Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
2. Grundlagen
3. praktische Auswirkungen für den Züchter
4. Konsequenzen: Züchter, kann das jeder sein? Körperliche -, nervliche -, geistige -, seelische- , finanzielle-, zeitliche- und räumliche Anforderungen
5. Qualitätsnachweise
6. Praktische Vorgehensweisen bei Sommer - oder Winterwürfen
7. Fazit für werdende Züchter und "alte Hasen",
8. Gewährleistungsgesetz und seine Umsetzung
9. Fazit für alle, die sich einen Welpen anschaffen

8. Gewährleistungsgesetz und seine Umsetzung

Der Hund ist vor dem Gesetz eine Sache. Darum ist er für die Züchter und die Käufer von der Juristik her gesehen wie eine Sache zu behandeln. Das heißt, er fällt unter anderem unter das Gewährleistungsgesetz.
Neben dem Gewährleistungsgesetz gibt es noch einige andere Gesetze bzw. Verordnungen, die eingehalten werden müssen, so zum Beispiel die Vorgaben der Europäischen Union von 2002 bezüglich des Mängelhaftungsrecht oder das Tierschutzgesetzes, die Tierschutz-Hundeverordnung, die allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes, die Landesgesetze zur Haltung von Hunden, sowie die Auflagen der jeweiligen Zuchtvereine.

Einige, sehr wichtige Bedingungen für den Züchter:

1. Bei Übergabe des Welpen muss dieser frei von so genannten Sachmängeln sein. D.h. er sollte die vereinbarte Beschaffenheit aufweisen. Oder er muss für die vorgesehene Verwendung geeignet sein. Ein Sachmangel kann auch sein, dass der Welpe z.B. einen gesundheitlichen Mangel aufweist, der nicht auf dem Kaufvertrag anerkannt und vermerkt wurde.

2. Wenn der Welpe nicht frei von einem Sachmangel ist und dieser nicht per Vertrag anerkannt wurde, kann der Käufer eine Nacherfüllung verlangen, das heißt zum Beispiel, dass der Welpe tierärztlich versorgt werden muss und der Verkäufer muss die Behandlungskosten tragen.

3. Stellt sich nach dem Hundeverkauf ein Sachmangel heraus, so muss der Käufer beweisen, dass dieser bereits zum Zeitpunkt des Verkaufes bestanden hat. Damit die Verjährungsfrist nicht überschritten wird, muss der Käufer das innerhalb der ersten 6 Monate beweisen. Sollte jedoch der Verkäufer gewerblich gehandelt haben, so gilt hier die Beweislastumkehr, das heißt, dass der Verkäufer beweispflichtig ist.

4. Das Gesetz kennt den Unterschied zwischen einer Privatperson (so genannte Hobbyzucht oder Liebhabereizucht) und einer gewerblichen Zucht. Diese zwei Unterschiede werden auch in der Verjährungsfrist (siehe oben) sichtbar. Die Verjährungsfrist für einen Hobbyzüchter kann verkürzt werden.

Damit Sie erst gar nicht in Beweisnot kommen, möchte ich Ihnen die wichtigsten Dokumente hier mit an die Hand geben. Bei regelmäßiger Führung, haben Sie jederzeit die nötigen Beweismittel zur Hand.

Sie finden sie im Nachgang aufgeführt:

1. Dokument des Schwangerschaftsverlaufes mit Geburt
2. Wurfkarten während der Geburt
3. Welpenkarte für jeden einzelnen Welpen
4. Kaufverträge
5. Wurfabnahmeschein (wird vom Verein gestellt)
6. Check up vom Tierarzt
7. Übergabeschein

Zu 1. Dokumente zur Belegung:

Nehmen Sie bitte mal an, dass ein Rüdenbesitzer, der die Hündin X durch seinen Rüden belegt hat, die Belegung der Hündin bestreitet. Schließlich geht es um eine Menge Geld. Um das schlagkräftig beweisen zu können, brauchen Sie als Hündinnenbesitzer einen von beiden Seiten unterschriebenen Dokumentenbeleg, den so genannten Deckschein, den die Vereine in der Regel vorhalten und möglichst auch ein oder mehrere aktuelle Fotos, wo die Verpaarung drauf zu sehen ist.

Ob der benannte Rüde tatsächlich der Vater der Welpen ist, kann leicht durch einen Gentest labortechnisch festgestellt werden. Manche Vereine fordern inzwischen diesen Test generell um auch dies bezüglich Eindeutigkeit nachweisen zu können.

Zu 2. Dokumente der Schwangerschaft:

Das Ihnen per Link überlassene Formular für die Schwangerschaft beinhaltet, dass die Temperatur der Hündin jeweils passend eingetragen werden kann. So kann ich nicht nur damit vorher sagen, wann die Hündin wirft, sondern habe gleichzeitig auch einen Beleg, was wann ihr verabreicht wurde, wann der Arzt sie gesehen hat, welche Untersuchungen getätigt wurden, wie viel sie an Leibesumfang zugenommen hat und sonstige Besonderheiten. Diese Dinge werden auf der Rückseite des Dokuments geschrieben.

Zu 3. Dokumente während der Geburt:

Die Wurfkarte gibt Auskunft über das Wurfgeschehen, wann welcher Welpe zur Welt kam, welche Besonderheiten der Welpe hat (Markierungen an Pfoten, Brust, Kopf, Schwanz oder Körper oder besonderes Verhalten "Schlaftablette", Powerknochen", "Quakeliese", "Schluckspecht" usw.). Das Geschlecht des Neugeborenen wird eingetragen und die Uhrzeit, wann er auf die Welt kam. Wenn es Komplikationen gab, müssen die ebenfalls dort aufgeführt werden. Auch das mütterliche Verhalten ist dort aufzuzeichnen.
Die Rasierermarkierungen sind ebenfalls bei dem entsprechenden Welpen einzutragen, denn so kann man bei gleichen Welpen (z.B. Golden Retriever) immer den richtigen erkennen. Als letzten Beitrag wird der jeweils ausgesuchte Name des Welpen dort verzeichnet. Dazu benutze ich immer eine andere Kugelschreiberfarbe.

Zu 3. Dokumente der Welpenaufzucht:

Welpenkarten werden gleich am nächsten Tag für jeden einzelnen Welpen angelegt. Dort finden die täglichen Gewichte mit Zunahme ihren Niederschlag, die neuesten Entwicklungsfortschritte, Tierarztbesuche, neue Eigentümer mit Anschrift und Telefon, Ereignisse des tägl. Lebens der Welpen, Chipnummer, Impfen und der Sozialisierungsprozess. Diese Karte als Kopie bekommen die Welpenkäufer später auch als Nachweis bei der Welpenübergabe mit.

Zu 4. Dokument Kaufvertrag:

Er kann individuell ausgestellt werden, aber als Dokument ist er sehr wichtig. Durch einen Handschlag können Sie den Kauf nicht nachweisen. Der Kaufvertrag ist rechtlich bindend und ist die Grundlage des juristischen Handelns.

Zu 5. Dokument Wurfabnahmeschein:

Dieses Dokument ist von Zuchtverein zu Zuchtverein sehr unterschiedlich. Die Zuchtabnahme wird von einem Zuchtwart oder Tierarzt durchgeführt und der Wurfabnahmeschein entsprechend ausgefüllt. Hierüber bestehen in jedem Verein andere Bedingungen, weshalb ich Ihnen auch keinen Zuchtabnahmeschein beilegen kann.
Wenn er ausgefüllt ist, lege ich auch dies dem Welpenkäufer als Kopie bei. Damit sieht der Welpenkäufer sofort, wie der Verein meine Zucht einstuft und bewertet. Ein gutes Dokument um auch Qualität hervorzuheben.

Zu 6. Check up vom Tierarzt:

Bei der Übergabe des Welpen zum Käufer, gehe ich mit allen zum Tierarzt und der Welpe wird vor aller Augen gründlich untersucht. Das Ergebnis wird im Dokument festgehalten. Dadurch ist eine "Nachbesserung" bzw. eine Wandlung lt. Gewährleistungsgesetz so gut wie ausgeschlossen. Es wird anschließend nicht nur vom Tierarzt unterschrieben, sondern auch vom Welpenkäufer. Dieses Dokument bringt dem Welpenkäufer nochmals die Sicherheit, dass er einen topp Welpen erworben hat und dem Verkäufer die Gewissheit, das alles in Ordnung ist.

Sollten hier Mängel am Welpen sichtbar werden, müssen sie auf dem Dokument aufgeführt werden. Entweder der Welpenkäufer akzeptiert dies mit seiner Unterschrift oder er kann vom Kaufvertrag zurück treten. Der Rücktritt ist allerdings nur in seltenen Fällen möglich, da im Kaufvertrag bereits über gewisse Ausschlüsse deutlich geschrieben wurde.

Die Aufklärungspflicht für den Tierarzt ist bindend. Von daher kann bei dem Check up der neue Eigentümer den Tierarzt auch befragen und er darf eine entsprechende verbindliche Antwort erwarten.

Zu 7. Dokument Übergabeschein:

Er kann, muss aber nicht mehr ausgestellt werden. Dieser Übergabeschein wurde ursprünglich für Gasthunde entwickelt, die hier zum Decken waren, weil Herrchen Urlaub machen wollte, weil Frauchen erkrankt war oder aus ähnlichem Grund. Da wir als Züchter beweispflichtig sind, ist es immer eine Frage, wie wir den Beweis sicherstellen wollen/können. Zu mindestens haben Sie als Züchter mit diesem Dokument einen guten Teil der Aufklärungspflicht gegenüber dem Welpenkäufer dokumentiert.

Sollten Sie einen Rechtsanwalt mit dem Spezialgebiet für Hunde brauchen, ist der Blick ins Internet sicher der beste Hinweis, den ich Ihnen geben kann. Ansonsten fragen Sie vor Beginn den Rechtsanwalt, ob er etwas von Hunden und das umfassende Gebiet darüber versteht. Manche Rechtsanwälte haben sich spezialisiert, aber das muss man erfragen.

Rechtsanwälte, die sich diesbezüglich spezialisiert haben:

Rechtsanwalt Gerd Kasten
Eichstr. 14
25782 Tellingstedt
T: 04838/704470
info@kastenundkollegen.de

Rechtsanwalt Meeder
Johann-Adolf-Str. 5
25831 Tönning
T: 04861/737

Rechtsanwältin Rottmann
Neuer Wall 50
20354 Hamburg
T: 040/36093993
rain.rottmann@t-online.de

Literatur zum Weiterlesen:

- Wolfgang Becher, "Das neue Kaufrecht" , das Gewährleitungsrecht beim Kauf eines Hundes ab dem 1.Januar 2002 (vergriffen, nur noch Antiquar erhältlich)

- Axel Wehrend (Hrsg.), "Neonatologie beim Hund" 2008, Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co KG, Hans Böckler-Allee 7, 30173 Hannover, ISBN 978-3-89993-037-5, hier 12. Kapitel

- Verena S. Rottmann, "Rechtsratgeber für Hundezüchter", Kynos-Verlag, ISBN: 978-3-938071-74-8