Interview mit Barbara Puhl / Januar 2001

Welpen.de:
Wieso kamen Sie dazu, sich der Ausbildung von Therapiehunden zu widmen?

Frau Puhl:
Als Krankenhausseelsorgerin habe ich 1988 einen Collie mit nach Eiderstedt/Nordfriesland ins Altenheim bringen dürfen. Dafür bin ich dem Heimleiter heute noch sehr dankbar. Der Collie erwies sich als guter Wachhund. Er ging mit in die Zimmer der Senioren. Wenn ich ihn dann aber allein dort ließ, kam keiner mehr rein und keiner mehr raus. Das war nicht das, was in einem Alten- und Pflegeheim gebraucht wurde.

Dieser Collie, eine Hündin, sollte damals nur einmal Junge haben, damit ich nicht wieder das Drama erleben mußte, daß ich vorher mit einer Hündin mit Milchleistenkrebs erlebt hatte. Keinerlei Ahnung, worauf ich mich da einließ, züchtete ich einen Wurf Collies. Der hiesige Tierarzt fand sie ungewöhnlich gut und überredete mich, zu einer Ausstellung zu gehen. Auf dieser ersten Ausstellung meines Lebens für Hunde erhielt ich auf Anhieb den ersten Platz und ab da war es um mich geschehen. Ich hatte "Blut geleckt". Also behielt ich eine Hündin und nahm sie dann auch mit in dieses Altenheim. Dort wurde der Welpe mit viel Hallo und Freude willkommen geheißen. Es war der Herzensbrecher für die Senioren.

Aufgrund meiner Vorbildung, versuchte ich nun, den Welpen entsprechend zu prägen und zu erziehen. Das Collies so intelligent und sehr lerneifrige Lebewesen sind, wußte ich bis dahin nicht. Ich kannte ja nur die Lassie-Filme und meine früheren Erfahrungen mit den verschiedensten Hunderassen.

Damit ich später keinen Ärger von Amts wegen bekam, ließ ich mich vom zuständigen Veterinäramt prüfen (Zwingeranlage und Sachkenntnis) lt. § 11 des damaligen Tierschutzgesetzes. Darum ist bis heute eine gute Zusammenarbeit möglich.

 

Bei der Ausbildung folgte ich meiner eigenen Vorstellung und meinem Wissen über menschliche Pädagogik und Psychologie. Erst später erfuhr ich, daß es in den USA solche Hundeprogramme schon gab. Was ich darüber in Erfahrung bringen konnte, habe ich verschlungen. So stieß ich auch eines Tages auf den "Verein Therapiehunde Schweiz" mit der Präsidentin Ursula Sissener. Sie ist die erste geprüfte Therapiehundeausbilderin und -richterin Europas und wurde von der Delta Society Renton WA geschult und geprüft.

Da man in Deutschland für alles und jedes einen Nachweis mit Schein braucht, bat ich um Prüfung, wozu Frau Sissener extra nach Deutschland und in den hohen Norden angereist kam. Sie nahm mir die Prüfung zur Ausbilderin nach Delta-Normen und im Auftrage der Delta ab. Dies wurde schließlich am 14.6.1995 mit praktischer Vorführung der Öffentlichkeit in Heide/Dithmarschen mit Presse und Fernsehen vorgestellt. Zwei Collies von mir erhielten den Prüfungsnachweis. Es war die Colliehündin "Asta von der Stellerburg" und der Collierüde "Black Fenris Wolf of Rimrock". Beide sind heute noch im Einsatz.

Zunächst hatte ich überhaupt nicht vor, zu Züchten oder Ausbildung in dieser Richtung zu betreiben. Aber die positiven Auswirkungen auf die Senioren und auch auf die Mitarbeiter haben das ganze Unternehmen wachsen lassen.

Die erste Veröffentlichung am 28. September 1992 durch Herrn Suchand in den "Husumer Nachrichten" brachte diese Arbeit ins öffentliche Interesse. Ab da erhielt ich immer wieder Anfragen bezüglich Zucht, Ausbildung und Arbeit mit Therapiehunden.

Ab dem 1.3.1995 bin ich Frührenterin und kann mich heute ganz auf dieses schöne Hobby konzentrieren.

Praktikantin beim Welpenspiel
Praktikantin beim Welpenspiel

Welpen.de:
Therapiehunde, was ist das? Welche Rassen, welche Hundegröße und welches Alter sind für die Ausbildung geeignet?

Frau Puhl:
Zunächst unterscheide ich zwischen Therapie- und Behindertenbegleithunden. Therapiehunde sind zur Therapie für Kranke und Behinderte da, damit bei diesen die Freude am Leben wieder wächst und sie mehr und mehr gesunden.

Behindertenbegleithunde sollen den Mangel einer Behinderung ausgleichen und bestimmte Dinge für den Behinderten erledigen. In Amerika nennt man solche Hunde auch Service Dog.

 

Bei uns hat der Behindertenbegleithund einen festen Anker im Gesetz z.B. in der "Landesverordnung über das Halten und Beaufsichtigen von Hunden". Danach dürfen Behindertenbegleithunde ihren schwerbehinderten Menschen auch in Kirchen, Schulen und Krankenhäuser, Theater, Lichtspielhäuser, Konzert-, Vortrags- und Versammlungsräume begleiten, sowie auf Kinderspielplätzen, auf Liegewiesen , in Badeanstalten und auf Badeplätze. Außer einem Behindertenbegleithund darf das nur noch ein Blindenführhund (Lt. § 9 Absatz 3 des o.g. Gesetzes). Dieses ist jedem anderen Hund nicht gestattet.

Therapiehunde werden

1. bei körperlich Kranken eingesetzt, um z.B. einen Herzinfarkt- oder Kreislaufpatienten oder Rheumakranken zu trainieren.

2. werden sie gebraucht, um bei einem psychisch Kranken seelische Aufhellung, Lebensfreude, Lebensmotivation und Integration etc. zu erreichen. Die soziale Komponente ist dabei von großer Wichtigkeit. Der Hund stellt hier die Brücke zum Nächsten her, die Isolation wird aufgehoben und Außenkontakt wird aufgebaut.

Die Seele öffnet sich, allein durch das Streicheln des Fells. Der Mensch wird ruhiger. Es gibt eine Studie, wonach der Mensch allein durch das bloße Dasein eines Hundes im Raum ruhiger und sicherer wird.

Der Patient hat einen Ansprechpartner, dem er widerspruchslos alles erzählen kann, der ihn annimmt, ohne Wenn und Aber und ihn noch mag, wenn er nicht mehr so hübsch ist wie in der Jugend.

3. geistig Kranke erhalten durch einen Therapiehund individuell Hilfe. Nachweislich ist eine Schularbeitenhilfe durch so einen Hund positiv verlaufen.

Der T-Hund stellt nur einen kleinen Bereich im gesamten Behandlungskonzept da, was für den ganzen Einsatzbereich solcher Hunde gilt.

Die o.g. Einsatzgebiete lassen sich auf Jedermann ausweiten, sofern er vorgenannte Ziele verfolgt. So werden z.B. in psychotherapeutische Praxen ausgebildete Hunde mit großem Erfolg gezielt eingesetzt. Ein anderes Projekt läuft in der Schule, wo eine Colliehündin Kindern ein bißchen mehr Sonnenschein ins Leben bringt. Senioren, die noch alleine leben, haben durch so einen Hund, größere Chance, länger zu leben und nicht zu vereinsamen.

In Amerika gibt es ein Projekt, dass strafgefangenen Frauen den Vollzug erleichtert, indem sie Therpiehunde ausbilden dürfen, das wiederum für die Strafgefangenen Therapie ist.

Weiter werden T-Hunde als Besuchsdiensthunde eingesetzt, d.h. in Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen, Rehabilitationszentren, Sterbekliniken, Gefängnissen, Kurheime, Psychiatrieen, Behindertenheime, Kindertagesstätten, Jugendheime, Kinderdörfer, Großraumbüros. Die Liste ließe sich wesentlich erweitern.

Ein interessantes Projekt ist sicher der Einsatz in der Diagnostik in einer psychiatrischen Klinik in Leipzig. Dort arbeitet z.Zt. ein T-Hund mit Hundeführer mit jeweils einem zu diagnostizierenden Kind in einem geschlossenen Raum. Der Therapeut, der Videoaufnehmer und der Doktorand sind mit in dem Raum, verhalten sich jedoch absolut passiv in bezug auf das Spiel des Hundes mit dem Kind. Der Hundeführer muß sich ebenfalls sehr zurückhalten und das Kind mit dem Hund spielen lassen. Durch diese Stunden ist die Diagnose schneller und präziser zu bewerkstelligen, als ohne Hund. Es wird z.Zt. darüber eine Doktorarbeit geschrieben.

Was sind Therapiehunde? Es sind Hunde, die schon von ihrem Stammbaum her gesunde Elterntiere haben, in der Welpenzeit besonders trainiert und geprägt wurden und durch eine lange Zeit der Ausbildung gegangen sind. Sie dürfen nicht wehleidig sein, keine Kläffer, oder nervöse Zappelphilippe. Ruhe, Ausgeglichenheit, Gehorsam und sehr große Lernfähigkeit ist besonders gewünscht, sowie die Orientierung am Hundeführer. Ein Therapiehund muß den Angriff und die Flucht unterlassen und seinem Herrn absolut Vertrauen entgegenbringen und ihm gehorchen. Durch diese Fakten fallen von vornherein bestimmte Hunderassen nicht unter diese Klassifizierung.

Selbstvergessenes Training - Sozialisierung -
Selbstvergessenes Training - Sozialisierung -

Ich selbst habe neun Hunderassen ausprobiert und davon sind meiner Meinung nach die Collies und die Golden Retriever am besten geeignet. Von diesen zwei Rassen habe ich nochmals neun bzw. sechzehn Blutlinien getestet und davon sind nur fünf übriggeblieben. Diese sind nicht nur wesensfest und gesund, sondern auch schlau und hübsch. Das letzte ist zwar nicht für einen Therapiehund besonders wichtig, aber ein Besitzer freut sich , wenn er auf der Straße angesprochen wird ob der Schönheit seines Vierbeiners. Selektiert wird nach der Reihenfolge der Aufzählung.

Die Größe eines Hundes ist in der Regel eine individuelle Frage, da nicht jeder Mensch mit jedem Hund zurecht kommt. Am meisten Bewährt haben sich mittel große Hunde mit einem Schmusefell und einer helleren Farbe.

Welpen haben die größte Chance, ein Therapiehund zu werden, denn in der Prägephase kann der Vierbeiner fürs ganze Leben geprägt werden und man muß solche Dinge nicht dauernd im Lebensverlauf weiter üben. Von daher ergibt sich, daß die meisten älteren Hunde ,die so eine Ausbildung nicht von vornherein hatten , nicht in den Dienst eines Therapiehundes eintreten können. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Apportierspiele - Vorbereitung auf später
Apportierspiele - Vorbereitung auf später

Welpen.de:

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Hunden gemacht?

Frau Puhl:

Der Collie hat die richtige Größe, ist intelligent und lernfreudig. Nicht umsonst hat man damals "Lassie" für die Filmarbeiten genommen. Der Collie ist ein Britischer Hütehund und als solcher auf Hüteaufgaben spezialisiert, wenn ihm dies nicht durch Inzest- und Inzucht verloren gegangen ist. Er hütet Haus, Hof und Garten, ja, alles was man ihm zu hüten gibt. So ist dies ein entscheidender Gesichtspunkt für den Kranken und Behinderten, dass er von seinem Hund behütet wird. Für viele Rollstuhlfahrer ist das ein sehr wichtiger Moment. Sollte er angegriffen werden, so ist der Collie zur Verteidigung seines Hüteobjektes bereit. Dazu muß er allerdings instinktsicher sein, was bei vielen Blutlinien nicht mehr der Fall ist.

Der Collie hat ein Schmusefell, was wesentlich zur Aufhellung der Stimmungslage des Menschen beiträgt, wenn er mit dem Hund schmust. Leider wird der Collie heute überwiegend in super langen Haaren gezüchtet und ist nicht mehr so Pflegeleicht, wie ehemals "Lassie" es war. Ein Rollstuhlfahrer ist normalerweise nicht in der Lage, so viel Fell gründlich zu Pflegen. Ich selbst ziehe daher die Ursprungslänge des Colliefells (siehe Lassie) vor.

Ein weiterer Punkt für den Collie ist seine Meldefreudigkeit. Er meldet von Natur aus Haustürschelle, Telefon, Fax, Babygeschrei etc. Aus diesem Grund ist er ein idealer Hund für Menschen, die schlecht oder gar nicht hören können. Da sie zweisprachig erzogen werden, also mit Hör - und Sichtzeichen, ist so ein Vierbeiner auch gut in der Lage für Gehörlose seine Arbeit zu verrichten.

Der Golden Retriever ist dem Collie in Bezug auf Lernfreudigkeit , mittlere Körpergröße und Schmusefell ebenbürtig. Er ist allerdings kein Hütehund, sondern ein Jagdvierbeiner. Er ist mehr ein gutmütiger Teddybär der jede Schlammpfütze und Wassergraben liebt. Er verträgt mehr Knüffe und Ungeschicklichkeiten von Kindern. Die Sensibilität eines Collies hat er nicht. Er würde sich glatt über jeden Einbrecher freuen und ihn herzlichst willkommen heißen. Golden Retriever, die ich als Welpen einer Colliehündin zur Aufzucht gegeben habe, zeigen ebenfalls Meldeverhalten bei Menschen.

Die stärkste Seite der Golden Retriever scheint mir die Apportierfreude zu sein. Es ist einfach, diese Naturveranlagung zur vollen Entwicklung für einen behinderten Menschen zu trainieren. Das steckt ihm im Blut und wenn man es von vornherein spielerisch übt, also schon mit 8 Wochen , und dies auch weiterhin bis zu ca. einem Jahr beibehält, wird er zeitlebens seinem Besitzer große Dienste leisten.

 

Meine Erfahrung mit diesen beiden Rassen ist auch, daß sie mit 5 Wochen stubenrein sind. Sie haben ohne jeden Zwang oder Training meinerseits von selbst dies gelernt. Dazu ist eine entsprechende Anlage nötig. Dazu siehe später.

Meine Erfahrung mit anderen Rassen sind recht unterschiedlich: Der Foxterrier war zu unruhig, die Schäferhunde waren im Fell nicht schmusig und die Aggressionsschwelle etwas niedrig, der Irische Setter war zu hibbelig und zu sehr auf Jagd aus, der Dackel war zu klein für Patienten im Bett und ließ sich nicht gut ausbilden, da er einen eigenen Kopf hatte, der Airedal Terrier ist zwar schlau, aber mit ihm gab ich die Terrier Linie auf, denn auch er war zu unruhig. Es folgten noch ein schwarzer Jagdhundmischling und eine Colliedame. Bei den Mischlingen ist es nun mal schwer voraussagen zu können, was es letztendlich an Charakter etc. wird. Daher ist mir ein reinrassiger Hund lieber, der sicherer zu definieren ist. Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel.

 

Ein Junge, der einen Freund fand
Ein Junge, der einen Freund fand

Welpen.de:

Gibt es Grenzen im Einsatz von Therapiehunden?

Frau Puhl:

Es gibt zur Zeit nur drei Möglichkeiten, wo ich keinen Therapiehund in Einsatz bringen würde: bei aggressiven/autogaressiven Menschen , bei infektiösen Patienten und denjenigen, die auf Akkutstationen (z.B. Intensivstation) liegen.

 

Welpen.de:

Wieviele Hunde haben Sie zur Zeit? Wie leben diese? Können Sie uns bauliche Voraussetzungen benennen?

Frau Puhl:

Bei mir zu Hause sind z.Zt zwei Collies, eine Golden Retriever Hündin und ein Chesapeake Bay Retriever Welpe. Die beiden Letztgenannten befinden sich noch in der Ausbildung.

Alle zusammen haben sie ein eingezäuntes (1,80m hoch), ca. 500 Quadratmeter großes Gelände, das einem Abenteuerspielplatz ähnlich sieht. Die Hunde können von sich aus, wie es ihnen gefällt, ins Haus (z.Zt. insgesamt drei Möglichkeiten) oder draußen sich aufhalten. Das Gelände kann ich durch verschiedene Gitter mit Türen in verschiedene Bereiche aufteilen. Dies ist z.B. nötig, wenn der Collie Rüde nicht seine Allerliebste decken darf oder wenn Welpen mit der Mutter ungestört die Welt erkunden müssen oder Fremdbesuch da ist oder..... Jeder Hund ist am Tag mindestens 6 Stunden mit in der Wohnung bei mir . D.h., dass alle zusammen mit im Büro sind, oder nur mal einer zwecks Training (Welpe), oder in jeder nur denkbaren Kombination bei mir ist. Das schließt einen Spaziergang z.B. an der Nordsee mit ein.

Der Außenbereich hat alle möglichen Bodenbeläge, so z.B. Sand, Kies (diese allein zusammen 60 Kubikmeter) Betonplatten, Holzplatten, Rasen, Erde, Unkraut, ein 2 X 2 m großes Hochbrett, eine Hundehütte, ein 2 x 8m großer, überdachter Holzzwinger (alles nur zum Spielen gedacht, sehr viele Sträucher und Bäume der verschiedensten Art. Eine Stirnseite ist mit Sicht zu den Grünlegehühnern und Bullen/Kühe.


Damit die Hunde sich auch an andere Tiere gewöhnen, gibt es bei mir z.B. auch Hühner
Damit die Hunde sich auch an andere Tiere gewöhnen, gibt es bei mir z.B. auch Hühner

Im Augenblick sind zwei Fenster der Hundezimmer zum Außenbereich offen, so daß jeder Hund sich dahin zurückziehen kann, wohin er gerade möchte, da auch im Außenbereich alle Türen offen stehen.

In einem hellem, freundlichem Zimmer ist eine wärmeplattenregulierte Wurfkiste (bei den starken Minusgraden, wo die Heizung nicht mehr als 12 Grad Raumthemperatur geschafft hat, nötig),über dieser Wurfkiste befindet sich eine Wärmelampe, die je nach Bedarf eingeschaltet werden kann, weiter befindet sich dort eine große Hundehütte, auf die die Hunde sich auch obenauf legen können, ein Trimmtisch, ein Stahldrahtkorb mit dicker Turnhallenbodeneinlage, einer automatischen Wassertränke (mit Schwimmer) , ein Radio und insgesamt fünf verschiedenen Bodenbelägen. Das andere Zimmer ist als Welpenaufzuchtraum konzipiert. Dort ist eine Hochwurfkiste, ca. 18 cm über dem Boden.

Dieser Höhenunterschied kann über eine Minnitreppe von den Welpen später überwunden werden. Über der Wurfkiste ist eine Wärmelanpe mit einem Ablagebrett installiert. Rechts neben der Kiste und mit ihr fest verbunden ist ein Hochbrett mit Teppich für die Hundemama, damit sie jederzeit ihre Welpen unter Aufsicht hat. Egal, ob diese nun noch in der Kiste liegen oder schon älter sind und durch den Raum toben., sie hat die Übersicht. An das Hochbrett schließt sich ein Tümmler an und daran die Waschmaschine.

Auf diesen beiden Maschinen lassen sich vorzüglich die Waage und sonstige Utensilien für die Welpenaufzucht unterbringen. Ein Hängeschrank für die Arzneimittel etc. ist über den Maschinen angebracht, worunter ein Radio angeschraubt wurde. Gegenüber dieser Wandzeile sind Hängeschrank und Hängeregal für die vielen Zeitungen, Felle usw .angebracht, so daß der Boden frei zum Aufenthalt der Hunde bleibt. Auch hier gibt es wieder fünf verschiedene Bodenbeläge.

Ein herrliches Spiel mit dem neuen Besitzer: Schnürsenkelziehen
Ein herrliches Spiel mit dem neuen Besitzer: Schnürsenkelziehen

Das dritte Hundezimmer ist dem erstgenannten Raum ähnlich sein und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum erstgenannten Hundezimmer. Die Hunde können sich gegenseitig sehen, riechen und auch belecken.

Zwischen dem letztgenannten Hundezimmer und dem Welpenaufzuchtraum ist eine Hundeküche mit Brausegelegenheit. Da ich allein hier wohne und meinem Hobby nachgehe, ist es sicher nicht verwunderlich, dass alles ein bißchen länger dauert, zumal ich Frührentnerin bin und körperlich nur noch wenig kann. Aber auch kleine Schritte führen zum Erfolg.

So arbeite ich an der Trainingsanlage weiter, sobald ich die nötige Kraft, die nötige Zeit und das nötige Geld habe, um die Materialien anzuschaffen.

Tägliches Spiel
Tägliches Spiel

Welpen.de:

Was kostet die Ausbildung zum Therapiehund und wie lange dauert diese? Bekommen Sie finanzielle Unterstützung bei Ihrer Arbeit?

Frau Puhl:

1,5 bis 2 Jahre, je nach Begabung des Hundes und seines Führers, dauert die Ausbildung zum Therapiehund. Sie beginnt in der Wurfkiste. Es folgt das Welpentraining, die Begleit- und Verkehrshundeausbildung mit Prüfung, die Eignungsprüfung zur Therapiehundeausbildung, die T-Hundausbildung dauert dann ca. ¾ Jahr und endet mit einer 3 tägigen Prüfung, eine für den Hund, eine für den Hundeführer mit Hund und eine schriftliche Prüfung für den Hundeführer mit 243 Fragen.

Die Prüfungsaufgaben müssen zu 100% geschafft werden, da wir voraussagbare Hunde brauchen, die weder knurren, beißen, wegrennen, kläffen, angreifen oder nervös sind, noch dürfen die Hundeführer ohne Kenntnisse

- über bestimmte Erkrankungen und seine Folgen bei Mensch und Hund,

- über ein gewisses Maß an Gesprächsführung und

- über ein Minimalwissen über den Umgang mit Kranken und Behinderten in den Dienst geschickt werden.

Sollte ein Hund bei der Prüfung, die für ihn in total fremder Umgebung und mit restlos fremden Menschen stattfindet, o.g. nur einmal tun, so ist er durchgefallen. Der Prüfungsteil kann wiederholt werden.

Die Kosten belaufen sich z.Zt. auf: Eingangsprüfung 60,00 DM, Basisprüfung , Fähigkeitsprüfung, schriftliche Prüfung jeweils 120,00 DM. 93,00 DM kostet der Erwerb der Kenndecke für den Hund. Das Seminar – egal welche Zeitform – beträgt 2750,00 DM. Dazu kommen je nach Entfernung noch die Fahrt-, Unterbringung und Verpflegungskosten.

Sponsoren für diese Arbeit sind uns sehr willkommen, denn der Deutsche Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V. hat die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Ohne Spenden könnten wir viele Dinge nicht machen. Wir sind von Herzen dankbar für die offenen Herzen und Hände, die uns helfen.

 

Welpen.de:

Wenn sich ein Behinderter einen solchen Hund anschaffen will, was empfehlen Sie? Wenn ein Behinderter aber nicht das nötige Geld dafür hat: Gibt es Kontaktstellen oder eine Zentrale, bei der man sich näher informieren kann?

Frau Puhl:

Ich plädiere fast immer dafür, daß sich die Behinderten einen Welpen anschaffen, der eine therapiehundgerechte Prägung schon erfahren hat. Dies hat folgende Vorteile:

1. der Welpe wird von vornherein auf das geprägt, was er in seinem späteren Leben bewältigen muß, d.h. z.B., dass die ungelenken Bewegungen seines Herrchens ihm nicht fremd sind, oder dass er den Rollstuhl als normal hinnimmt, oder er die suchenden Bewegungen eines blinden Frauchens als o.k. betrachtet.

2. Die innige Beziehung zwischen einem Hund und seinem Führer ist sicher bei weitem besser wenn er dort schon mit 8 Wochen hinkommt und dort auch trainiert wird, als wenn der Welpe erst in eine Patenfamilie, dann in die Hundeschule und schließlich erst zum endgültigen Besitzer kommt. Schließlich gibt es im letzten Fall oft genug die Schwierigkeit , dass der Hund zwar dem Trainer gehorcht, aber nicht sonderlich dem Behinderten.

3. Was hat z.B. ein rheumakrankes Kind davon, wenn es einen ausgebildeten Hund bekommt, und erst dann selbst die Befehle lernen und die Beziehung aufbauen muß? Da ist ein Welpe in sich schon Therapie für so ein krankes Kind. Abgesehen davon, daß es von selbst die nötige Bewegungstherapie freiwillig mit dem Welpen absolviert und mit Sicherheit weniger die vorhandenen Schmerzen spürt. Das Kind wächst mit dem Welpen auf und lernt so mit ihm auch die nötigen Befehle und die Ausführung. Es macht dann einfach Spaß - für beide, und auch für die Eltern. Schließlich bindet der Welpe so eine Familie mächtig zusammen.

Als weitere Möglichkeit gibt es (hoffentlich) in Zukunft Sponsoren, die dem einen oder anderem unter die Arme greifen. In bestimmten Fällen hilft auch hier und da mit einem Zuschuß die Krankenkasse, da so ein verordneter Therapiehund zu den Hilfsmitteln zählt. Der Betroffene sollte zunächst sich bei seinem Hausarzt oder seinem Facharzt so einen Hund verschreiben lassen (wird gemacht!). Zumindestens hat er dann die Möglichkeit, den Vierbeiner über die Steuer abzuschreiben. Als weiteren Schritt müßte er dann die Krankenkasse um individuelle Prüfung bitten. Z.Zt. sind Überlegungen im Gange, dass die zusätzlichen Kosten zu einem normalen Hund übernommen werden.

1998 initiierte ich den Verband Therapiehunde Deutschland e.V. und im Februar 2000 ist der Deutsche Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V. (DBTB) gegründet worden. In ganz Deutschland hat dieser Verband beginnende Gruppe.Mein Logo wurde mit Inhalt vom Deutschen Patentamt patentiert.

Zur Zeit entsteht ein Förderverein für Therapie- und Behindertenbegleithunde, der bereits intensive Beziehungen zu den verschiedensten wichtigen Vereinen, Ämter und Ministerien zwekcs Förderung der Arbeit aufgenommen hat.

 

Welpen.de:

Arbeiten Sie mit Ämtern, Ministerien, Hochschulen, Medizinern, Psychologen oder Vereinen zusammen?

Frau Puhl:

Um so ein großes Netzwerk für Deutschland zu stricken, ist es fachlich und sachlich unumgänglich, mit den genannten Menschen , Vereinen und Ämtern etc. zusammen zu arbeiten. Selbst mit dem Innenministerium sind konkrete Vereinbarungen getroffen worden. Bisher haben schon viele Studenten ihre Diplomarbeit über die hiesige Möglichkeit zur Therapie geschrieben. Alle Aktivitäten hier aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.


Welpen.de:

Für Interessenten, die Therapiehunde ausbilden möchten, hätten Sie folgende Empfehlung:

Frau Puhl:

Machen Sie mit Ihrem Hund (der entsprechend sozialisiert sein sollte) eine Begleit- und Verkehrshundprüfung und melden Sie sich anschließend zu einem der drei Ausbildungsseminare in der Geschäftsstelle an. Hier die weitere Informationsmöglichkeit bezüglich der Daten:

www.therapiehunde-deutschland.de

Welpen.de:

Welche Einsatzgebiete decken z.Zt. die Therapiehunde in Deutschland ab?

Frau Puhl:

Es gibt Hunde in einer normalen Schule, mehrere sind in psycho-, physiotherapeutischen und logopädischen Praxen und in einer kynopädagogischen Beratungsstelle, im Kinderheim, im Altenheim, in einer Schwerhörigen-/ Taubstummenschule, in einer Behindertenwerkstatt und auf einer psychologischen Station für Kinder eines Krankenhauses. In der Schmerztherapie haben diese Hunde wahre Wunder bewirkt.

Einen weiteren , großen Bereich bilden die Familien und Einzelpersonen, die einen fertig ausgebildeten Hund bekommen haben oder einen speziellen Welpen selbst mit Anleitung trainieren. Es sind überwiegend Kinder, die sich bisher über einen Therapiehund freuen. Die Palette der Erkrankungen und Behinderungen ist sehr weit gefächert.

Welpen.de:

Wer hilft Ihnen bei Ihrer Tätigkeit? Gibt es Unterstützung seitens der Behörden oder bleibt alles allein Ihrem Idealismus überlassen?

Frau Puhl:

Die Stadtwerke Heide haben mir einen Übungsplatz mit einem großen Teich kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Stadt Heide hat mir breiteste Unterstützung zugesagt und das Amt Kirchspiellandgemeinde Weddingstedt unterstützte mich durch eine Sondergenemigung für die Therapiehundeausbildung. Das Veterinäramt hat jederzeit ein offenes Ohr für meine Anliegen und hilft, wo es nur kann.

Viele Einzelpersönlichkeiten stehen mir mit ihren Sach- und Fachkenntnissen zur Seite und helfen mit Rat und Tat. Ohne sie, wäre die Gesamtarbeit über Deutschland nicht möglich.

Eine breite Unterstützung gibt es auch durch die Medien, also durch Zeitschriften, Zeitungen, Rundfunk und viele Sender der Fernsehanstalten.

Ihnen allen möchte ich von dieser Stelle aus ganz herzlich danken. Es ist für mich keine Selbstverständlichkeit, Wohlwollen ,Beratung und aktive Hilfe zu bekommen.

Auch Ihnen, von der Redaktion welpen.de, sei ein herzliches Gott vergelt’s gesagt!