Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
2. Grundlagen
3. praktische Auswirkungen für den Züchter
4. Konsequenzen: Züchter, kann das jeder sein? Körperliche -, nervliche -, geistige -, seelische- , finanzielle-, zeitliche- und räumliche Anforderungen
5. Qualitätsnachweise
6. Praktische Vorgehensweisen bei Sommer - oder Winterwürfen
7. Fazit für werdende Züchter und "alte Hasen",
8. Gewährleistungsgesetz und seine Umsetzung
9. Fazit für alle, die sich einen Welpen anschaffen

5. Qualitätsnachweise

Der Züchter ist für sein Tun bzw. Lassen beweispflichtig. Im Ernstfall muss er vor dem Zuchtverband, vor den Welpenkäufern, vor der Versicherung, vor dem Finanzamt und / oder vor dem Gericht alles nachweisen um sein Verhalten zu rechtfertigen. Daraus ergibt sich eine freiwillige Dokumentationspflicht. Es ist mit der beste Schutz, den der Züchter haben kann. Darum werden hier die einzelnen Nachweismöglichkeiten aufgezeigt.

Für den Zuchtverband:
Die Dokumentation jeweils mit Datum für den Zuchtverband besteht

1. in der Auflistung der jeweiligen gehabten Läufigkeiten der Hündin, ihrer evtl. Belegung und ihres evtl. Wurfes. Damit dokumentiert man, dass man die Hündin nicht ausnutzt und den Zuchtbestimmungen des Zuchtverbandes nachkommt. Eine Bescheinigung vom behandelnden Tierarzt, dass er keine Einwände zur Zucht für die jeweilige Hündin hat, wäre empfehlenswert.

2. Der Deckschein sollte mit Deckdatum, Unterschrift und den jeweils gewählten Elterntieren vollständig ausgefüllt sein. Dazu hat jeder Verein und Verband seine eigenen Deckscheine. Die Titelangaben, sowie die Ausbildungskennzeichen des Rüden und der Hündin, die mit in die Ahnentafeln der Welpen kommen sollen, werden meist getrennt abgefragt. Sie müssen entsprechend dem Zuchtverein mit einer Fotokopie belegt werden. Die Decktaxe muss man nicht angeben. Diese sollte allerdings zwischen Rüdenbesitzer und Hündinnenbesitzer trotzdem dokumentiert werden, da das Finanzamt manchmal auch ungefragt zur Kontrolle kommt, oder diese Summe bei der Buchführung zu finden sein muss.

Aus der Anzahl und Qualität der Ausstellungserfolge und der Ausbildungskennzeichen ergibt sich bereits ein Qualitätsnachweis für die Elterntiere.

3. Dass man nur erwachsene, zuchttauglich geschriebene Hunde für die Zucht verwenden darf, ergibt sich aus der Zuchtordnung des jeweiligen Zuchtbuchführenden Vereins. Diese Dokumente, wozu z.B. auch das Röntgen auf Hüftgelenksdysplasie und Ellenbogendysplasie, oder eine vorgeschriebene Augenuntersuchung etc. gehören, müssen gemeinsam dem Zuchtverein mit den Wurfunterlagen eingereicht werden, damit die Welpen ordentliche Papiere bekommen.

Dass die Hündin vor dem Deckakt entwurmt und entfloht wurde, sollte ebenfalls dokumentiert werden. Der Impfschutz muss vollständig vorhanden sein. Dazu dient der internationale Heimtierausweis, wo auch die einzelnen Impfen und besonderen Untersuchungen für das Ausland z.B. vom Tierarzt aufgezeichnet wurden.

4. In der Regel gehört zur Dokumentation eine dokumentierte Zuchtstättenbesichtigung und - abnahme, sowie eine Wurfabnahme, entweder durch den Tierarzt oder dem Zuchtwart.

Auch Fliegen will gelernt sein
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Flugplatztraining, neue Geräusche und Gerüche
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Für die Käufer:

Zum Dokumentationsnachweis für die Käufer gehört:
1. Ahnentafeln der Welpen mit Besitzerwechsel, Datum und Unterschrift.

2. Alle Welpenverlaufsblätter mit Chipnummer, Gewichtsverlauf, Medikamentengabe, gesundheitliche Störungen, Arztbesuche, Auffälligkeiten, Wesenszüge,

3. Dokumentationen von Welpentrainings: was, wann und wo trainiert wurde. Welpenkäufertrainings mit und ohne Welpen,

4. Schön wären Fotos, die die schriftliche Qualitätsdokumentation noch unterstreicht.

5. Tierärztliches Gesundheitszeugnis.

Für das Finanzamt:
Kostennachweis von z.B. Zuchtverein für Dokumentenerstellung, Kaufverträge, Deckkostenvertrag. Korrekte Buchführung ( 10 Jahre aufheben) und Abrechnungen über Werbungskosten, Arztkosten, Unterhaltskosten, Wohn- und Reinigungskosten, Reparatur- und Nebenkosten, Beiträge für Hundevereine zwecks Training und Prüfungen, Steuerberatergebühren, etc.

Für die Versicherungen: u.U. alles das, was für die anderen Qualitätsnachweispunkte auch wichtig ist.

Für das Gericht: alle vorgenannten Angaben und Dokumentationen können bei einem Verfahren urteilsentscheidend sein, denn Sie sind Beweispflichtig!

Hier kommt unter Umständen auch ein Dokument zum Tragen was ich Schwangerschaftsverlauf nenne. Hier stehen Daten drauf, wie z.B. der Temperaturverlauf bis incl. Geburt gewesen ist, ob es Komplikationen gegeben hat, welche Arzneimittel wann verabreicht wurden, etc. Meist kommt es dem Gericht auf lückenlosen Nachweis an.

Selbst einen Ausdruck von Ihrer Internetpräsentation zu dieser Zeit wäre u.U. wichtig.

Die Welt schaut von oben anders aus! Yasmin von der Stellerburg im Flugzeug.
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Welpentraining im Rollator; noch nicht durchgeimpft, aber trotzdem schon Prägung durch neue Umwelteindrücke.
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Fazit:
Sie können sich sehr viel Ärger, Kraft, Nerven, Zeit und Geld ersparen, wenn Sie die Qualitätsnachweise in schriftlicher Form und evtl. auch als Foto- bzw. Videodokumentation festhalten.

Ganz abgesehen davon, dass sich jeder Welpenkäufer über solche Dokumentationen freut und Ihnen dankbar ist. Es hat sich hervorragend bewährt, wenn zu Anfang möglichst täglich, später auch jeden zweiten oder dritten Tag die Welpenkäufer per E-Mail die neuesten Nachrichten erhalten.

Hier hat schon so manche Familie oder die Mitarbeiter einer therapeutischen Praxis täglich auf die neuesten Fotos und Infos gewartet und gemeinsam vor dem Bildschirm die tollen Dokumentationen bestaunt. Also, liebe Züchter, machen wir doch unseren Kunden die Freude und beglücken sie damit.

Dies steigert außerdem die Vorfreude und die Bereitschaft, vor Ort die Welpenkäufertrainings mit zu machen und so eine optimale Zusammenführung von Welpen und Mensch hin zu bekommen.