Buchbesprechung „Tiergestützte Kinderpsychotherapie“ von Anke Pothmann durch Barbara Puhl

Tiergestützte Therapie erobert sich immer mehr Raum in Deutschland und im europäischen Bereich. Dabei gibt es - wie überall im Leben – genug „schwarze Schafe“.


Frau Dr. Pothmanns Arbeit hebt sich wohltuend ab, da sie fachkompetent, detailliert und umfassend dieses Thema behandelt. Dabei beleuchtet sie fast ausschließlich die Seite des menschlichen Therapeuten und des Patienten.

Leider wird die Seite des Tieres im Vergleich zum gesamten Buch nur auf ein paar wenigen Seiten angerissen. Es wird offenbar vorausgesetzt, dass der Therapeut zum Beispiel die Stresssignale des Hundes kennt. Es gibt in den ganzen 278 Seiten einen Satz (S.248, oben), der darauf hinweist, dass der Hundeführer über genügend Fachkompetenz verfügen muss.

Es langt aber nicht, dass nur der Hundeführer darum weiß, sondern der Hundeausbilder und der Therapeut müssen diese Dinge ebenfalls kennen. Es darf nicht nur dem Menschen gut gehen, sondern dem Hund ebenfalls!

Berücksichtigt wird auf zwei Seiten (S. 250 bis 251), was das Personal in Instituten, etc. Positives davon hat, wenn ein Therapiehund auch von diesen gestreichelt werden darf.

Zu den verschiedenen, im Buch vorgestellten, Hundetest ist zu sagen, dass diese sicher gut bei Tierheimhunden etc. sind. Ein guter Züchter sollte aber sehr konkret sagen können, welcher Welpe sich wie bei der Geburt verhalten hat, um entsprechende Menschen zu seinem Welpen auszusuchen. Ein temperamentvoller Welpe gehört nicht zu einem mehrfach behinderten Kind, sondern eher zu einem ballspielenden Jugendlichen.

Umgekehrt sind phlegmatische Welpen eher bei Senioren oder auf einer Carcinom-Station einsetzbar, als bei actions- liebenden Menschen. Dies lässt sich allerdings bereits im Vollzug befindlichenWurfes feststellen.

Schließlich sind Tests nur ein Momentaufnahme und die kann im nächsten Augenblick bereits anders sein. Unberücksichtigt bleibt der jeweilige Mensch in seiner Tagesform, der Hund in seiner jeweiligen Tagesform, das Wetter, die Situation, die Umgebungsthemperatur, die unterschiedlichen optischen und akustischen Außenreize usw.

Unberührt hiervon bleibt allerdings immer noch die im Buch angesprochene Prägung und Erziehung. Hier kommt in erster Linie den entsprechenden Züchtern und Hundetrainern eine extrem hohe Verantwortung und Können zu!

Unumgänglich scheint mir, die auch von uns schon lange erhobene Forderung, dass nur ein Hund in den therapeutischen Einsatz kommen soll, der auch eine entsprechende, hoch qualifizierte Prüfung absolviert hat (S. 246)
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Den meisten Seitenplatz nimmt die Arbeit mit Kindern und dessen statistische Auswertung ein. Das, was Frau Dr. Portmann aufzeigt ist für unsere Arbeit mit Kindern sehr gut zu verwerten und umzusetzen.

Positiv ist die konkrete Erläuterung, mit viel Hintergrundwissen in der Theorie, der verschiedenen Settings mit Kindern während der tiergestützten Kinderspychotherapie, so dass selbst ein Laie sich die Vorgehensweise gut vorstellen kann. Der Therapeut weiß nach der Lektüre, warum, weshalb, was und wie er etwas angehen und durchziehen kann.

Fazit: Eine gründliche, verständlich aufgebaute Lektüre, die so manchem Pädagogen, Seelsorger, Therapeuten, Erzieher und auch interessierten Eltern helfen kann mit der Materie besser umgehen zu können.