Welpenspiel und -Training für werdende Sozial-, Therapie- und Behindertenbegleithunde

Gliederung
1. Einführung
2. Welpenspielzeit bis zur Abgabe mit acht Wochen

3. Welpentraining bis zur Abgabe mit acht Wochen
4. Theoretische Grundlage eines effizienten Unterrichtes

5. Wie der Herr, so sein Gescherr
6. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
7. Die räumlichen, äußeren Bedingungen

8. Voraussetzungen an einen Welpentrainer
9. Spielzeiten beim neuen Besitzer
10. Welpenspielstunden auf dem Hundeplatz
11. Welpentraining auf dem Hundeplatz
12. Welpentraining in Stadt und Land
13. Schlußwort

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

6. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Ein Mensch wird geboren und wächst ohne Erziehung und Bildung auf. Erst als dieser 14-16 Jahre alt ist, denken die Eltern daran, ihm Benimm und Bildung beizubringen. Die Argumentation: Er ist jetzt erwachsen genug, damit er es körperlich und seelisch verkraften kann. Zum Glück gibt es genügend Eltern, die diese Vorgehensweise bei ihrem Sprößling verwerfen und sich lieber an dem Sprichwort orientieren: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“.

Wenn dies für Menschen gilt, gilt es erstrecht für Hunde. Darum sollte man nicht bis 12 oder gar 18 Monate warten, bis die Ausbildung beginnt.

Was der Welpe lernt, sitzt für’s Leben. Was ein älterer Hund lernt, muß immer wieder trainiert werden, sonst vergißt er es !

Täglich neue Menschen ist ein Muss! Regelmäßigen Kontakt zm späteren Eigentümer von großer Wichtigkeit.
Täglich neue Menschen ist ein Muss! Regelmäßigen Kontakt zm späteren Eigentümer von großer Wichtigkeit.

Was für den Züchter von Therapie- und Behindertenbegleithunden gilt , gilt auch für die neuen Eigentümer und den Welpentrainer:

-Lieber früh anfangen, öfter und kurz üben, als zu spät und zu lang. Früh übt sich, wer ein Meister werden will!

-Nutzen Sie die Gunst der Stunde und prägen Sie Ihren Liebling, indem Sie ihm auch zeigen, dass Sie der Rudelführer sind. So vermeiden Sie, dass irgendwann der Hund mit Ihnen geht und nicht umgekehrt!

-Lieber mit Liebe, Lob und Leckerchen arbeiten, als mit Zwang , Krafteinwirkungen und Strafen. -Jede Lerneinheit muß langsam aufgebaut werden und dabei nicht den zweiten vor dem ersten Schritt gehen.

-Ohne Fleiß keinen Preis.

-Ehrgeiz ist fehl am Platz, da dadurch in der Regel die Welpen überfordert werden.

-Konsequentes tägliches Üben (ein bis zwei mal jede Übung) ist schön. Da die Pädagogik herausgefunden hat, dass ein Lehrstoff jeden zweiten Tag durchgenommen am besten sitzt, erzielt man noch bessere Resultate mit dieser Vorgehensweise, auch bei Welpen.D.h. in der Praxis, dass ein über den anderen Tag bestimmte Lerneinheiten geübt werden und in den Zwischentagen andere.

"Ich darf überall mit hin" Chesapeake Bay Retriever
"Ich darf überall mit hin" Chesapeake Bay Retriever
Im Innenbereich u.a. glatter PVC-Boden u. Rollstuhl.
Im Innenbereich u.a. glatter PVC-Boden u. Rollstuhl.

7. Die räumlichen, äußeren Bedingungen
Je vielfältiger die Umgebung ist, um so mehr werden die Welpen gefördert.


7.1. Die räumlichen, äußeren Bedingungen bis zur Welpenabgabe:

Wie schon in Kapitel 1 erwähnt, sind 5 cm über dem Boden aufgehängte leichte Schaumstoffbälle mit Leder ummantelt, schöne Spielzeuge. Nur zur Erinnerung seien an die kleinen Vollgummispielzeuge und -bälle, Baumwollknuddel, Karton etc. erwähnt. Ebenfalls an ein Radio, Kassettenrecorder oder ähnliches, wodurch die Welpen an die verschiedenen menschlichen Stimmvarianten gewöhnt werden.

Im Welpenzimmer hat sich eine Waschmaschine mit Trockner als eine sinnvolle Einrichtung erwiesen. Zum einen ist es für den Züchter zweckmäßig, die gebrauchte „Welpenwäsche“ nicht noch einige Zimmer weiter zu schleppen , sondern direkt vor Ort säubern zu können. Zum anderen gewöhnen sich die kleinen Vierbeiner an haushaltstechnische Geräte. Ganz abgesehen von dem Spaß, daß im Bullauge der Waschmaschine die Wäsche sich bewegt und somit zum Zuschauen veranlaßt.

1995. Der Sommer war heiß und trocken, das Gras braun und der Tunnel bietet Schatten, doch die Buddellöcher zeigen auch aktivere Phasen. Herrliches Spielzeug: Umgedrehte Futterschalen für Kühe auf drei verschiedenen Untergründen.
1995. Der Sommer war heiß und trocken, das Gras braun und der Tunnel bietet Schatten, doch die Buddellöcher zeigen auch aktivere Phasen. Herrliches Spielzeug: Umgedrehte Futterschalen für Kühe auf drei verschiedenen Untergründen.

Das Welpenzimmer ist am besten mit einem gesonderten Auslauf verbunden, welcher wiederum direkt vom Wohnhaus aus eingesehen werden kann. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass der Züchter seine Lieblinge jederzeit im Auge behalten kann, ohne immer seine Arbeit zu unterbrechen, sondern auch, dass Besucher die kleine Meute ungehindert beobachten können.

Einen Welpenzwinger nur mit einem Beton- oder Asphaltfußboden zu versehen ist für angehende Sozial- und Therapiehunde indiskutabel. Anstelle einer ebenen glatten Fläche sind mindestens sechs verschiedene Bodenbeläge notwendig:

Neugierig !
Neugierig !

Glattbetonplatten (z.B. als Gehweg durch die Anlage), Sand, Grasfläche, Erde, Kies und Holzfliesen. Umgedrehte Keramik- und Betonhalbschalen bieten als Tunnel oder Brücke weitere Sinneseindrücke. Eine dicke, ausgegrabene Wurzel, Bäume und Sträucher, Findlinge und andere Steine lassen das ganze Areal zum Abenteuerspielplatz für Welpen werden.

Im Außenbereich u.a. die zwei-Etagen-Möglichkeit = Holz und Sand
Im Außenbereich u.a. die zwei-Etagen-Möglichkeit = Holz und Sand

Ein geräumiger Welpenkennel z.B. 2m x 2m in der Küche, wo rauhe Fliesen zum idealen Sauberhalten vorhanden sind, helfen den Kleinen sich an haushaltliche Geräusche zu gewöhnen, so dass sie später nicht mehr beim Telefongeläut, Geschäppere von Herdgeschirr und Staubsaugersurren zusammenzucken. Hier erleben sie auch das Ein - und Ausgehen von so manchem fremden Menschen. Gleichzeitig ist des Züchters Wohnung von Übergriffen auf Teppiche, Gardinen etc. und unfreiwillige Geruchsbelästigungen durch Häufchen und kleine Seen auf Auslegware geschützt. Auch im Wohnungskennel sollte eine Wurfkiste stehen, damit sich die Welpen zum Schlafen zurückziehen könne, wie sie es im Welpenzimmer mit anschließendem Außenzwinger gewohnt sind. Welpen brauchen sehr viel förderlichen Platz, um sie als werdende Therapie- und Behindertenbegleithunde beim Züchter aufzuziehen.

Freundschaft, die ein Leben hält
Freundschaft, die ein Leben hält

7.2. Die räumlichen, äußeren Bedingungen im neuen Zuhause

Diese richten sich ganz danach, zu welchem Menschen mit welcher Krankheit oder Behinderung der Welpe kommt: Bei einem blinden Menschen ist das sicher anders, als bei einem krebskranken Kind; bei einem Tauben anders , als bei einem ehemaligen Herzinfarktpatienten. Die Minimalanforderungen zur welpengerechten Haltung müssen jedoch auch hier gewährleistet sein: eigener Liegeplatz, artgerechte Fütterungsmöglichkeit, fördernde Spiel - und Trainingsfläche und genügend Auslauf.

Das Wie , Was ,Wo und Wann sollte ganz individuell abgeklärt werden, wobei der „Deutsche Berufsverband für Therapie- und Behidnertenbegleithunde e.V.“ gerne auf Anfrage beratend den betroffenen Menschen möglichst vor einem Kauf zur Seite steht.

7.3. Die räumlichen, äußeren Bedingungen beim Training auf dem Hundeplatz

Falls es auf einem Hundeplatz ein Angebot für Welpenbesitzer gibt, sollte dies regelmäßige Schulung auf einem separat abgetrennten Areal beinhalten. Die Erfahrung zeigte, dass eine eigens dafür abgetrennte Platzeinheit nötig ist. Nicht, damit die Welpen nicht weglaufen, sondern damit die Welpengruppe nicht von anderen Hunden nebst Besitzern während des Übens gestört werden. Für Rollstuhlfahrer müßte er leicht erreichbar sein und möglichst einen ebenen , gut befahrbaren Boden besitzen.

Der Platz braucht für die Kursteilnehmer mehrere Sitzmöglichkeiten an einem windgeschützten Ort. Dies sollte möglichst so aufgestellt sein, dass jeder jeden sehen und sprechen kann. Dass Lücken für Rollstuhlfahrer gelassen werden, ist eine Selbstverständlichkeit. Ein möglicher Sonnen - und Wetterschutz ist ebenso unerläßlich, wie die Möglichkeit , daß die Örtlichkeiten bequem mit dem Auto erreicht werden können.