Hundehaar(-allergie)? - Teil 3

Bei der Ohrenpflege einer Golden Retrieverin
Bei der Ohrenpflege einer Golden Retrieverin

Wo setzen sich Allergene ab?
Jedes Haar besitzt eine äußere Schuppenschicht (siehe Skizze) , worauf sich z.B. Blütenpollen von Bäumen, Gräsern, Blumen etc. absetzen. Dies trifft nicht nur auf Hundehaare zu, sondern auch auf Menschenhaare. Die Schüppchen liegen bei gesunden Haaren flach an und bilden eine glatte Oberfläche. Man kann sich das wie einen Tannenzapfen vorstellen, bei dem die Oberfläche noch geschlossen ist.

Manche Hundebesitzer gehen daher nach einem Spaziergang dazu über und "ledern" ihren Vierbeiner mit einem feuchten Ledertuch ab, was eine Vielzahl von Allergien auslösenden Stoffen vom Fell wegnehmen soll. Wenn sie es beim Hund machen, müßten diese Personen es auch bei sich selbst erledigen, wo sie doch ebenso z.B. durch den Birkenhain gewandert sind und genauso diese Partikelchen auf den Haaren tragen. Dies wird in der Regel unterlassen und dann trotzdem der Hund - bei einem allergischen Schub - verantwortlich gemacht, was ausgesprochen ungerecht ist.

Achtung! In südlichen Ländern gibt es zusätzliche Gesundheitsrisiken, nicht nur für den Menschen, sondern auch für den Hund. "Yasmin von der Stellerburg in Südspanien"
Achtung! In südlichen Ländern gibt es zusätzliche Gesundheitsrisiken, nicht nur für den Menschen, sondern auch für den Hund. "Yasmin von der Stellerburg in Südspanien"

Pflege der Hundehaare
Grundsätzlich gilt: je länger das Haar, um so mehr Pflege braucht es. Es ist aber nicht nötig, dass z.B. der Colliebesitzer täglich 2 Stunden seinen Hund bürstet. 1-2 mal in der Woche langt dies völlig.

Um Infektionen, Verschmutzungen und im Winter Vereisungen zwischen den Zehen vorzubeugen, ist es angebracht, regelmäßig die Haare in den Zehenzwischenräumen auszuschneiden.

Ein gepflegter Hund sollte keine "Puschen" haben, sondern die überstehenden Pfotenhaare korrekt der Pfotenform abgeschnitten bekommen.

Ob ein Hund getrimmt wird oder nicht, hängt von der Rasse ab. Hier wird Ihnen, lieber Leser, der Hundefrisör oder der entsprechende Rassezüchter weiter helfen können.

Und was mache ich, wenn mein Hund sich parfümiert hat und einen Kuhfladen als das geeignete Mittel ansah? Wie wäre es mit einer handwarmen Dusche?

Sollte dies nicht ausreichen, so gibt es beim Tierarzt medizinische Shampoos, die auch gleichzeitig Ungezieferbekämpfung mit betreibt, so dass man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat. Stark entfettende Reinigungsmittel und Trockenshampoos stören die normale Talgdrüsenfunktion und schädigen Haar und Haut durch Austrocknung.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass bestimmte Shampoos für den Hund Allergie auslösend sein können.
Heißes und häufiges Föhnen schädigen die Haarstruktur. Sie machen die Haare dünner. Am schonendsten ist es für das Haar des Hundes, diese an der Luft trocknen zu lassen bzw. nur lauwarm trocken zu blasen.
Haargummis oder scharfkantige Haarspangen z.B. bei Yorkis knicken die Haare ob und üben zu viel Druck auf diese aus. Die Folge ist Haarspliss bzw. .- bruch.

Noch ein Tipp: Starke Sonnenbestrahlung, erst recht in Verbindung mit Salzwasser, trocknet das Haar auch aus. Es wird porös und brüchig. Daher ist es ratsam, den Hund nach einem herrlichen Bad im Meer mit normalem Leitungswasser abzuduschen.

Für Ausstellungen "schöne" Hundehaare?
Auf internationalen FCI-Ausstellungen habe ich folgende Beobachtungen gemacht:
Hundehaare werden toupiert, mit Haarspray versehen, mit Nerzöl besprüht, geföhnt, mit Lockenstäben und heizbaren Wicklern bearbeitet, mit weiß- oder Schwarzmachern "verschönt" und was es sonst noch so alles auf dem Hundefrisörmarkt gibt.

Dazu müssen die Vierbeiner stundenlang auf dem Trimmtisch stehend, womöglich noch am sogenannten Galgen festgemacht, ausharren. Tiergerecht? Nein! Ganz sicher nicht. Wer nicht in der täglichen Pflege dem Hund die nötige Aufmerksamkeit schenkt, überfordert diesen ganz sicher, wenn er dem Vierbeiner für eine Ausstellung stundenlanges Bearbeiten der Haare bzw. des Fells zumutet.

Tönning, Multimar. Auch hier dürfen keine Hunde rein, ausgenommen Blinden- und Behindertenbegleithunde. Auch hier hat sich noch niemand beschwert oder einen Asthmaanfall bekommen. Dan vor einem Aquarium
Tönning, Multimar. Auch hier dürfen keine Hunde rein, ausgenommen Blinden- und Behindertenbegleithunde. Auch hier hat sich noch niemand beschwert oder einen Asthmaanfall bekommen. Dan vor einem Aquarium

Verfilzungen
Es gibt Hunderassen, da sind verfilzte Haare im Standard gefordert, (z.B. beim Puli). Die Regel ist jedoch, dass Verfilzungen nicht erwünscht und sicher aus hygienischen Gründen nicht vorteilhaft sind. Wieviel schwieriger ist es bei einem verfilzten Hund einen Floh herauszukämmen! Auch die Entfernung von Zecken innerhalb einer verfilzten Stelle ist nicht unproblematisch. Die am meisten betroffenen Stellen befinden sich hinter den Ohren und unter den Achseln der Vorderläufe. Verfilzungen zeigen an, dass der betroffene Hund nicht genügend Haarpflege und Aufmerksamkeit erhalten hat. Beim regelmäßigen Büsten und Kämmen dürften keine Verfilzungen auftreten.

Und wenn doch mal solche Haarpartien entstanden sind? Dann helfen ein Entfilzungskamm (ein Kamm mit scharfen Klingen zum Durchtrennen der Wolle) oder im schlimmsten Fall das totale Entfernen der verfilzten Stelle. Diese Stellen allerdings wird ein guter Richter bei Ausstellungen sogleich bemerken, weshalb kein V1 gegeben werden sollte.

Wie entstehen Verfilzungen?
Filz entsteht durch warme Feuchtigkeit und Reibung. Von daher gesehen sind die Problemzonen auch sehr logisch, denn hinter dem Ohr wird gekrault und die Vorderläufe reiben beständig mit dem Fell gegen den Brustkorb des Hundes. Da wir unseren Hunden keinen Regenschirm beim Regen bieten, sondern diese die Nässe mit dem Fell aufnehmen, ist es nur natürlich, dass auch ohne unser Zutun Verfilzungen entstehen. An uns liegt es lediglich, diese regelmäßig zu lösen bzw. zu entfernen.

Lyon, Frankreich: Trotz Hundeverbot dürfen unsere Hunde mit Kenneldecke im öffentlichen Linienbus mitfahren un keiner hat protestiert.
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Seniorenheim "Friedenshort" in Wuppertal-Ronsdorf: Einen Nachmittag mit Vorführungen und Vortrag zur Freude der Anwesenden
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Elektrisch aufgeladene Hundehaare
Der Volksmund kennt die Aussprüche: "Das geht mir gegen den Strich", "Da stehen mir die Haare zu Berge" oder "Da stellt es einem die Haare auf". Diese Weisheiten haben etwas mit unseren Emotionen zu tun, wie das auch bei unserem Vierbeiner der Fall ist.

Wenn wir Menschen elektrisch aufgeladene Haare haben, schieben wir das gerne auf die Gummisohlen an den Schuhen, das Arbeiten am Bildschirm oder auf den Kunstfaserteppich. Aber auch hier spielt die Seele eine wesentliche Rolle. Bei unruhigen, gestressten und gehetzten Menschen wird manchmal schon beim Kämmen die hohe Spannung durch das Knistern hör- und auch sichtbar.

Das eigene "Kraftwerk", der Körper, läuft auf Hochtouren. Der Ärger über die fliegenden Haare treibt die Betroffenen zu noch mehr Stress. Besonders für sehr sensible, feinfühlige Menschen besteht die Gefahr für hohe "Elektrizität". Ständige Überbelastungen, Zeitdruck, zu viele oder zu hohe Anforderungen lassen des Menschen Motor oft zu lang im oberen Drehzahlenbereich rotieren und es kommt zu ständig steigenden hohen Spannungen, welche sich an unseren Haaren zeigen kann.

Was für den Menschen gilt, gilt an dieser Stelle auch für den Hund. Meine Beobachtungen bestätigen dieses Phänomen. Auf Ausstellungen (Streß pur für die Hunde) hat so mancher Hundefrisör mit elektrischen aufgeladenen Hundehaaren zu kämpfen. Bei Collies (sensible, feinfühlige Hunde) habe ich wiederholt elektrische Aufladung der Haare erlebt, die sich erst wieder legten, als die äußere Spannungssituation verschwunden war.

Dagegen habe ich bei meinen Golden Retrievern noch nie elektrisch aufgeladene Haare beobachtet.
Naturgemäß ziehen aufgeladene Haare vermehrt Partikel an, so dass hier auch eine erhöhte allergische Reaktion stattfinden könnte. Der Mensch greift bei fliegenden Haaren schnell zu Haarsprey oder sonstigen Hilfsmitteln, um über diesen Zustand Herr zu werden. Bitte diese "Lösungsversuche" nicht beim Hund anwenden. Hier hilft nur: raus aus der Spannungssituation, Entspannung ist angesagt, Spiel, evtl. eine Wanderung oder ein Spaziergang.

10. Schlußbetrachtung
Nach entsprechenden umfangreichen Untersuchungen vom Institut für Sozialmedizin, Prof. Torsten Schäfer, ist das Halten von einem Hund nicht mit einem höheren Allergierisiko verbunden: "Es mehren sich sogar die Hinweise, dass ein Hund vor der Entwicklung von Allergien schützen kann."

Eine echte Hundehaarallergie gibt es nach unseren Erfahrungen äußerst selten, bezieht sich nur auf einen einzigen Hund und ist von Fall zu Fall absolut individuell. Wenn medizinisch nachgewiesener Weise eine Hundehaarallergie vorliegt und trotzdem ein Hund angeschafft werden soll, bietet sich nur noch der Nackthund an. Dasselbe betrifft nicht nur Hundehaare, sondern gilt auch für Menschenhaare. Deshalb dürften sich diese allergiebehafteten Menschen auch nur mit glatzköpfigen Zweibeinern umgeben. Wie gut, dass es solche bedauernswerten, kranken Menschen nicht wirklich viel gibt und wie gut, dass Lösungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Weiterführende Literatur:
"Das Geheimnis schöner Haare" von Reinhold Kopp, ISBN 3-466-30541-1, Kösel Verlag
"Das große farbige Hundelexikon" Müller Verlag, ISBN 3-275-00665-7
"HORZU" Nr. 7/11.Februar 2005, Seite 113

Collie Welpe mit Flaum beim Sandbuddeln
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