Welpenspiel und -Training für werdende Sozial-, Therapie- und Behindertenbegleithunde

Gliederung
1. Einführung
2. Welpenspielzeit bis zur Abgabe mit acht Wochen

3. Welpentraining bis zur Abgabe mit acht Wochen
4. Theoretische Grundlage eines effizienten Unterrichtes

5. Wie der Herr, so sein Gescherr
6. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
7. Die räumlichen, äußeren Bedingungen

8. Voraussetzungen an einen Welpentrainer
9. Spielzeiten beim neuen Besitzer
10. Welpenspielstunden auf dem Hundeplatz
11. Welpentraining auf dem Hundeplatz
12. Welpentraining in Stadt und Land
13. Schlußwort

Wie der Herr, so sein Gescherr

Nicht jeder Behinderte und jeder Kranke kommt mit dem gleichen Hund zurecht. Darum sollten vor der Anschaffung einige Fragen abgeklärt werden:

5.1. Was soll der Hund mir als Behinderter / Kranker letztendlich sein?

Im Altenheim schenkt ein Welpe stets Fröhlichkeit
Im Altenheim schenkt ein Welpe stets Fröhlichkeit
Goldi und ein Schaustellerjunge. Er hatte gerade am selben Tag durch einen Unfall seinen besten Freund verlorsen. Er bekam "Giah"
Goldi und ein Schaustellerjunge. Er hatte gerade am selben Tag durch einen Unfall seinen besten Freund verlorsen. Er bekam "Giah"

Diese Frage ist eine urpersönliche und immens wichtige und kann nur von jedem selbst beantwortet werden.

5.2. Wozu brauche ich den Hund ?

5.2.1.Fragen für Behinderte:

-Soll er mir kleine Dienste erweisen z.B. Türen öffnen, Licht anmachen, etwas tragen oder apportieren etc?

-Soll er mich behüten und evtl. Schutz gewähren?

-Ist seine ständige Begleitung erwünscht?

-...

5.2.2. Fragen zusätzlich für Kranke:

--Soll der Hund mir zum Gesundheitstraining dienen (z.B. Rehabilitation für Herz- und Kreislaufpatienten) oder

-sonstige Integrationshilfe sein?

-Brauche ich ihn zum Abbau von Einsamkeit und als

-Kontaktvermittler?

-Soll er mein Selbstwertbewußtsein steigern ( mit so einem tollen Hund bin ich wer! ) und mein

-Sozialpartner sein (dem kann ich alles anvertrauen, der sagt nichts weiter)?

-Brauche ich evtl. einen weiteren Lebenssinn und /oder möchte ich

-Verantwortung für ein Tier übernehmen?

-Brauche ich ihn zur Bewegungstherapie und als

-Schmusehund?

-...

5.2.3. Für Heime, Schulen und die Praxis:

-Möchte ich ein lockeres, entspanntes Klima dadurch schaffen und

-gesundheitliche Stabilisierung und /oder Rehabilitation z.B. in der Ergotherapie erreichen?

-Möchte ich die psychische Aufhellung der Patienten z.T. durch den Hund bewirken?

Markt - und Stadttraining für werdende Therapie- und Behindertenbegleithunde
Markt - und Stadttraining für werdende Therapie- und Behindertenbegleithunde

5.3. Welches Temperament und welche natürlichen Eigenschaften muß er mitbringen, damit der Hund mit mir harmonisiert?

- Kann ich mit meinem Temperament, meinem Alter, der Behinderung und der Krankheit einen sehr quirligen, voller Lebensenergie sprühenden Hund aushalten oder brauche ich einen ruhigen, ausgeglichenen Vierbeiner?

- Ist mir ein langes Schmusefell wichtig, oder möchte ich einen Freund mit kurzen Haaren?

- Wie steht es mit der Aggressionsschwelle meiner gewünschten Rasse? Beißt er schnell zu (niedrige Aggressionsschwelle) oder läßt er sich so manchen Knuff (z.B. von Kindern) gefallen?

- Wieviel Geduld bringe ich auf, um dem Hund etwas beizubringen oder anders gefragt: Wie intelligent muß mein Vierbeiner sein?

- Die Körpergröße richtet sich nach den Wohnverhältnissen, dem täglichen Auslauf, nach dem, was er später können soll (Taschen tragen sind z.B. in der Regel für kleine Hunde nicht möglich) und nach dem persönlichen Geschmack.

- Muß der Hund trockene Lefzen haben oder macht mir und meinem Pfleger eine "Sabbelschnute" nichts aus?

- Schließlich ist die Fellfarbe noch von Wichtigkeit. Mag ich einen dunklen, evtl. schwarzen Hund oder ist mir eine helle, freundliche Farbe sympathischer?

- Entscheidend für die Zukunft ist der Gesundheitszustand der Elterntiere und dessen Vorfahren. Sind sie HD-frei und auch sonst gesund? Dann ist die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher, daß auch mein Hund genetisch gesund ist. Alle vorgenannten Merkmale sind klarer und eindeutiger bei einem Rassehund, als bei einem Mischling zu beantworten, da man die Vorfahren kennt.

- Rüde oder Hündin? Dies ist nicht nur eine Geschmacksfrage. Nachfolgendes muß nicht sein, stellt aber die Normalität da: Hündinnen sind häuslicher, lernen schneller, sind angepaßter und in der Regel ruhiger als Rüden. Sie sind eher etwas für Familien und "weichere" Herrchen. Die weiblichen Tiere werden etwa alle halbe Jahr läufig, wo dann besondere Aufmerksamkeit geboten ist. Rüden brauchen eine feste Hand, da sie dominanter sind und sich nicht so gerne unterordnen. Die Erziehung muß wesentlich konsequenter erfolgen. Da männliche Tiere beim Spazierengehen immer wieder das Bein heben und Markierungen setzten, dauert ein solches Unternehmen länger, als mit einer Hündin.

Tove von der Stellerbug bei der Arbeit:
Tove von der Stellerbug bei der Arbeit:

5.4. Wo bekomme ich meinen idealen Hund her?

Wesensfeste, gesunde Hunde, die sich für die Ausbildung als Therapie- oder auch Behindertenbegleithund eignen, gibt es nicht in jeder Stadt.

Hier zwei kompetente, wichtige Adressen:

Therapiehunde Deutschland

Barbara Puhl (Ausbilderin und Züchterin für o.g. Hunde)

Dellweg 23

25792 Neuenkirchen

Tel: 04837/706

Fax: 04837/747

E-Mail: therapiehunde-deutschland@t-online.de

www.therapiehunde-deutschland.de


Silke Damisch (Züchterin und Ausbilderin für o.g. Hunde)

Mittelweg 4

08527 Plauen-Unterloser

T: 03741/420737

E-Mail: sb.damisch@gmx.net

5.5. Wer hilft mir bei der individuellen Ausbildung?

Der grundlegende Unterschied von Therapiehundeausbildung zu allen anderen besteht darin, daß die Welpen nicht erst in eine Patenfamilie gegeben werden, sondern sofort an Ort und Stelle heimisch werden sollen. Für das rheuma- oder krebskranke Kind ist z.B. schon ein Welpe eine ideale Therapie. Die Besitzer werden - wenn gewünscht - in der Erziehung und Ausbildung begleitet durch Telefon, Briefe und Besuche ihrerseits beim Ausbildungszentrum oder auch Besuche von Tainer des "Deutschen Berufsverbandes für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V.". Wohn- und Übernachtungsmöglichkeiten sind vor Ort möglich.

 

Watt- und Wassertraining mit einem Chesapeake Bay Retriever während der Ausbildung zum Therapiehund ins St. Peter Ording.
Watt- und Wassertraining mit einem Chesapeake Bay Retriever während der Ausbildung zum Therapiehund ins St. Peter Ording.

5.6. Wem kann ich den Hund anvertrauen, wenn ich mal ins Krankenhaus oder zur Kur muß?

Wenn man alleine ist, ist diese Fragenlösung von beruhigender Bedeutung. Sie sollte vor einer Anschaffung gelöst sein, denn im akuten Notfall kann ich nicht erst noch das Branchenverzeichnis und Telefonbuch wälzen.

Wenn eine Familie vorhanden ist, dürfte dieses Problem keines sein. Selbst der Urlaub könnte so abgestimmt werden, dass das Kuscheltier mitgenommen werden darf. Eine sorgfältige Planung zahlt sich bei diesem Fragenkomplex aus.

Derjenige, der den Hund übernehmen soll, muß mit

- den speziellen Kommandos vertraut sein (Liste anfertigen),

- den Hund kennen und umgekehrt,

- um seine Eigenheiten und Vorlieben wissen

- und mit dem Eigentümer die rechtlichen Fragen nach Haftpflichtversicherung, Aufwandsentschädigung, etc. abgeklärt haben.