Vortrag auf der FILIA in Brünn, Tschechien vom 1.-3.7.2005

Sehr geehrte Zuhörer,

mein Name ist Barbara Puhl. Ich bin Krankenhausseelsorgerin i.R., Züchterin, Trainerin und Initiatorin von drei Vereinen für Therapiehunde in Deutschland. Heute spreche ich zu Ihnen über Therapiehunde Deutschland.

Zunächst möchte ich mich herzlich für die Einladung und die Möglichkeit, unsere Arbeit vorstellen zu dürfen, bedanken. Es ist mir eine Ehre, dies nun schon zum wiederholten Male tun zu dürfen.

Meinen Vortrag habe ich in 11 Abschnitte gegliedert:

1. Der ethische Kodex für die Handlungsweise von Therapiehunde Deutschland.

2. Voraussetzungen für die Abgabe von Welpen.

3. Das Training der Welpenkäufer

4. Die Begleit- und Verkehrshundeprüfung

5. Die Eingangsprüfung zur Ausbildung als Therapiehundeteam.

6. Das Grundseminar

7. Die Basisprüfung

8. Die Fähigkeitsprüfung

9. Die schriftliche Prüfung

10. Die Voraussetzungen Ausbilder und Prüfer für Therapie- und Behindertenbegleithunde zu werden.

11. Die Möglichkeit eines Praktikums

1. Der ethische Kodex für die Handlungsweise von Therapiehunde Deutschland

Das Training: hier in Büsum mit 26 verschiedenen Untergründen / Böden, ungewohnten Gerüchen und Geräuschen.
Das Training: hier in Büsum mit 26 verschiedenen Untergründen / Böden, ungewohnten Gerüchen und Geräuschen.

Vor ca. 12 Jahren bekam ich einen Anruf von einer ratsuchenden Person, die von mir wissen wollte, ob man einen Deutschen Schäferhund als Therapiehund bei alkoholkranken Männern auf der Station eines sehr bekannten, deutschen Krankenhauses in NRW einsetzen könnte. Meine damalige Meinung hat sich nicht geändert und die lautete damals:

Nein.

1. kann man keinen Hund einfach nur so auf einer Station laufen lassen ohne Bezugsperson,
2. ist dies bei aggressiven und autoaggressiven Menschen nicht möglich, weil diese offen oder heimlich den Hund quälen und 3. wird der Hund dadurch auf Dauer unbrauchbar als Therapiehund.

Die Verantwortlichen damals für diesen Einsatz des Therapiehundes wollten nicht auf mich hören und setzten den Hund auf der genannten Station ein. Nach nur drei Monaten war der Hund nicht mehr als Therapiehund fähig seinen Dienst zu tun. Die Männer hatten ihn dermaßen gequält, dass er selbst derbe Verhaltensauffälligkeiten bekommen hatte.

Der gut ausgebildete Vierbeiner mußte aus dem Dienst entfernt werden. Das Geld für die Ausbildung war somit aus dem Fenster hinausgeschmissen und dem bis dahin gutmütigen Lebewesen Hund unnötigerweise für den Rest seines Lebens Schaden zugefügt worden. Dieses Schlüsselerlebnis veranlaßte uns, über den ethischen Kodex für unsere Handlungsweisen nachzudenken.

Es entspringt der christlichen Lehre der Bibel und beinhaltet 4 Schwerpunkte:

1.1. dass die Schöpfung - und hier sind die Hunde und Menschen eingeschlossen, - wert geachtet werden, ihnen kein unnötiges Leid zugefügt wird und sie soweit wie möglich Förderung erfahren. Es darf nicht nur dem Menschen gut gehen, sondern dem Hund auch!

1.2. Sie beinhaltet weiter, dass die bestmögliche Qualität geliefert/gewährleistet wird, sowohl was die Ausbildung betrifft, als auch was die Zucht von geeigneten Hunden angeht. (z.B. die meisten Züchter nehmen den Rüden „X“, weil er der preiswerteste, der am nächsten wohnende oder der schönste, weil mit vielen Titeln versehene, ist. Unsere Kriterien liegen bei Gesundheit und Wesen!)

1.3. Liebe, Konsequenz und Geduld sind weitere Kriterien, wodurch eine optimale und erfolgreiche Ausbildung, Haltung und therapeutischer Einsatz möglich wird. Zwang und Überforderung lehnen wir ab.

1.4. Fairneß, Wahrhaftigkeit und Durchsichtigkeit bei der Arbeit sind weitere ethische Werte, die uns bei dem Anstehenden leiten. Dabei ist die Autarkie des Trainers bzw. des Therapeuten von grundlegendem Element.

Stadttraining: ruhig liegen bleiben, auch wenn Frauchen für 3 Minuten in einem Geschäft ist, u.a. Prüfungsinhalte.
Stadttraining: ruhig liegen bleiben, auch wenn Frauchen für 3 Minuten in einem Geschäft ist, u.a. Prüfungsinhalte.

2. Voraussetzungen für die Abgabe der Welpen.

2.1. Da ich pro Wurf ca. 1.200 schriftliche Bittstellung habe, teile ich zunächst den Kaufwilligen mit, dass nur derjenige in die engere Wahl kommt, der mir den Bewerbungsbogen (unter www.welpen.de/zuechter/puhl/dokumente/bewerbung.htm zu finden) ausgefüllt übermittelt. Dann sind es durchschnittlich nur noch 35 echte Bewerbungen für einen Wurf. Da der Collie ein Hütehund ist und der Golden Retreiver ein Jagdhund, - diese zwei Rassen eignen sich nach unseren Erfahrungen besonders gut - , wird dem Bewerber genau erklärt, auf was er sich bei welcher Rasse einstellen muß, damit nicht hinterher das große Wehklagen entsteht. Z.B. hütet der Collie Haus, Hof und Garten und natürlich auch die Personen, die dort wohnen. Ein Golden Retriever würde demgegenüber jedem Einbrecher noch Gold und Silber seines Herrchens apportieren. Wer sein Schutzbedürfnis zusätzlich befriedigen möchte, sollte lieber einen Collie nehmen.

2.2. Im Zuge der Geburt kann ich sagen, wie die Welpen im erwachsenen Alter einmal sein werden und suche danach die Welpenkäufer aus. (z.B. ein super ruhiger Welpe kann nicht zu einem fußballliebenden Jugendlichen, sondern müßte für ein älteres Ehepaar reserviert werden.). Somit sind alle Welpen bei uns für therapeutische Zwecke geeinget.

2.3. Es gibt zwei Schwerpunkte bei der Vergabe der Welpen: Entweder geht der Hund zu einem Therapeuten oder aber zu einem betroffenen Menschen.

2.4. Unsere Hunde werden fast zu 100 % auf Rezept verschrieben. Dadurch haben die Welpenkäufer einige Vorteile, zumindestens können sie alles, was den Hund betrifft, bei der Jahreseinkommensteuererklärung absetzen. Sie sind dadurch aber auch verpflichtet, dass sie die Ausbildung zum Therapiehund durchlaufen.

2.5. In der Regel sollten die neuen Welpenkäufer 3-4 mal vor Abgabe in der Zuchtstätte gewesen sein, damit der Hund den Geruch, die Stimme, die spastischen Bewegungen, den Rollstuhl usw. vom neuen Herrn kennengelernt hat und der Welpenkäufer umgekehrt ansatzweise mit dem Vierbeiner umzugehen gelernt hat.

3. Das Training der Welpenkäufer

Das beginnt bereits – wie eben erwähnt- beim Züchter . Wenn die Welpen mit 8 Wochen abgegeben wurden, läuft das Training auf verschiedenen Ebenen weiter. Das Telefon und das Internet spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Die Mensch-Hund-Beziehung sollte optimal verlaufen. Dazu ist es nötig, dass der Welpenkäufer auch die Körpersprache des Hundes kennt und ihn tiergerecht hält und pflegt.

Das erste Ziel ist die Begleit- und Verkehrshundeprüfung. Dazu wird ein Welpentraining entweder vor Ort bei den Betreffenden oder bei Therapiehunde Deutschland angeboten. Es beinhaltet das Erlernen auf spielerische Weise durch positive Konditionierung des Grundgehorsams und der notwendigen Hör- und Sichtzeichen. Diese Ausbildung wird nicht nur auf dem Hundeplatz trainiert, sondern ebenso in Stadt und Land und mit den verschiedensten Fortbewegungsmitteln.

4. Die Begleit- und Verkehrshundeprüfung

Die Begleit- und Verkehrshundeprüfung kann man in ganz Deutschland absolvieren. Bei uns werden von folgenden Veranstaltern die Prüfungen anerkannt: Die Begleithundeprüfung A und B des VDH/FCI, die BGVP des Internationalen Rasse-, Jagd- und Gebrauchshundevereins, sowie die Begleit- und Verkehrshundeprüfung von Therapiehunde Deutschland incl. der Prüfungen von den dort gegründeten Vereinen. Durch die Wohnortnähe der Veranstalter entstehen dem Hundebesitzer kaum Kosten und die Zeitfrage ist sicher ebenso leicht zu lösen.

Was wird bei der Begleit- und Verkehrshundeprüfung gefordert? Bei Therapiehunde Deutschland sind das folgende Momente:

Was: Der Grundgehorsam wird in verschiedenen Prüfungsaufgaben mit Hör- und Sichtzeichen abgefragt, als da sind: Fuß, Sitz, Platz, Steh, Kehrt, Bleib und Voraus.

Auswertungskriterien: Der Hund darf sich nicht nervös, aggressiv, ängstlich oder dominant präsentieren, sondern sollte seinem Führer willig und freudig Folge leisten.

Bei den einzelnen Prüfungsaufgaben, wo der Hundeführer sich entfernt, muß der Hund ruhig bleiben und darf sich nicht bellend oder winselnd verhalten.

Das Schnappen nach irgend einem Menschen führt zum sofortigen Beenden der Prüfung für den Prüfling. Dies gilt erst recht, wenn ein Hund beißt.

Der Prüfungshund sollte sich auch in Restaurants etc. wohlgefällig, d.h. nicht auffallend verhalten und z.B. nicht betteln. Getobe unter dem Tisch ist nicht gestattet.

Wo wird die Prüfung abgenommen? Es gehört zur BVP, dass sowohl auf dem Trainignsgelände, als auch in der Stadt und dort in Geschäften, Großkreuzungen mit und ohne Ampel, Bahnhöfen, Restaurants, Wochenmarkt das Prüfungsteam überprüft wird.

In der Regel werden vom Hundeführer grundlegende Sachkenntnisse verlangt und abgefragt. Es kann also nicht nur der Hund durchfallen, sondern auch der Hundeführer.

Einkaufspassage: ruhig Blut, auch bei ungewohnten Dingen. Hier spuckt die Fontäne alle zwei Sekunden einen grossen Strahl und die vier Düsen des Springbrunnes gingen im Strahl plötzlich rauf und runter.
Einkaufspassage: ruhig Blut, auch bei ungewohnten Dingen. Hier spuckt die Fontäne alle zwei Sekunden einen grossen Strahl und die vier Düsen des Springbrunnes gingen im Strahl plötzlich rauf und runter.

5. Die Eingangsprüfung

Hier werden sowohl Grundgehorsam, als auch insbesondere die Beziehung zwischen Hund und Hundeführer und umgekehrt getestet. Z.B. Wenn der Hundeführer durch sein Verhalten dem Hund signalisiert, dass das, was sie gerade erleben uninteressant und egal ist, dann darf der Hund nicht angreifen oder wegrennen

6. Das Grundseminar

Wir praktizieren zwei Zeitformen , die sich bewährt haben:

a. Das Wochenendseminar, welches nur ein Wochenende im Monat von September bis Juni beinhaltet und

b. das Blockseminar. Hier kommen die Teilnehmer jeweils eine Woche lang im März, April und im Mai, und eine halbe im Juni, zusammen.

Der Unterricht erfolgt in Theorie und Praxis. In der Praxis wird mit dem Hund trainiert. Zwischen den einzelnen Unterrichtsblocks muss jeder Teilnehmer ein eigenes Trainingsfeld (z.B. Altenheim, Kinder- oder Jugendheim bzw. –tagesstätte, Behindertenwerkstatt etc.) besitzen.

Die Unterrichtsfächer erfolgen unter anderem aus folgenden Bereichen:

Veterinärmedizin, Genetik, Rechtskunde, Psychologie, Humanmedizin, Geschichte, Pädagogik, Soziologie, Pflege und Hygiene.

Bildungs- und Qualifizierungsurlaub (BFQG) kann bei den verschiedenen Ministerien beantragt werden.

Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 10 begrenzt.

7. Die Basisprüfung

Sie beinhaltet eine erhebliche Steigerung der Begleit- und Verkehrshundeprüfung sowie der Eingangsprüfung. Es wird die Unterordnung und die Orientierung am Hundeführer ausführlich getestet. Dazu kommen Elemente für den Einsatz als Therapiehund unter Fremdführung. Z.B. muß der Therapiehund einem Senioren ohne Probleme übergeben werden können, damit dieser mit dem Hund im Park spazieren gehen kann. Diese Prüfung wird in Stadt und Land abgenommen und erfolgt fast nur unter freiem Himmel, und zwar bei jedem Wetter.

8. Die Fähigkeitsprüfung

Hier geht es zur Sache und das Team muß beweisen, was es gelernt und erworben hat: Orientierung am Hundeführer, Gehorsam, Gelassenheit, Ruhe bewahren auch in ungewohnten Situationen, Stressbewältigung, nonverbale Kommunikation, Motivation, Grenzen respektieren, Umgang mit Konfliktsituationen und Herausforderungen, usw.

9. Die schriftliche Prüfung

Sie beinhaltet 341 mögliche richtige Antworten. Davon müssen 80 % geschafft werden um die Prüfung zu bestehen. Es gibt nur ein bestanden oder ein nicht bestanden. Noten werden nicht vergeben, jedoch eine Bewertung nach Punkten. Die schriftliche Prüfung dauert einen ganzen Tag, wobei eine große Mittagspause zur Erholung vorgesehen sind. Der zu Prüfende lässt erkennen, dass er den Einsatz seines Hundes in der zu besuchenden Gruppe oder Person individuell vorbereitet und reflektieren kann. Er muss auch theoretisch zeigen, dass er sowohl den Besuchten wie seinen Hund und sich selbst verantwortungsbewußt einbringt.

10. Die Voraussetzungen Ausbilder und Prüfer für Therapie- und Behindertenbegleithunde zu werden.

Ein Anwärter für diese Ausbildung muß folgende Voraussetzungen mitbringen:

1. Er muß mind. einen Hund vom Welpenalter bis zur fertigen, erfolgreichen Therapiehundeprüfung nachweislich trainiert haben.

2. Die erfolgreiche Absolvierung der Ausbildereignungsprüfung (IHK oder Handwerkskammer) ist vorzulegen.

3. Eine ordentliche Bewerbung mit den jeweiligen Kopien der geforderten Unterlagen, sowie ein polizeiliches Führungszeugnis , gehört ebenfalls zu den Voraussetzungen.

11. Die Möglichkeit eines Praktikums

Um überhaupt für sich zu erfahren, ob einem diese Arbeit liegt, bieten wir ein Praktikum von mind. 4 Wochen bis max. 1 Jahr an. Zu diesem Praktikum gehört ein Praktikumsbericht, welcher am Ende der Zeit vorzulegen ist. In diesem Praktikumsbericht muß das persönliche Fazit des Praktikanten ersichtlich werden.

Die Praktikumsstelle kann von folgenden Personen beworben werden:

a. Studenten, die Ihr Arbeitspraktikum machen wollen

b. Studenten, die Ihre Diplomarbeit über dieses Thema schreiben möchten

c. Sonstige Studenten, Hochschüler und Fachschüler

d. Umschüler

e. Menschen, die sich selbständig machen möchten mit z.B. einer speziellen Hundeschule

f. Menschen, die, für ihren schon vorhandenen sozialen Beruf, eine Fortbildung brauchen.

g. angehende Züchter

Da auf einen Praktikumsplatz ca. 45 Anfragen kommen und die Plätze etwa ein Jahr im voraus belegt werden, ist es ratsam, schon rechtzeitig genug eine Bewerbung zu verschicken. Die Bewerbungsunterlagen müssen folgende Dinge enthalten:

Bewerbungsschreiben

Praktikantenfragebogen (zu finden im Internet unter: www.therapiehunde-deutschland.de )

Foto

Lebenslauf

alle Schulabgangszeugnisse

alle Arbeitszeugnisse

polizeiliches Führungszeugnis

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. Sollten Sie lieber Hörer nun noch Fragen zu meinen Ausführungen haben, so bin ich gerne bereit, diese im Folgenden zu beantworten.

Zugfahrtraining, für die meisten Hunde ungewohnte Geräusche, Gerüttel und Gerüche.
Zugfahrtraining, für die meisten Hunde ungewohnte Geräusche, Gerüttel und Gerüche.