenkt bekommen hatte. Schon als kleines Kinder werden wir dazu erzogen, uns zu bedanken. Diese positive Handlungsweise ist nicht erst seit 100 Jahren bei uns beheimatet, sondern hat bereits viele tausende von Jahren auf dem Puckel.

In der Bibel werden wir immer wieder dazu aufgefordert, uns zu bedanken. Z.B. "Danket dem Herrn, denn seine Güte währet ewiglich" (Ps. 118 und Ps. 136), "wer's mit Dank annimmt, dem bringt es Nutzen" (Sir.20,3), "Wer Dank opfert, der preist mich" (Ps. 50,23. Vertont durch Johann Sebastian Bach in Cantata Nr. 17, BWV 17:Part. I), "Saget Dank für alles allezeit" (Eph. 5,20), "es sollen dir danken, HERR , alle deine Werke." Ps. 138,4), usw, usw. Einige hundert Mal werden wir in der Hl. Schrift dazu aufgefordert, uns zu bedanken.

Leider ist in den letzen Jahren diese Sitte mehr und mehr rückgängig, bis hin, dass sich immer mehr Menschen sehr selten bis gar nicht mehr bedanken. So mancher namhafter Ratgeber empfiehlt dem Geber dann, dem Beschenkten nichts mehr zu geben. Wenn so gar nichts zurück kommt und alles als Selbstverständlich angesehen wird, darf man getrost die Freigebigkeit streichen.

Ich frage jedoch: Wo bleibt die Liebe die oft gar nicht anders kann als dem Nächsten Wertachtung und Anerkennung durch ein mehr oder weniger großes Geschenk (als Gegenstand oder verbal) entgegen zu bringen?

Ein anderer mag einwenden, dass man dann ausgenutzt wird, wenn man weiter schenkt, denn eine Selbstverständlichkeit, selbst in unserem reichen Deutschland, ist dies sicher nicht.

Fürsorge für einen Welpen, der noch nicht so viel laufen darf:
Fürsorge für einen Welpen, der noch nicht so viel laufen darf:

Ist es nicht heute auch noch wichtig seinem Geschäftspartner mit Ehrerbietung und Freundlichkeit entgegen zu treten? Wer wird wohl im Leben weiter kommen, derjenige der alle Zuwendung als Selbstverständlich ansieht oder derjenige, der dem Gegenüber mit Wertschätzung und Dank begegnet?

Nicht nur 5 Sterne Hotels suchen Ihr Personal u.a. nach der Zuvorkommendheit und Freundlichkeit aus.

Psychologisch gesehen kann ganz schnell eine Win-Win-Situation durch Dankbarkeit entstehen, d.h. beide der Parteien haben das Gefühl bei Dankbarkeit, dass sie gehobener Stimmung sind und nicht einer der Verlierer und nur der andere der Gewinner. Beide sind Gewinner. Mit dem Herzen empfundener Dank tut beiden Seiten gut.

Oder: Dank ist vielfach nur eine Floskel. Man sagt "Danke" aus Anstand, aus Pflichtgefühl aufgrund von moralischem Druck, usw. Zunächst als Kleinkind ist das auch in Ordnung, denn das Kleinkind muss dies erst lernen. Später jedoch kann es das Wort "Danke" mit den Emotionen dazu verbinden.

Bei uns in Norddeutschland gibt es die Abqualifizierung des Dankes. Wenn einer etwas geschenkt bekommen hat und sich dafür bedankt, sagt sein Gegenüber: "dafür nicht" oder "das wäre aber nicht nötig gewesen" oder "oh, jetzt hast du dich aber in Unkosten gestürzt." Damit wird die Gabe des anderen zurück gewiesen. Für Beide schöner wäre ein von Herzen kommendes "Dankeschön" und die Aufmerksamkeit wird auf das Geschenk gelenkt.

Aller Dank, den ich in dieser Artikelserie ausspreche, gilt nicht nur dem Hund, sondern auch jeweils unserem Schöpfer, der uns die Hunde geschenkt hat. Ihn will ich in allererster Linie dadurch ehren.

"Feria z Mokre Hory" beim Bergtraining in den Alpen:
"Feria z Mokre Hory" beim Bergtraining in den Alpen:

3. Wertschätzung

2011 ist für mich ein Trauer- und Schmerzjahr.
Drei Trauerfälle sind zu verkraften.
Mit jedem Fall ein tieferes, dunkleres Loch.
Dunkelheit – wie im November
Kälte – wie jetzt im Februar 2012.
Tränen
Zittern
Kopfweh
Nicht mehr konzentrieren können,
kein Einschlafen oder Durchschlafen,
nach Worten ringend,
die Stille und Abgeschiedenheit tut mir gut,
denn ich bin zu nur noch wenigem fähig.
Fertig mit der Welt.
Verständnislosigkeit von allen Seiten.
Es schreit in mir nach dem Verlorenen.
Und dem zukünftigen…?

Nachdem im März 2011 der Tod erstmalig in diesem Jahr zugeschlagen hatte war es sicher kein Zufall, dass nach dem Tod meines Mannes am 29.06.2011 unmittelbar nach der Beerdigung ein Wurf Golden Retriever bei mir das Licht der Welt erblickte.

Nun hatte ich keine Zeit mehr um mich um irgendwelche Angelegenheiten zu kümmern. Die Welpen brauchten mich total – Tag und Nacht. Wer selbst einmal Welpen hatte, weiß um die extrem viele Arbeit.

Gegessen wird im Stehen, zwischen Tür und Angel.
Zeit zum Trauern? Fehlanzeige!
Muttergefühle hoch drei!
Hält mich senkrecht.
Fängt mich auf.
Gefühlschaos.

Merke allerdings, wie sehr mir das tägliche Gespräch mit meinem Mann fehlt.

Nachdem die Welpen alle abgegeben waren, gleich das nächste Sterben.
Wut ohne Ende… Dazu bin ich noch fähig.
Enttäuschung ohne Ende.
Trauer ohne Ende.
Ein großes Stück Orientierungslosigkeit.
Mit diesem Tod hatte ich absolut nicht gerechnet.
Er kam so plötzlich, völlig unerwartet.
Er ist ein Zerstörer.
Wie ein schön gewachsener Baum, der ohne Vorwarnung einfach so gefällt wird.

Während ich am Schreibtisch sitze und tippe, kommt ein Golden Retriever auf leisen Pfoten, geht mit seiner Schnauze unter meinen rechten Ellenbogen und stupst mich an.

Kaum dass ich meine Hand zum Streicheln auf seinen Hals gelegt habe, kommt – tapp, tapp, tapp - , der nächste Vierbeiner an, drängelt sich dazwischen und legt seinen Kopf auf meinen Oberschenkel. Auch er möchte liebkost werden. Ich brauche nicht lange zu warten und der dritte im Bunde kommt, und möchte mir Trost geben. Sie schauen mich alle drei erwartungsvoll an.

Nein, ich bin nicht allein!


Die Tränen tropfen auf die Schnauzen.
Sie lecken sich gegenseitig die salzigen Wassertropfen ab und schauen mich wieder an.
Keine Widerworte.
Keine Besserwisserei.
Kein aufdringliches aufmuntern Wollen.

Plötzlich geht eine der Hündinnen in die Küche und holt ihr Lieblingstier und überreicht dies mir.
Ja, echte Zuwendung. Dazu bedarf es keiner Worte, jeden falls nicht zwischen uns.

Alle drei Golden Retriever haben ein phantastisches Gespür für das, was im Menschen vor sich geht und was er braucht. Als sie merken, die Tränen haben aufgehört und ich getröstet bin, geht jeder wieder auf seinen Platz am Schreibtisch und schläft.

Was für eine Harmonie! Selbst im Leid und im Schmerz.

Danke liebe Hunde!

4. Diabeteswarnhund

Nach tagelangem Regen hatte die Diabetespatientin genug. Sie wollte raus. Beim Bummel über die Straßen sah sie im Schaukasten ein Plakat, welcher für den Film „Ziemlich beste Freunde“ in Willingen Reklame machte. Sollte Sie es mal wieder wagen? 

An der Kasse sagte sie dem Kassierer, dass sie seit 42 Jahren nicht mehr in einem Kino war. „Oh, dann haben Sie sich aber einen guten Einsteiger Film ausgesucht“ war seine Antwort. „Ist der Ruhig?“ fragte der Kassierer die Frau und zeigte mit seinem Zeigefinger auf den gekennzeichneten Behindertenbegleithund. „Ich denke schon, aber 42 Jahre wird kein Hund alt. Von daher haben wir das noch nicht ausprobiert.

„Dann setzten Sie sich am besten an den Rand, damit im Falle eines Falles Sie gleich raus können“.

Holzklappsessel gab es hier nicht – wie vor 42 Jahren in ihrem Heimatort. Dafür waren diese hier gut gepolstert und hatten genug Beinfreiheit. Der Hund legte sich direkt vor die Füße der Patientin und war still. Das Licht ging aus. Nur noch ein Dämmerlicht war an, so dass der Vierbeiner sein Frauchen auch noch erkennen konnte.

Als der Filmvortrag begann, dachte sie, dass das evtl. zu laut für gesunde Hundeohren sei. Aber dieser machte keinerlei Anstalten, dass er raus wollte, blickte sie auch noch nicht einmal an. Schien alles okay zu sein.

Da der Streifen recht humorvoll war, war bald der Raum voller Gelächter. Auch Frauchen war begeistert und voller Konzentration dabei. Lachsalven donnerten an den Hundeohren vorbei.

Plötzlich stand der Hund auf und stupste sein Frauchen an. Immer wieder. Er gab keine Ruhe. Die Patientin gab ihm den Befehl, dass er sich ablegen sollte. Das tat der Hund auch, aber in nächsten Augenblick war er schon wieder auf seinen Pfoten und stupste mit seiner Nase den Unterarm der Frau immer wieder an. Endlich kapierte sie, was der Hund ihr sagen wollte und registrierte selbst, dass sie völlig nervös, heißhungrig und am schwitzen war. Sie hatte eine Unterzuckerung und musste sofort Traubenzucker zu sich nehmen.

Sie hatte es überhaupt nicht gemerkt, denn der Film hatte ihre ganze Konzentration gefordert. Nur der Hund hatte bemerkt, dass da etwas nicht stimmte, denn Frauchen roch inzwischen anders als normal. Sie zitterte außerdem am ganzen Körper.

Erst als die Patientin ihre Traubenzuckertäfelchen gegessen hatte normalisierte sich auch der Geruch; das Körperzittern und die Nervosität hörten auf.

„Braver Hund, hast Du gut gemacht. Ich liebe Dich“, war ihre Belohnung mit Streicheleinheiten dem Hund gegenüber. Anschließend genossen beide noch den Rest des köstlichen Films. Ob es bald wieder einen Kinobesuch geben wird?

Danke Dir Hund für Deine Sensibilität, Zuverlässigkeit und für das Aufmerksammachen.

5. Apportierhund

6:00 Uhr in der Früh. Die Sonne blinzelt durch die Wolken direkt auf mein Bett. Die drei Golden Retriever – die Hündinnen Esra und Feri und der Rüde Danco - liegen um meine Schlafstelle herum auf dem Boden, auf einem Antidekubitusfell und dem Teppich und schlummern im Leichtschlaf, jederzeit bereit mir zur Seite zu stehen.

Golden Retriever sind von Natur aus Apportierhunde, die liebend gerne von sich aus etwas bringen oder tragen.

Bei der Ausbildung hat man es als Trainer daher recht leicht, denn es ist dem „Goldi“ eine Lebensaufgabe, dazu wurden sie in vorzeiten gezüchtet. Ihre damalige Aufgabe war es, nachdem der Jäger das Geflügel über dem Wasser abgeschossen hatte, das Federvieh aus dem Wasser zu holen und dem Jäger zu bringen.

Diese Tatsache können wir Menschen heute uns zunutze machen und dem liebenswerten Vierbeiner eine sinnvolle Aufgabe im Heute angedeihen zu lassen.

Der Wecker klingelt und wie auf Kommando stehen alle drei schwanzwedelnd vor dem Bett. Danco besinnt sich und läuft von sich aus zu einem der beiden Hausschuhe, nimmt ihn in den Fang, kommt zu mir zurück und hält ihn mir hin, damit ich den Schuh - mit viel Lob für ihn - ihm aus dem Maul nehme. Dabei grunzt er voller Vergnügen.

So etwas kann sich Feri nicht entgehen lassen und sucht auch nach einem Hausschuh, denn nachts schlafen alle Hunde gerne darauf. Also, wo ist der Schuh, wo haben sie ihn hingelegt? „Apport Schuh“ sage ich. Feri läuft los und sucht. Für sie ist es nun eine Frage der Schnelligkeit, denn Danco will auch den zweiten Hausschuh schnellstmöglich Frauchen bringen. Wer hat ihn wohl als erster gefunden?

Meist ist es Danco, dem es nicht schnell genug mit Feri geht. Also kommt er wieder glücklich mit dem zweiten Schuh an und ich darf ihm dieses morgendliche Geschenk aus der Schnauze nehmen und meinem Fuß überstülpen.

Nein, das geht nun wirklich nicht für Feri. Darum tapert sie in die Küche und holt das Küchenhandtuch von der Stange. Schließlich wird Frauchen gleich auch arbeiten. Sie hält mir voller Vergnügen das Apportierte hin, obwohl ich es ihr nicht ausdrücklich gesagt hatte. Ich bedanke mich und nehme es ihr aus dem Maul. Schön, wenn Hunde so mitdenken.

Nun geht es aber fix nach draußen in den geräumigen Außenbereich um auch den Hunden die morgendliche Toilette zu ermöglichen.

Dank Euch Ihr apportierfreudigen Hunde.

6. Feuerwarnhund

Es war am 22.Juli 2012 um kurz vor 23:00 Uhr. Wir waren schon alle zur Ruhe gegangen, d.h. ich lag im Bett und meine drei Golden Retriever lagen rings um mein Bett und schliefen. Im Halbschlaf bekam ich mit, dass meine drei Hunde plötzlich ganz angespannt senkrecht standen, nervös wurden und ihre Ohren spitzten. Dann hörte ich es auch: eine laute Explosion – die zweite. Nun saß ich auch senkrecht im Bett. Nach den Hunden zu urteilen, stimmte irgendetwas nicht. Schnell zog ich mir eine Jacke über und ging nach draußen in den Garten. Aber weder bei mir, noch bei meinem nächsten linken Nachbarn war etwas Auffälliges zu sehen.

Raus auf die Straße. Des schräg gegenüber liegenden Nachbars Dachgeschoss stand in Flammen. Schaurig in der Dunkelheit. Schnell lief ich zum nächsten linken Nachbarn und klingelte, um Hilfe zu holen. Der Nachbar zur rechten Seite war gerade mit seinen zwei Hunden Gassi gehen. Er rief die Polizei an und fuhr sofort mit seinem Auto zu den Altbauern um sie zu wecken.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Die Sirenen heulten, es folgte der erste Löschzug mit Blaulicht und Martinshorn. Dem folgten noch vier weitere Löschzüge mit Blinklichtern und dem Tatü-Tata. Die Straßen wurden gesperrt, der Verkehr umgeleitet, die Schläuche verlegt, „Wasser marsch“ und schon war aus dem lodernden Gebäude eine weiße Wolke entstanden. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern ab.

Leider war der Schlauch vom Schlauchwagen nicht lang genug für einen zweiten Anschluss, so dass ein Löschzug nochmals Material holen musste. Wie gut, dass der Nachbar zu meiner linken Seite wusste, wo der nächste Hydrant war. Er war schließlich früher selbst 9 Jahre bei der Feuerwehr gewesen. Er brachte die Feuerwehrleute mit seinem Fahrrad direkt dahin. Schließlich wohnen wir hier recht einsam und ohne Straßenbeleuchtung. Die Hydranten sind weit auseinander und wenn man nicht weiß, wo sie sind, muss man richtig suchen.

Als ich 1990 hierher zog, brannte fast täglich ein Haus in Dithmarschen. Inzwischen ist das nicht mehr so oft, aber immer noch oft genug. Wie kommt das? Im Krieg ist dieses Gebiet nicht bombardiert worden, so dass es hier sehr viele alte Häuser gibt, die eben noch sehr alte Stromleitungen mit möglicher Weise Mäusefraß besitzen. Die neuen Höfe haben getrennte Scheunen für das Futter für die Tiere und die Tierställe sind gesondert gebaut.

Früher hatte man unten die Kühe und darüber das Heu und Stroh. Dadurch konnte sich das Futter schneller entzünden.

Ich selbst habe nun seit 1990 in meiner unmittelbaren Umgebung sechs Brände und eine Hausgasexplosion erlebt. Wenn man auch die nächsten Straßenzüge mit einbezieht, dann ergibt das ein Vielfaches an Feuer.

Es war der dritte Brand innerhalb von zwei Jahren für diesen Landwirt. Heute Nacht war er gar nicht zu Hause.

Als ich wieder zu Hause ankam, mussten erst die Hunde beruhigt werden. Jeder einzelne musste nachsehen, was los war. So ging ich mit jedem einmal die Straße auf und ab. Sie rochen natürlich den intensiven Brandgeruch und bemerkten auch die vielen Feuerwehrleute, nebst Blinklichter und Autos. Wer wollte nach so einer Aufregung schon Schlafengehen? So standen dann auch alle Nachbarn beisammen und redeten. Die Nachbarschaft ist den Hunden bekannt und vertraut.

Schließlich wagte ich es, mich wieder ins Bett zu legen. Die Vierbeiner schliefen schnell ein, aber der Brand war natürlich ein besonderes Ereignis, was sich auch in den Hundeträumen wieder spiegelte. Der Rüde knurre eine ganze Weile im Traum, aber schließlich war um 2:41 Uhr wieder Ruhe im Dellweg 23.

Dank an die Feuerwehren, denn ohne sie wäre sicher das ein oder andere nebenstehende Gebäude auch noch in Flammen aufgegangen.

Wie ist es wohl den beiden sehr lieben Eseln auf dem Nachbargrundstück ergangen?

Danke, ihr lieben Vierbeiner für Eure Aufmerksamkeit!

7. Ich darf so sein, wie ich bin

„Schwer lastet auf mir meine MS-Krankheit, meine gewordene Unbeweglichkeit, meine Depression. Zu nichts habe ich wirklich Lust und Schwung. Seit mein Mann tot ist, habe ich noch weniger Energie und Lebensfreude. Selbst mit der Arztassistentin muss ich immer kämpfen um das zu bekommen, was ich gerne hätte. Das Leben ist soo schwer geworden.“

Jutta Menkel fragt nach einem Behindertenbegleithund und erhält ihn auch. Esra von der Stellerburg bringt die traurige MS-Kranke wieder etwas aus dem tiefen Loch heraus. Der Vierbeiner legt sich von sich aus auf die Füße der Patientin und schmust mit ihr. Die Freude kriecht hoch und um die Mundwinkel kann ich, Barbara Puhl, sehen, wie sich kleine Lachfältchen bei Frau Menkel bilden. „Ist das schön!“ jauchzt die ehemalige Gymnastiklehrerin. Auch wenn es ihr schwer fällt, aber sie bückt sich im Sitzen zur Hündin Esra runter und streichelt sie. Das mag Esra sehr. Da kann sie sich stundenlang für hergeben.

Esra akzeptiert die schwer behinderte Frau voll und ganz. Ohne Wenn und Aber darf Frau Menkel gegenüber der Hündin mit ihrer Gebehinderung und Depression so sein, wie sie ist. Esra ist es egal, ob sie ein Frauchen hat, welche eine einwandfreie glatte Haut hat und bestens geschminkt ist, oder ob das Gesicht viele Falten und Runzeln besitzt. Selbst das Flüstern der Patientin versteht die Hündin und gehorcht.

Zu Hause bereitet Frau Menkel alles auf den Einzug dieses tollen Hundes vor: die Nachbarn werden informiert, die Behörden werden gefragt und ein großer Zaun wird gezogen. Über den Teich wird für den Winter ein Stahlsicherheitsnetz gespannt und der Tierarzt informiert.

Als alles vorbereitet ist, kommt sie um Esra abzuholen. Da fällt ihr auf einmal ein, dass sie auch noch zusätzlich einen Welpen nehmen könnte, damit sie gleich einen Nachfolger für Esra heranbilden kann. Gedacht, gesagt und getan. „Illja von der Stellerburg“ ist Esras Sohn und der soll nun mit. Wie gut, dass Frau Menkel eine sehr gute, liebe Helferin hat, die ihr bei der Ausbildung helfen wird.

Beim zweiten Besuch von Frau Menkel merke ich sehr deutlich, dass es dieser Patientin wesentlich besser geht – psychisch und auch körperlich. Von Tag zu Tag strahlt sie mehr und mehr. Diese Frau ist einfach nur glücklich, nachdem sie alle Besorgungen für den Welpen auch noch erledigt hat. Ilja liebt Frau Menkel und fängt auch mit ihr an zu spielen. Frau Menkels Wunsch ist es, dass Esra einen Spielgefährten hat und Ilja sich von der Hundemama gutes Benehmen usw. abschaut.

Wie gut, dass zu Hause alles bestens vorbereitet ist.

Zu Hause mit Esra und Ilja, der inzwischen 8,5 Wochen alt ist, angekommen, wird erst einmal das Grundstück und die Wohnung erkundet. Die Vierbeiner sind glücklich, toben miteinander und schlafen auch zusammen.

„Ich könnte den ganzen Tag nur zuschauen, wie die beiden miteinander spielen und toben. Ob das nun draußen ist oder im Haus.

Die Esra lässt sich viel zu viel von ihrem Sohn gefallen, so dass ich manchmal meine, eingreifen zu müssen. Sie zeigt ihm, was Reinlichkeit ist, was Mein und Dein ist, wenn Mittag ist und geschlafen wird, Toleranz und Akzeptanz werden geübt und wie man manierlich frisst. „Sitz“ kann er schon recht gut. Wenn ich was sage, macht meist Esra das, was eigentlich der Welpe tun sollte.

Da der Nachahmtrieb so groß ist, macht dann Ilja dies auch. Tolle Hunde! Ich bin die glücklichste Hundemama der Welt! Das ist Fernsehen in der Realität. So komme ich gar nicht mehr dazu, aber dass ich den Hunden zuschauen kann ist ja viel interessanter, als in den Flimmerkasten zu sehen.

Wenn ich etwas erzähle, schaut Esra mich immer so aufmerksam an, als wenn sie es Wort für Wort versteht. Endlich wieder einen Gesprächspartner zu haben tut so gut. Mein Alltag ist wieder sinnvoll und erfüllt von schöner Arbeit. Auch wenn alle möglichen Leute meinen, dass zwei Hunde für mich zuviel sind. Nein, ist es nicht, denn ich habe alles bestens geregelt. Wir sind alle miteinander froh und glücklich.

Ich fahre sogar mit Esra, die dann eine Kenndecke trägt, viele Kilometer mit dem E-Scooter. Sie läuft nebenher und hat daher genug Auslauf. Oft werde ich von Menschen angequatscht und dann halten wir ein kleines Pläuschen. Menschlichen Kontakt habe ich durch die Hunde recht viel. Der Ilja darf ja noch nicht so viel laufen, aber dafür macht meine Helferin mit ihm die entsprechenden Übungen, damit wir irgendwann auch so laufen können.

Für meine Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und sonstige Therapeuten ist das immer eine willkommene Abwechslung, wenn die zu mir ins Haus kommen. Die ermutigen mich immer wieder und bekunden, wie gut es mir doch durch die Hunde geht.

Den Hunden bin ich immer willkommen, im Gegensatz zu so manchem Menschen. Die Vierbeiner geben mir nie eine Widerrede oder streiten mit mir. Bei denen darf ich sein, wie ich nun mal bin, mit meinen Ecken und Kanten, aber auch mit meinen liebenswerten Seiten.

Danke ihr lieben Hunde, dass es Euch gibt!

8. Fernsehen live

Es war am 12.12.2012 gegen 10 Uhr. Eine ganze Truppe erwachsener Menschen mit ihren sieben Wochen alten Welpen marschierten ins DRK Seniorenheim „Haus am Park“ in Heide.

Fernsehen live
Fernsehen live

Die Senioren saßen bereits im Kreis und warteten der Dinge, die da kommen sollten. Das Hallo war groß und ebenso die Freude über die Welpen. Dieser Programmpunkt gehört für das Seniorenheim zu den Höhepunkten im Jahresverlauf. Es fördert das Erinnerungsvermögen („Wir hatten auch mal einen Hund und der hat das und das gemacht…“), die Freude über die lustigen „Wirbelköppe“, „Wuschelkneule“ und „Knut“.

Dabei haben die Senioren fast nichts weiter zu tun, als zuzusehen – wie beim Fernsehen. Allerdings werden sie am Ende des Besuches mit als Akteure aufgefordert.

Fernsehen live
„Kämpfchen“
Mein ist die große weite Welt
Auf zu neuen Taten
Geschafft

Damit alle wach werden um wieder nach Hause zu fahren, werden die Senioren aufgefordert, laut zu klatschen und „juhuuu“ zu rufen.Ein Welpenkäufer: „Das war super schön.

Das mache ich wieder um den Alten eine Freude zu machen, aber auch um meinen Hund an Senioren, Rollstühle und Rollatoren zu gewöhnen. So eine Abwechslung im eintönigen Alltag ist für die Bewohner sicher sehr wertvoll. Es macht einfach Spaß die kleinen Hunde als Wuselköppe so herumtobend zu erleben.

Dass da mal ein Malheur durch die kleinen Vierbeiner passiert, ist nicht tragisch, denn jeder Welpenkäufer war vorher angewiesen, entsprechende Utensilien dort mit hin zu nehmen. Vielmehr war es eine Sensation, wenn die Senioren so etwas mit bekamen und den Besitzer sofort darauf aufmerksam gemacht haben, der sich dann natürlich sofort darum gekümmert hat.

Man braucht gar nicht viel sagen, nur hinsehen und sich an den Geschöpfen Gottes erfreuen. Das hellt den ganzen Tag auf und vielleicht auch noch ein paar Tage länger. Ob ich das öfters erleben darf?“

Dieser Welpenkäufer ist inzwischen selbst zum Züchter für Golden Retriever geworden und bildet bereits auch Welpen aus. Ansteckendes „Fernsehen“!