Der therapeutische Wert des Spieles für Mensch und Hund

Spielen? Ich bin doch erwachsen! Das machen nur Kinder.

Ja, wirklich?

Erwachsene kennen auch Spiele, z.B. Fußball, Tennis, Karten, Lotto, Mensch-ärgere-Dich-nicht, Schach oder Computerspiele.

Wenn Erwachsene spielen, dann ist das Spiel normalerweise mit einem Ziel verbunden, sonst ist es Zeitverschwendung oder gar Frevel. Man tritt in den Wettbewerb bei dem Schachspiel oder Mensch-ärgere-Dich-nicht. Oder man möchte starke Muskeln bekommen oder mehr abnehmen als die anderen , die mittrainieren. Es geht um den Sieger. Oder beim Lotto möchte man endlich seine Geldsorgen los sein und mal den großen Treffer landen.

Diese Art von Spiel befriedigt nur, wenn man gewinnt und das gesteckte Ziel erreicht.

Selinas "Kopf-Finger-Spiel" mit Tove von der Stellerburg. Selina ist schwertsbehindert, aber trotzdem kann sie ihrem Glück Ausdruck verleihen.
Selinas "Kopf-Finger-Spiel" mit Tove von der Stellerburg. Selina ist schwertsbehindert, aber trotzdem kann sie ihrem Glück Ausdruck verleihen.

Wir Erwachsenen haben ein großes Defizit entwickelt, wenn es um echtes Spielen geht. Unsere falschen Vorstellungen bezüglich des Spieles haben uns die Sicht verbaut, um wieder dabei auftanken und streßfrei werden zu können. Das therapeutische, richtige Spiel ist ein kindliches Spiel.

Scott von Belvedere beim Pfötchen-geben-Spiel im Seniorenheim mit Frau Evi Balzar
Scott von Belvedere beim Pfötchen-geben-Spiel im Seniorenheim mit Frau Evi Balzar
Praktikantin Marion Frank mit "Biggy" einer Chesapeake Bay Retrieverin beim Toben.
Praktikantin Marion Frank mit "Biggy" einer Chesapeake Bay Retrieverin beim Toben.

Schauen wir einmal einem Kind zu, welches intensiv spielt. Es spielt selbstvergessen: Vater-Mutter-Kind . Das Kind erprobt den Ernstfall, und erleichtert so z.B. Trennungszeiten. Hier geht es nicht um gewinnen oder Verlieren. Darum ist Sport in den allermeisten Fällen kein echtes Spiel. Das kindliche Spiel hat nichts mit Leistung zu tun.

Folgende Punkte gehören zum echten, therapeutischen Spiel:

1. Der Entschluß zum Spiel ist freiwillig

2. Das Spiel ist pure Freude

3. Es ist eine Form des Selbstausdruckes, kein Schaulaufen.

4. Die Belohnung liegt im Spiel selbst.

5. Das Spiel läßt uns Raum, Zeit, Probleme etc. vergessen. Es befreit.

6. Wenn wir nicht spielen fehlt es uns im Leben an Würze. Schauen wir uns einen spielenden Menschen einmal an: Seine Augen fangen an zu funkeln.

 

Das therapeutische, echte Spiel hilft zur Gelassenheit und Entspannung. Das wahre Spiel ist der Schlüssel zu uns selbst. Psychisch Kranke können nicht spielen.

Wenn wir richtig mit dem Hund spielen, dann entsteht eine super positive Stimmungslage, die wiederum den Hund ins Glück versetzt. Der Mensch gerät in den Flow-Zustand, voller Selbstvertrauen und es interessiert ihn nicht, was um ihn herum ist. Es ist eine echte Stimmulation unserer und des Hundes Gefühlslage. Dieser Highzustand verhilft uns Menschen den Alltag wieder anzugehen, denn er hat uns eine wirkliche Kraftquelle eröffnet.

Das Gesicht von Frau Monika Wendling verrät im therapeutischen Spiel, was sie fühlt.
Das Gesicht von Frau Monika Wendling verrät im therapeutischen Spiel, was sie fühlt.

Spielen Sie oder hat Ihr Spiel mit Leistung zu tun? Dann hat Ihr Spiel nichts mit echtem Spiel zu tun. Nehmen wir das Joggen mit Hund: Joggen Sie mit dem Hund und sind eher dazu geneigt den treuen Vierbeiner anzufauchen endlich mit zu kommen , wenn dieser mal stehen bleibt und schnuppert oder bleiben Sie ebenfalls stehen, schauen die schönen Wolken an, genießen die herrliche Wildblume und freuen sich über das Plätschern des Baches? Wenn Sie nur Ihre Runde absolvieren möchten und gleichzeitig den Hund dabei haben, weil damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden, hat das nichts mit echtem Spiel zu tun. Der Hund bleibt stehen, weil er es liebt und hat nichts mit Leistung im Sinn.

 

Vielleicht müssen wir uns fragen, was wir als Kind gerne gespielt haben. Bordsteinhüpfen? Schaukeln? Sandburgen bauen? Bitte zensieren Sie nicht!

Mein Vater hatte einen herrlichen Wahlspruch: „Spinnen wir mal wieder“ und er wurde mit der Bronzemedaille bei der Welterfindermesse geehrt.

Es war 1961. Wir machten als Familie in Kellenhusen, an der Ostsee einen Sommerurlaub. Ich spiele selbstvergessen „Burgenbaumeisterin“ und kreierte ein Sandburg. Als ich fast fertig mit meiner Burg war, schrieb die Kurverwaltung einen Burgenwettbewerb aus. Kurzentschlossen meldete ich mich an und gewann den zweiten Preis. Hier kam das echte, therapeutische, vorlaufende Spiel mit dem anschließenden, zufälligen Wettbewerb zusammen. Das war für mich nicht nur das I-Tüpelchen. Dieses Erlebnis trägt bis heute seine Spuren.

Beim Burgenwettbewerb 1961 in Kellenhusen
Beim Burgenwettbewerb 1961 in Kellenhusen

Spinnen oder tanzen Sie, lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Stellen Sie sich auf den Kopf, wenn es Ihnen dazu zumute ist und Ihr Hund wird schwanzwedelnd auf Sie zukommen. Lassen Sie Ihr Kind, dass in Ihnen steckt, heraus und machen z.B. irre Verrenkungen. Ob Sie mal wieder albern sein können?

Spielen Sie mit Ihrem Hund und genießen Sie zusammen die Freude und das Glück.

PS: Eine kleine, (therapeutisch) bedingt brauchbare Spieleanleitung finden Sie bei Ekard Lind, „Richtig Spielen mit Hunden“ Video Natur Buch Verlag

Selina quitscht vor Glück mit "Tove von der Stellerburg"
Selina quitscht vor Glück mit "Tove von der Stellerburg"