Welpenspiel und -Training für werdende Sozial-, Therapie- und Behindertenbegleithunde

Gliederung
1. Einführung
2. Welpenspielzeit bis zur Abgabe mit acht Wochen

3. Welpentraining bis zur Abgabe mit acht Wochen
4. Theoretische Grundlage eines effizienten Unterrichtes

5. Wie der Herr, so sein Gescherr
6. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
7. Die räumlichen, äußeren Bedingungen

8. Voraussetzungen an einen Welpentrainer
9. Spielzeiten beim neuen Besitzer
10. Welpenspielstunden auf dem Hundeplatz
11. Welpentraining auf dem Hundeplatz
12. Welpentraining in Stadt und Land
13. Schlußwort

Welpentraining auf dem Hundeplatz

11. Welpentraining auf dem Hundeplatz*
*( Z.T. unter Verwendung des Materials vom VTHS )

Unerläßlich für dieses Training auf dem Hundeplatz ist, daß die Welpengruppe einen eigenen, abgezäunten Bereich hat, damit weder andere Hunde, noch andere Menschen ungebeten beim Unterricht stören. Der Zaun ist nicht dafür da, damit die Welpen nicht weglaufen , sondern es geht hier um störungsfreien Ablauf. Sollte die Abgrenzung während des allgemeinen Übungsbetriebes nicht möglich sein, wäre es angebracht einen anderen Zeitpunkt zu wählen.

Die Gruppenstärke sollte nicht mehr als zehn Welpen mit ihren Besitzern betragen.
Die Gruppenstärke sollte nicht mehr als zehn Welpen mit ihren Besitzern betragen.

Zunächst geht es darum, dem Eigentümer Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, damit dieser in die Lage versetzt wird, auch an Tagen zu üben, wo keine Kursstunden angeboten werden. Durch regelmäßiges Üben auf verschiedenen Plätzen wird der Erfolg sichergestellt.

Nun heißt es für den / die Hundeführer / in, sich durchzusetzen. Wir wollen dabei aber nicht „Raubtiernummern“ ausführen oder Zwang anwenden, denn dies würde sich kontraproduktiv zu unseren Bemühungen, den Hund für die Therapiehundearbeit zu schulen, auswirken.

Ich schlage deshalb eine Reihe von „sanften“ Dominanzübungen vor, um dem Hund auf hundgerechte, verständliche Weise beizubringen, daß ich bestimme, wo’s lang geht.

Leben mit dem Hund ist keine Demokratie sondern eine Partnerschaft, in der Sie die Regeln aufstellen und die Entscheidungen treffen.

-Legen Sie ihre Hände über den Nacken und den vorderen Teil des Hunderückens und pressen Sie sehr leicht während etwa 10 - 15 Sekunden. („Ich bin der Stärkere“).

-Heben Sie den Hund ganz, (oder, bei einem schwergewichtigen Tier, zumindestens die Vorderpfoten), auf: er verliert dann buchstäblich an Boden. („ Der Chef ist mächtig, er bestimmt über mich“).

-Der Hund will schmusen ( oder spielen) und kommt zu Ihnen, stupst Sie an: schicken Sie ihn ganz kühl wieder weg. Später, nach einem Weilchen, rufen Sie das Tier zu sich und geben ihm die Streicheleinheiten oder spielen mit ihm. („Der Chef macht das Programm“).

-Der Hund drückt sich seitwärts an Sie, zum Schmusen oder zum Kontakt herstellen: schubsen Sie ihn mit Ihrem Körper seitwärts weg, ohne Kommentar. („Breitseite zeigen, der Stärkere schubst den Schwächeren weg“).

-Stehen Sie bei Gelegenheit über dem Hund wenn er platz macht, liegt, sitzt oder steht. („Darüberstehen, ich bin größer als du“).

-Erlauben Sie dem Hund nicht, vor Ihnen eigenes oder fremdes Territorium zu betreten. An der Haustüre, am Gartentor, beim Betreten des Liftes usw. gehen Sie zuerst hinein bzw. hinaus. Der Hund soll Ihre Erlaubnis abwarten, bevor er ins oder aus dem Auto springt. („Der Rudelführer ist an der Spitze“).

- Belohnen Sie unterwürfige Körperstellungen des Hundes (Platz, sich auf den Rücken legen; aber auch blitzartiges Gehorchen oder Händelecken. („Ich vertraue Dir als Rudelführer und folge Dir“). Bemerkung: Achtung bei Golden Retrievern, denn diese neigen dazu, fast nur noch dann auf dem Rücken zu liegen. Es gibt also auch ein zuviel!

-Lassen Sie den Hund alle Annehmlichkeiten „verdienen“: er soll zuerst einen einfachen Befehl korrekt ausführen, bevor er das Gewünschte erhält. Eine gute Methode, um Einzuübendes zu verstärken!

-Nehmen Sie den Welpen (fast) überallhin mit! Ist er noch winzigklein, können sich ein Körbchen oder ein Babytragetuch als nützlich erweisen; oder nehmen Sie den Kleinen einfach zeitweise auf den Arm. (Später soll er aber unbedingt lernen, sich am Boden zu behaupten!).

-Lassen Sie den Welpen von vielen verschiedenen Leuten ansprechen, berühren, streicheln. Achten Sie darauf, dass dies tiergerecht geschieht und nur soviel, wie der Kleine aufs Mal erträgt. Welpen haben, nebst kurzen Aktivphasen, größere Ruhezeiten nötig. Überfordern, übermüden Sie den Welpen nie.

-Setzen Sie den Welpen hie und da jemanden auf den Schoß, wo er sich ruhig verhalten soll (z.B. , nachdem er sich im Spiel ausgetobt hat). Diese Anregung gilt besonders für Kleinhunde. Rassen, die groß werden, lernen mit Vorteil, manierlich neben einer Person zu sitzen oder zu liegen.

Mittelgroße Hunde können von klein auf lernen, auf einem Stuhl oder Kistchen zu sitzen oder zu liegen, auf „Streichelhöhe „ für einen sitzenden Patienten.

-Es ist äußerst wichtig, daß der Welpe mit Menschen mehrheitlich gute Erfahrungen macht. Überlassen Sie ihn daher niemals unbeaufsichtigt Kindern oder unerfahrenen Erwachsenen.

-Lehren Sie Welpen kleinwüchsiger Rassen, einen Augenblick auf einem Bett zu liegen und sich streicheln zu lassen und dehnen Sie diese Spanne allmählich etwas aus. Wichtig: sehen Sie zu, dass es der Welpe ohne Protest hinnimmt, wenn er wieder hinunter muß. Der Vierbeiner soll sich nicht angewöhnen, einfach auf Betten oder andere
menschliche Sitz- und Lagerstätten zu hüpfen, wenn es ihm paßt: dies geschieht nur auf Anweisung des Rudelführers.

-Bringen Sie dem Welpen bei, links manierlich an der Leine zu laufen, ohne zu ziehen, auch neben einem Rollstuhl zu gehen (kann auch mit einem Kinder- und/oder Einkaufswagen geübt werden.).

-Achten Sie darauf, daß Ihr Welpe mit allen Alterskategorien von Menschen in Kontakt kommt. Er lernt dabei, alterstypische Bewegungsmuster zu akzeptieren (z.B. unberechenbare , schnelle Bewegungen von Kindern, schlurfendes Gehen von Betagten, usw.).

-Zeigen Sie Ihrem Liebling, dass es in Ordnung ist, wenn jemand anders als Sie ihn mal an der Leine führt oder ihn heißt, einfache Befehle auszuführen.

-Fangen Sie frühzeitig damit an, Ihren Welpen mit anderen Tieren bekannt zu machen, (z.B. Bauernhof - Nutztiere und freilebende Tiere). Bei diesen freundlichen Begegnungen sollten Sie darauf bestehen, daß Ihr Hund diese „fremden“ Geschöpfe respektiert und in Ruhe läßt. Möchte Ihr Kleiner mit einer Katze spielen und Freundschaft schließen, lassen Sie ihn gewähren.

Wichtig ist, dass kein fremdes Tier ein „Feindbild“ im Welpen hinterläßt, welches einen Jagd- oder Tötungstrieb auslösen könnte.

-Gewöhnen Sie den Welpen an Geräusche. Lassen Sie hie und da absichtlich Gegenstände fallen (z.B. Schlüsselbund, Pfannendeckel, Taschenbuch). Beobachten Sie dabei die Reaktion Ihres Vierbeiners, aber reagieren Sie selbst nicht. Der Welpe soll solche Vorkommnisse selbst bewältigen und als „normal“ einstufen lernen. Oder zerknallen Sie mal einen Papiersack, drehen Sie plötzlich das Radio auf, schreien Sie unerwartet kurz. Das hört sich alles etwas irre an, bereitet aber den jungen Hund auf Situationen vor, welche er später antreffen könnte.

-Lassen Sie den Welpen zusehen, wenn Sie Jazztanz üben oder Morgengymnastik betreiben: er wird menschliche „Verrenkungen“ bald als okay taxieren.

-Lassen Sie den Welpen beobachten, wie Sie sich für die Fastnacht, die Premiere eines Konzerts, eine Bergtour verkleiden oder einkleiden oder bringen Sie ihn mit Leuten zusammen, welche ungewohnte, „ausgeflippte“ Kleidung tragen.

-Üben Sie mit dem Welpen, auf glatten Böden zu laufen (Böden in Heimen und Kliniken sind meist aus Linoleum oder Stein). Es ist wichtig, daß sich der Hund später sicher darauf fühlt und sich nicht versteift, bockt oder auf den Krallen „rollt“.

-Spielen Sie öfters „Tierarzt“ mit Ihrem Vierbeiner. Heben Sie ihn auf einen Tisch. Berühren, bewegen, streicheln, drücken Sie abwechslungsweise verschiedene Körperteile. Belohnen Sie den Hund für manierliches Verhalten mit einem Leckerbissen. Gewöhnen Sie ihn daran, daß andere Leute dies auch tun dürfen. Dabei ist es wichtig, dass er sich das Maul öffnen läßt und Dinge wieder herausgibt.

Nachfolgend einen möglichen Programmablauf bei einem 15 Wochenkurs
(halbe Stunde freies Spiel, halbe Stunde theoretischer Unterricht und halbe Stunde praktisches Training)

Erste Woche: Theorie: Lob, Lob und nochmals Lob! Leckerli. Strafe?

Praxis: „Fuß“ und „Sitz“

Zweite Woche: Theorie: Die Schlafstätte. Halsbänder, Leinen, Halti, etc.

Praxis: Wiederholungen, Schlangen gehen, Grundstellung

Dritte Woche: Theorie: Was darf mein Hund fressen?

Praxis: Wiederholungen, Wendungen

Vierte Woche: Theorie: Der Hund allein zu Hause oder im Auto? Auto fahren

Praxis: Wiederholungen, „Platz“

Fünfte Woche: Stadttraining (der Wochenmarkt, Kreuzungen)

Sechste Woche: Theorie: Krallen- und Fellpflege

Praxis: Wiederholungen, „Hier“

Siebte Woche: Theorie: Impfungen, Wurmkur, Eingabe von Arzneien

Praxis: Wiederholungen, „Steh“

Achte Woche: Stadttraining (Bahnhof)

Neunte Woche: Theorie: Ausstellungen

Praxis: Ausstellungstraining: Zeigen auf dem Tisch,
Körper befühlen, Zähne, Hoden, Pfoten, Steh mit Schwanzhaltung.

Zehnte Woche: Stadttraining (Hafenbesuch)

Elfte Woche: Theorie: Geschlechtsspezifische Merkmale:-die Läufigkeit
der Hündin und das Markieren und dominantes Verhalten des Rüden.

Praxis: Wiederholungen, „Bleib“ mit Handzeichen.

Zwölfte Woche: Stadttraining (Geschäftsbesuch)

Dreizehnte Woche: Theorie: Hör- und Sichtzeichen

Praxis: Wiederholungen, Begrüßung zweier Hundefüh- rer,
Gang durch eine Gruppe, Kreisgehen mit Ablegen in der Mitte.

Vierzehnte Woche: Theorie: Theoretische Grundlagen des Apportierens

Praxis: Wiederholungen, „Apport“ und „Leg ab“

Fünfzehnte Woche: Stadttraining (Kaffeebesuch, Abschluß des Kurses)