Praktikum vom 20.07.05 - 20.10.05 bei Therapiehunde Deutschland
von Anke Dörries

FH Köln
Sozialpädagogik

Inhalte:

Wie alles begann.
Der Alltag
Die Hunde
Die Prüfung
Deckrüden-Suche
Wir fahren zur Ausstellung
Das Ende

Der Alltag

Während meines Praktikums gab es verschiedene Aufgaben die täglich und auch sehr regelmäßig und konsequent, wie z.B. das Training der Hunde erledigt werden mussten.

Jeder Morgen begann mit dem Hundehaufen- Aufsammeln auf dem gesamten Gelände, keine besonders spaßige Aufgabe, aber eben absolut notwendig. Dann musste jeder Hund drei Mal am Tag individuell trainiert werden, im Hinblick auf die jeweilige bevorstehende Prüfung. Schließlich gab es natürlich noch tägliche Spaziergänge, da die Hunde ihren Auslauf brauchten. Diese Zeit nutzten Frau Puhl und ich immer für unsere Frage-Antwort-Runde bei der ich immer unglaublich viel Neues lernte und hörte. Hatte ich keine speziellen Fragen, "überschüttete" Frau Puhl mich mit ihrem Fachwissen, sei es im Bereich der Hundeerziehung, Zucht/Genetik, Anatomie, Natur, Religion,… dies hat mir persönlich sehr viel gebracht und nicht nur mein Wissen über Hunde, sondern meine Allgemeinbildung immens vergrößert.

Ebenso alltäglich waren Unmengen von Telefonaten und Internetanfragen bezüglich Welpen, Seminaren, Ausbildung, Praktikum oder allgemeinen Informationen, die natürlich alle beantwortet werden mussten.

Neben diesen Dingen die täglich anfielen gab es in der Woche noch mehrere regelmäßige Termine/Aufgaben:

- Dienstag und Donnerstag ist jeweils 2 Stunden Sprechstunde, wo telefonisch alle Fragen der Interessenten geklärt werden können. In dieser Zeit konnte ich meistens anwesend sein und durch die Fragen der Leute auch viel Interessantes erfahren.

- Mittwoch ist immer ein wichtiger Tag in der Woche, denn da war Altenheimtag. Das heißt, ich habe jeden Mittwoch von 10-11 Uhr Besuchsdienst mit einem der Hunde im DRK Altenheim in Heide gemacht. Dies war sowohl für mich, als auch die Hunde immer ein sehr schönes Ereignis. Ich habe mit dem Hund immer die gleichen vier Personen besucht, bei jedem blieben wir ca. 10-15 Minuten. Dabei waren es ganz verschiedene Arten des Besuchs: Zunächst einmal ist eine schon sehr alte Frau zu erwähnen, die seit längerem im Sterben liegt, sich jedoch, wie es scheint, nicht vom Leben verabschieden kann.

Sie liegt nur noch im Bett, kann kaum noch sprechen oder sich bewegen. Zu ihr habe ich den jeweiligen Hund auf einem Handtuch neben sie ins Bett gelegt damit sie das weiche Fell und die Körperwärme spürt. Dabei hab ich ihr immer Geschichten von den Hunden erzählt oder einfach ihre Hand gehalten. Der schönste Moment war, als sie einmal mit klarem Blick den Hund angeschaut hat, gelächelt hat und auf meine Frage ob es ihr gut gehe mit "ja" geantwortet hat. Der sonst so leblose Körper war plötzlich lebendig und sie wirkte richtig glücklich. Das war wirklich ein überwältigender Moment für mich.

Ein anderer Bewohner den wir regelmäßig besuchten war ein Herr im Rollstuhl, der immer vor dem Fernseher saß, jedoch wenn wir kamen sich ganz dem Streicheln und Füttern des Hundes widmete.

Dann ging es noch zu einem relativ jungen Bewohner, der wegen seiner halbseitigen Lähmung im Rollstuhl sitzt und bislang auch nicht mehr sprechen konnte. Das hat er erst wieder durch die Hunde gelernt, da er unbedingt ihren Namen sagen wollte. Mit ihm bin ich oft eine Runde durch den Park gegangen, während er die Leine halten durfte und der Hund neben seinem Rollstuhl ging. Dabei hab ich ihm viel erzählt und wir haben Sprechübungen gemacht.

Schließlich haben wir noch eine sehr vitale ältere Dame besucht, die jedoch wegen ihrer Beinverletzung momentan nur im Bett liegen konnte. Auch zu ihr habe ich den Hund ins Bett gelegt, was immer ein Leuchten in ihr Gesicht gezaubert hat. Alles in allem waren das superschöne Mittwochvormittage- dank der Hunde. Es war unglaublich faszinierend welche positive Wirkung die Co- Therapeuten auf diese alten, zum Teil sehr verschlossenen und abgestumpften Menschen hatte. Für viele war dieser Besuch der Höhepunkt der Woche, da sie sonst sehr viel allein in ihren Zimmern liegen.

Mittwochabend stand dann ein weiterer Programmpunkt auf dem Plan. Von 17-18 war ich mit Moni bei der Spielgruppe eines nahe gelegenen Hundeplatzes, damit die Kleine genug Kontakt zu Artgenossen haben konnte und somit ihr Sozialverhalten gefördert wurde, womit sie aber nie ein Problem hatte- kein Rüde war ihr zu groß zum Spielen! Anschließend fand noch ein Training in kleineren Gruppen statt, an dem ich mit Moni teilnahm, um mit ihr auch unter Ablenkung für die BVP zu üben.

- Freitag war immer Putztag im Dellweg. Das heißt ich habe alle Innenzwinger gründlich saubergemacht, Näpfe gewaschen,… Schließlich galt es auch noch die Hunde zu säubern, bürsten, Ohren putzen und Zahnstein entfernen. Danach sahen sie immer wie neu aus, was sich jedoch nach einer Spielrunde durch den Garten auch schnell wieder erledigt hatte!!

- Samstag war vormittags meistens Stadttraining, das heißt ein Gang über den Heider Wochenmarkt, Fußgängerzone, Ampeltraining, Aufzugfahren, Geschäfte besuchen und anschließend noch ein Restaurantbesuch, bei dem die Hunde unter dem Tisch liegen mussten. Dies war jedoch nie ein Problem da sie von den vielen Gerüchen, Geräuschen und Eindrücken immer total geschafft und müde waren. Ziel des Trainings war es, die Hunde an alle möglichen Situationen, Menschen, Lärm und Verkehr zu gewöhnen, damit sie lernen gelassen zu bleiben und sich durch nichts erschrecken zu lassen. Dies ist besonders wichtig, wenn sie später bei einem behinderten Menschen in Einsatz kommen.

Samstagmittag war ich immer, wie Mittwochs, mit Moni auf dem Hundeplatz, zum spielen und trainieren.

Neben diesen ganzen Dingen des Alltags hat Frau Puhl jedoch auch sehr viele Dinge mit mir und den Hunden außer der Reihe gemacht. Wie z.B.

- Schwimmtraining in der Nordsee
- Besuch von Husum, mit Besuch eines Gottesdienstes mit den Hunden, Fischmarkt,
Stadtbummel,…
- Begleitung bei einem Gerichtstermin
- Fahrt nach Wuppertal zu ihrem Elternhaus und nach Minden, wo die Vorstandssitzung vom Förderverein für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V. stattfand. Dort war auch einen Tag eine Frau aus Südafrika zu Besuch, die dort mit Therapiehunden arbeitet, um uns ihre Arbeit vorzustellen. Das war sehr interessant, da die Therapiehundearbeit in Südafrika schon viel anerkannter ist als in Deutschland und es sogar einen eigenen Studiengang an der Universität dafür gibt, ohne den man auch nicht in diesem Bereich mit dem Hund arbeiten darf.

In Wuppertal sind wir mit den Hunden Schwebebahn gefahren um sie an die schaukelnden Bewegungen zu gewöhnen und haben auch noch ein Stadttraining mit Fußgängerzone, Buchhandlung, Restaurant, Einkaufspassage und vielen anderen Aktionen gemacht. Ein sehr schöner Tag, an dessen Ende die Hunde und wir gleichermaßen geschafft waren.

Gruppenbild in Minden mit Dame aus Südafrika
Gruppenbild in Minden mit Dame aus Südafrika
Ablegen der Hunde in einer Buchhandlung in Wuppertal
Ablegen der Hunde in einer Buchhandlung in Wuppertal

- Besuch des Pedigree Pal -Seminars in Schleswig mit Thema "Genetisches Rüstzeug für
Züchter". Dabei ging es hauptsächlich um die Krankheiten HD und ED, die beide, laut
Pedigree Pal, genetisch weitervererbt werden. Angefangen von der allgemeinen
Vererbungslehre über Erscheinungsbild, Prophylaxe und Therapie war alles dabei und es
war ein wirklich sehr interessanter Abend.

- Fahrt nach Friedrichsstadt. Dort sind wir mit den Hunden Boot gefahren, was beide ruhig
und gelassen gemacht haben. Anschließend waren wir noch in einem schönen Restaurant
direkt am Wasser und die Hunde haben beide geschlafen.

- Anfang Oktober sind wir für einen Tag mit den Hunden nach Dänemark gefahren. Den
Vormittag verbrachten wir in Toendern, einer sehr hübschen kleinen Stadt kurz hinter der
Grenze. Anschließend ging es nach Emmerslev ans Meer. Dort waren wir in
einem superschönen Restaurant direkt an der Küste, danach haben wir einen langen
Spaziergang am Strand gemacht. Die Hunde hatten einen Riesenspaß mit
Möwenbeobachten, rennen und sich im Schlamm vollsauen. Am Ende des Tages hatten
sie alle Tarnfarbe und waren, wenn sie lagen, kaum mehr im Sand zu erkennen! Es war
für die Hunde und uns ein supertoller Tag mit wunderschönem Wetter und wir fielen
abends alle gleichermaßen müde ins Bett.

Pedigree Pal- Seminar in Schleswig
Pedigree Pal- Seminar in Schleswig
Schifffahrtstraining in Friedrichstadt
Schifffahrtstraining in Friedrichstadt
Yasmin "getarnt" im Sand
Yasmin "getarnt" im Sand

Ansonsten war auch im Dellweg immer eine Menge los und wir hatten viel Besuch. Sei es Leute die sich wegen des Seminars oder Praktikums erkundigen wollten oder Interessenten wegen einem Welpen, bzw. ausgebildeten Hund. Dabei waren auch viele Therapeuten die einen Hund in ihren Beruf einzubinden gedachten oder auch Betroffene, bzw. deren Angehörige, die Hilfe und Unterstützung gesucht haben. Dabei konnte Frau Puhl ihnen nicht nur bei Fragen bezüglich des Hundes und seiner Ausbildung helfen, sondern stand auch in Fragen des bürokratischen Werdegangs oder allgemeinen Fragen zur Seite. Durch diese Besuche habe ich viele sehr verschiedene Menschen kennen gelernt, was ich für mich persönlich, und natürlich in Bezug auf mein späteres Berufsfeld sehr interessant fand.

Dann noch mehrere Tierartbesuche, ob es sich nun um eine Augenentzündung von Moni, die Untersuchung eines möglichen neuen Deckrüden oder die Zuchttauglichkeitsprüfung von Yasmin handelte, an der ich auch dabei sein durfte und die sie übrigens mit Bravour bestanden hat!

Dabei immer sehr interessante Gespräche mit Frau Puhl, die nie langweilig wurden. Gab es einmal nichts zu tun gab es eine riesige Sammlung von Fach- Lehrvideos, -Büchern und -Zeitschriften zum Anschauen und Lesen.

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