Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht!?

Zuerst lasse ich morgens den Hund nach draußen. Anschließend koche ich mir die erste Tasse Kaffee. Danach setze ich mich in aller Regel an den Tisch, um in aller Ruhe die Zeitung zu lesen und die neuesten Nachrichten in mich aufzunehmen. Wenn ich es genau bedenke, ist dies mittlerweile zu einem festen Ritual bei mir geworden.

Bin ich nicht hübsch?
Bin ich nicht hübsch?

Manchmal streiten meine Frau und ich uns darum, wer zuerst den Hauptteil lesen darf. Je nachdem, wer zuerst das Licht des neuen Tages erblickt, ist die Sache von vorneherein eindeutig entschieden. Aber wehe, wir werden zur gleichen Zeit wach!

Beim Nachdenken über das tägliche Zeitunglesen muss ich unwillkürlich an den journalistischen Leitsatz denken: „Nur eine schlechte Nachricht ist auch eine gute Nachricht“.

Schon wieder ein Terroranschlag in einem arabischen Land. Daneben wurde in einer Einrichtung ein neuer Missbrauchsskandal entdeckt. Jetzt sind sogar die Frikadellen nicht mehr unbedenklich genießbar. Lauter schlechte Nachrichten, die man da morgens zusammen mit dem Brötchen aufgetischt bekommt. Bei manchen Nachrichten vergeht mir buchstäblich der Appetit.

Bilder von Geflügelfarmen, in denen Puten mit verkrüppelten Beinen unter der Last ihrer Brust zusammenbrechen und verenden. Die Nachricht, dass ein Kind von der eigenen Familie misshandelt wurde. Oder wenn wieder einmal ein Mensch wegen seiner Hautfarbe, seiner Herkunft, seines Glaubens oder seiner politischen Überzeugung diskriminiert, misshandelt oder umgebracht wurde. Es ist grausam, was wir Menschen einander antun.

Wenn die Zeit es zulässt, begleite ich meine Frau und den Hund abends auf ihrem täglichen Spaziergang. Dabei wurde mir letztens erst bewusst, dass Itthai – so heißt unser Golden Retriever – auch „die Zeitung liest“. Natürlich nicht die Printausgabe, sondern die natürlichen Nachrichten, die überall für ihn hinterlassen wurden.

Überraschend bleibt er plötzlich stehen und schnuppert an einer Stelle, an der wir überhaupt nichts Aufregendes finden. An der einen Stelle verweilt er für unser Empfinden viel zu lange, während er andere
„Nachrichten“ scheinbar überfliegt. Manches am Wegesrand scheint ihn - auch überhaupt nicht zu interessieren.

Na Mädel, du bist für mich zu klein
Na Mädel, du bist für mich zu klein

Wenn Itthai seine Nachrichten schnuppernd liest, wedelt er dabei in aller Regel freudig mit dem Schwanz. Augenscheinlich müssen dies äußerst interessante und gute Nachrichten für ihn sein. Manche Nachrichten fesseln ihn dabei so sehr, dass er uns darüber fast vergisst.

Vielleicht nimmt unser Hund ja auch nur etwas wahr, was uns beim täglichen Zeitunglesen abhanden gekommen ist: Am Wegesrand eines jeden Tages sind lauter gute Nachrichten gestreut über die man sich freuen kann!

Paulus schreibt in der Bibel: „Wo immer ihr etwas Gutes entdeckt, das Lob verdient, darüber denkt nach.“ (Philipper 4,8b nach der Hoffnung für alle). Nicht nur Journalisten sind oft auf das Negative geeicht. Auch ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht, auch ich sehe die guten Nachrichten vor lauter schlechten nicht.

Kein Wunder, wenn ich sie nicht sehen kann, denke ich auch nicht über sie nach – die guten, lobenswerten Ereignisse verschwinden endgültig aus meinem Blickfeld. Aber genau das will ich von meinem Hund und der Bibel lernen: Mit offenen Augen für das Gute durch den Tag gehen.

Einen Sonntag mit einer guten Nachricht am Wegesrand wünscht Ihnen Ihr Pastor Siegfried Ochs aus Krefeld