Welpenspiel und -Training für werdende Sozial-, Therapie- und Behindertenbegleithunde

Gliederung
1. Einführung
2. Welpenspielzeit bis zur Abgabe mit acht Wochen

3. Welpentraining bis zur Abgabe mit acht Wochen
4. Theoretische Grundlage eines effizienten Unterrichtes

5. Wie der Herr, so sein Gescherr
6. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
7. Die räumlichen, äußeren Bedingungen

8. Voraussetzungen an einen Welpentrainer
9. Spielzeiten beim neuen Besitzer
10. Welpenspielstunden auf dem Hundeplatz
11. Welpentraining auf dem Hundeplatz
12. Welpentraining in Stadt und Land
13. Schlußwort

1. Einführung

Ehe man eine Ausbildung beginnt, muß man wissen, welches Ziel man ansteuert. Wozu sind Sozial-, Therapie- und Behindertenbegleithunde da? Worin unterscheiden sie sich?

Sozialhunde sind Hunde, die dem Menschen nützliche Arbeit leisten, damit diese im sozialen Gefüge besser zurecht kommen. In Amerika ist dieser Begriff der Oberbegriff für die beiden nachfolgenden:

Therapiehunde sind Schmuse - und Streichelhunde, die gezielt in der Therapie bei Kranken und /oder Behinderten punktuell oder dauernd im Privathaushalt oder in Einrichtungen eingesetzt werden.

Behindertenbegleithunde erhalten eine individuelle dienstleistende Ausbildung je nach Behinderung des Menschen und seinen Bedürfnissen .

Alle Ausbildungsrichtungen haben eine gemeinsame Grundausbildung bis zur Begleithundeprüfung. Nach Abschluß der Spezialausbildung zählen sie zur Gruppe der Gebrauchshunde.

Um das Ziel zu erreichen, ist ein Ausbildungsweg nötig, der einem hilft, das Angestrebte zu bekommen. Das fängt nicht erst nach der Hundegeschlechtsreife an, sondern beginnt bereits im Alter von nur wenigen Tagen.

2. Welpenspielzeiten bis zur Abgabe mit acht Wochen

Einen immensen Einfluß auf das junge Leben eines Welpen hat der Züchter. Die Entscheidung fällt in diesen ersten Wochen, ob ein Welpe gesund , vertrauensvoll und ohne Scheu seinen Weg im weiteren Leben machen wird. Alles Geld, Zeit und Liebe der zukünftigen Welpenkäufer können so manches Versäumnis in dieser Zeit nicht mehr ausgleichen. Je mehr sie in der Züchterzeit gefördert werden, um so leichter haben sie es später beim neuen Besitzer und im weiteren Leben.

Welpenaufzucht "Abenteuerspielplatz"
Welpenaufzucht "Abenteuerspielplatz"

Grundsätzlich gilt,

a. daß weniger und öfter am Tag mehr ist, als einmal lange. Überfoderungen sind immer negativ! und

b. daß Welpen nicht vom Schlaf und vom Fressen durch Spiel abgehalten werden dürfen.

Dies erfordert entweder eine genaue Beobachtung der Welpen oder aber einen konstanten Tagesplan der konsequent eingehalten werden sollte, wobei die Häufigkeit der Mahlzeiten ausschlaggebend ist.

Die beste Spielzeit scheint mir nach dem Schlaf und dem Lösen zu sein. Dann ist der Magen nicht mehr so voll und die "Essensmüdigkeit" vorüber. Bei den sehr jungen Welpen ist dann Schmusezeit. Streicheln und Liebkosen ist für den Therapiehund das A und O. Das muß er später recht lange aushalten können. Da sie ohnehin Körperkontakt suchen - Welpen liegen dicht an dicht - ist es leicht, den kleinen Hund durch Streicheln und Schmusen auf menschliche Körperkontakte zu polen. Es entspricht dem eines verantwortungsvollen Züchterverhalten, wenn dieser auch die nötige Zeit investieren kann und nicht von Arbeit so vollgepackt ist, daß auch dafür nichts mehr übrig bleibt an Kraft , Liebe , Zuneigung und Zeit.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß ein Züchter, der ohne Hilfe ist, und zwei Würfe auf einmal groß zieht, diese o.g. Arbeit schon nicht mehr leisten kann. Drei Spielzeiten insgesamt pro Tag wären optimal. Zunächst beginnt man nur mit zwei Minuten und verlängert sie bis zur achten Woche auf zehn Minuten Spiel mit dem einzelnen Welpen (Einzelförderung , 2 Spielzeiten). In der Welpengruppe ist eine tägliche Spielstunde mit dem Menschen angesagt. Die restlichen Spielzeiten gehören den Elterntieren mit ihrem Nachwuchs.

Colliewelpen bei einer ihrer wichtigsten Tätigkeiten
Colliewelpen bei einer ihrer wichtigsten Tätigkeiten

In den ersten zwei Wochen (der vegetativen Phase) und der Übergangszeit ( bis incl. dritten Lebenswoche ) langt das Schmusespiel vollauf. Ab der vierten Woche ist eine rasante Entwicklung zu beobachten und die Neugier zur Ortserkundung wächst. Ab hier sollten wir mit den Spielzeiten anfangen. Der Bewegungsdrang wird von Tag zu Tag größer und entsprechend ist auch das Angebot zu erweitern. Zunächst langt ein kleiner Vollgummiball und ein aufgehängter Lederschaumstoffball (leicht).Eine Woche später wäre zusätzlich ein kleiner Knuddel und nochmals eine Woche später ein bis zwei Vollgummispielzeuge schön. Ein Karton, umgekehrt gestellt und mit Schlupfloch , ist ein herrliches Versteck. Nicht geeignet sind alle Spielsachen die verschluckt werden können, bzw. die durch abbeißen und auffressen ( z.B. Hartkunststoff, Plastikfolie ) in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Daran könnte ein Welpe sterben.

Bei der Gruppenspielzeit ist es ratsam, wenn sich der Züchter oder Welpenkäufer auf dieselbe Ebene der Welpen begibt, also auf den Fußboden. Bei diesen Begegnungen ist die "Freude an der Sache" das allerwichtigste oder anders ausgedrückt:" Das Kind im Erwachsenen" darf voll auf seine Kosten kommen.

Kinder dürfen nur unter Aufsicht mit den Welpen spielen. Hierbei - wie generell - ist darauf zu achten, daß unsere kleinen Vierbeiner keinerlei negative Erfahrungen machen. Da in der Regel alle Welpen am neuen Objekt (Menschen) ihrer Begierde spielen wollen, wird er sich umlagert vorkommen von kleinen, quirligen Wesen, die mit spitzen und scharfen Waffen (Zähne und Krallen) auf ihn einstürmen. Je älter die Welpen sind, um so mehr. Ein Wort bezeichnet die Spielsituation: Attacke! Sprechen Sie mit ruhigen Worten mit den Welpen, so daß diese auch Ihre Stimme immer besser kennenlernen, aber auch quieken, juchzen, lachen etc. sind erlaubt und nötig, damit sich die Kleinen an die menschliche Sprachmöglichkeiten gewöhnen. Sobald Sie von den einzelnen, quirligen Lebewesen die Namen wissen, reden Sie diese bitte auch mit Namen an.

Ein großer Garten leistet unschätzbare Dienste. Versteckspiel mögen die Hunde besonders. Im Sommer sind flache Wasserschalen ein herrlicher Tummelplatz, wobei ein schwimmendes Blatt die Meute zum Apportieren reizt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die räumlichen Bedingungen werden in einem späteren Abschnitt beschrieben.

Zeit zum Schmusen. Dies ist für die kleinen Vierbeiner für ihr gesamtes Leben ausschlaggebend
Zeit zum Schmusen. Dies ist für die kleinen Vierbeiner für ihr gesamtes Leben ausschlaggebend