Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!

Der leere LT 35 vor der Ablieferung zum Ausbau
Der leere LT 35 vor der Ablieferung zum Ausbau

Reisevorbereitungen

Sie begannen schon im September 2001 mit der konkreten Planung und Bestellung eines VW LT 35, der als PKW zugelassen wurde. Hiermit erwarb ich mir von vornherein in der Steuer und der Versicherung (hatte inzwischen den größten Freiheitsrabatt erreicht) preiswerter weg zu kommen, als wenn ich das Auto als LKW oder als Campingfahrzeug hätte zulassen lassen.


Außerdem darf ich in einem PKW schlafen, wann und wo ich will, im Gegensatz zum Campingfahrzeug. In Dänemark ist es z.B. nicht mit einem Campingwagen gestattet, dass man außerhalb eines Campingplatzes übernachtet. Als LKW-Zulassung hätte ich Probleme mit der Wochenendfahrerei. Eine große Hilfe sollten mir noch das Navigationssystem, Handy, der stärkste Motor für dieses Fahrzeug, eine starke Standheizung, Tempomat, Beifahrerdrehsessel, Fahrerschwingsessel und die elektrische Trittstufe werden.

Der Ausbau des LT 35 wurde nach meinen Plänen und Vorgaben von einer Spezialfirma vorgenommen. Schließlich mußte das komplette Rudel meiner Hunde u.U. mit. So wurde hinter dem Fahrersitz ein Hochbett installiert, unter welchem sich links ein Kennel und rechts große Schubladen befinden. Hinter dem Bett wurde ein Apothekerschrank für alle Hundeartikel eingebaut, woran sich zwei weitere , übereinander liegende, Kennel anschließen.
Im Heck folgt dann auf der Beifahrerseite eine Toilette mit Waschgelegenheit, ein Kleiderschrank und eine Küche mit Kühlschrank (der für das Insulin dringend in Dauerbetrieb sein muß und deshalb eine Solarzelle auf dem Dach die Elektroversorgung übernimmt).

Der Auf / Einbau der Solarzelle auf dem Dach des Fahrzeugs
Der Auf / Einbau der Solarzelle auf dem Dach des Fahrzeugs

Eine Mikrowelle hilft bei 230 V-Außenanschluß, warmes Essen zu bekommen. Über dem Bett, der Küche und der Fahrerkabine sind Oberschränke als Stauraum eingebaut. Ein fest eingebauter Herd wurde nicht installiert, da sonst der Wagen als Campingfahrzeug eingestuft worden wäre.
Die Energieversorgung liegt auf Strom. Gas ist nirgendwo vorhanden.

Bevor die große Küstenreise losgehen konnte, mußte der Wagen mit Inhalt gründlich getestet werden.

Isolationstest bei -5 C. Da, wo der Reif drauf ist, ist die Isolation in Ordnung
Isolationstest bei -5 C. Da, wo der Reif drauf ist, ist die Isolation in Ordnung

So fuhr ich vom 12.12.2001 bis 5.5.2002 über 16.000 km, war mehrmals bei VW und der Ausbaufirma zu Nachbesserungen bzw. Reklamationen da, um schließlich starten zu können.
 
 Grundlage aller Vorüberlegungen war das Buch: „Das große Reisemobilbordbuch“ von Franz Konz aus dem Knaur Verlag.

Tove auf dem Campingplatz in Tarifa
Tove auf dem Campingplatz in Tarifa

Überlegungen, die das Reisen mit Hunden erleichtern

 Es waren nicht nur Fragen nach Lebensmittel, Bekleidungen, Reisekarten, Ausweise, Gesundheitszeugnisse durch das Kreisveterinäramt etc. zu klären, sondern vor allem, welche Hunde nehme ich mit? Danach würde sich alles richten. Mitgekommen sind dann die trächtige Golden Retrieverin „Tove von der Stellerburg“ und die 10 Monate alte Colliehündin „Oney“.


 Nach diesen beiden Vierbeiner hat sich dann auch die Hundeapotheke und das Fressen gerichtet. Allein das Hundefutter mußte unterschiedlich eingepackt werden. Eine trächtige Hündin bekommt anderes Futter als ein Hundeteenager. Kauartikel waren von größter Wichtigkeit. 

So wurde der langen Fahrt oft die Langeweile genommen und die Hunde hatten etwas zu tun. Verschiedene Leinen (Kurzleine für die Stadt und Langlaufleine für die übrigen Landstriche bzw. fürs Wasser. In der Regel darf man Hunde nicht frei herumlaufen lassen!) und Halsbänder. Im Meerwasser sollte man keine rostenden Halsbänder oder Leinen gebrauchen. Das wichtigste Utensil waren für mich die Hundekenndecken, welche meine Hunde als Therapie- bzw. Behindertenbegleithunde auswiesen. 

Wir durften trotzdem drauf! Camping Playa Arenillas (Cantabria) Spanien
Wir durften trotzdem drauf! Camping Playa Arenillas (Cantabria) Spanien

Selbst in dem vermeintlich sehr hundefeindlichem Land Portugal hat man uns deswegen zuvorkommend behandelt. Auch wenn die Menschen nicht lesen konnten, was auf den Kenndecken stand, aber das Logo ist so eindeutig, dass wir überall sofort akzeptiert worden sind! Es entstanden deswegen nie irgendwelche Auseinandersetzungen oder negative Anfragen!


Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man die Hinterlassenschaften seiner Hunde wegräumt. Deshalb mußten genügend Kunststofftüten eingepackt werden. Mich erstaunte, dass auf einigen Campingplätzen überall verstreut sowohl Rollenbehälter mit solchen Kottüten aufgestellt waren, als auch entsprechende Abfallbehälter. Ein 4-Sterne-Campingplatz hatte sogar an verschiedenen Stellen geflieste Hundeduschen installiert.

Eingepackt habe ich einen Schafweidezaun. Er war mir sehr oft eine Hilfe, denn so brauchte ich die Hunde nicht an die Langlaufleine legen. Sie hatten damit ein festes Areal, worin sie sich frei bewegen konnten. Oney konnte dann auch ungehindert mit Tove toben ohne sich ständig mit den Leinen zu verwickeln.

Lisabon, Campingplatz: Der Schafstellzaun bewährt sich.
Lisabon, Campingplatz: Der Schafstellzaun bewährt sich.

Die Bunkerung mit 40L Frischwasser, war in den südlichen Ländern mit besonderer Sorgfalt durchzuführen. Mit den 40 L kamen wir Drei drei Tage hin, so dass ich jeweils am dritten Tag sehen mußte, einen guten Campingplatz zu finden, der auch von z.B. dem ADAC oder dem DCC als entsprechend gut in der Hygiene ausgewiesen worden war. Selbst auf den so ausgewiesenen
Campingplätzen mußte man gezielt nach frischem Trinkwasser fragen. Am sichersten war ich mit gekauften Wasserflaschen ohne Begasung.

Auf fast allen Plätzen im Ausland muß man den Nachweis erbringen, dass man einen Internationalen Campingausweis besitzt. Hierzu ist die Mitgliedschaft im z.B. ADAC oder dem Deutschen Camping-Club e.V. nötig, die dann auf Bestellung die nötigen
Ausweise ausstellen.

Der Reiseverlauf

Nachdem ich alles gepackt hatte (allein dies dauerte schon zwei Tage), ging es von Neuenkirchen in Dithmarschen /Schleswig-Holstein los Richtung Süden, um dort noch eine Hündin zum Probebesitz abzugeben. Sie blieb in der Nähe von Köln und ich fuhr dann Richtung Aachen und übernachtete 5 m neben einer schönen Schleusenanlage.

Erste Übernachtung bei einer Schleusenanlage
Erste Übernachtung bei einer Schleusenanlage

Der nächste Tag brachte es an Licht, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war, denn einige Dinge im Auto funktionierten nicht, so z.B. der Tempomat oder das Anfahren im ersten Gang. Da ich ein Handy mit hatte, konnte ich jederzeit meine Werkstatt in Heide/Dithmarschen erreichen, die mir auch umgehend eine Werkstatt in Aachen nannten und mich schon mal anmeldeten. Ein
komplett ganzer Tag ging drauf, um den Fehler zu suchen und zu beheben. U.a. war das Steuerungsgerät des LT 35 kaputt gegangen und mußte komplett ersetzt werden.

So kam ich dazu – ungeplant – den Kaiserdom mir anzusehen. Hunde waren
normalerweise nicht erlaubt, aber meine mit Kenndecke hatten keine Schwierigkeiten. Die Menschen schauten zwar und sprachen mich an, doch es war mehr Interesse als alles andere. Auf diese Art und Weise konnte ich gleich etwas Reklame machen.

Über Belgien erreichte ich Nordfrankreich. Dort fuhr ich an der Küste entlang und machte an einem Campingplatz am Atlantik Halt. (Den Rhythmus von einem Tag Fahrt und einem Tag Ruhe, habe ich überwiegend eingehalten.) Unglaublich, wie sich Hunde freuen können: Der Strand und das Wasser versetzte sie in ein Freudentaumel. Sie tobten miteinander, wälzten sich im Sand und
Tove fand die Wellen hervorragend. Oney jedoch mochte nur bis zu den Bauchhaaren ins Wasser. Außerdem waren ihr die hohen Wellen nicht geheuer.

Von Nordfrankreich ging es nach Nordspanien, an Portugals Küste entlang. In Lissabon erreichten wir einen super beschatteten Campingplatz, wo sich herausstellte, dass unser Vorzelt mangelhaft war und technisch nicht stehen blieb. Die furchtbar hohen Brücken bereiteten mir manchen Adrenalienstoß, zumal wenn es mehr windete und das Auto ordentlich schaukelte. Den Hunden machte das offensichtlich nichts aus. Sie waren während der Fahrt immer extrem ruhig und zufrieden.

"Oney" Restaurantbesuch in Cap Farret
"Oney" Restaurantbesuch in Cap Farret

Nach Portugal ging es weiter Richtung Süden. Südspanien! Die Straße von Gibraltar. Was für ein herrlicher Stellplatz! Ich konnte von meinem Autositz direkt auf Afrika schauen. Immer noch kühle, sehr angenehme Temperaturen. 

In Tarifa waren meine Hunde willkommen, jedoch wurde Oney in Portugal läufig, was sich jetzt als Magnet für die gesamte Hundemännerwelt erwies.



Einen Campingplatz erwischten wir, der zwar mit drei Sternen ausgewiesen war, der aber mehr einem Campingslum ähnlich war. Er wurde zudem bis 1.30 Uhr nachts mit lauter Diskomusik über den gesamten Platz beschallt. Hier sind wir schnellst möglich wieder weg. Im krassen Gegensatz dazu war ein fünf Sterne Campingplatz an der spanisch/französischen Grenze. Ruhe, Hygiene, Service – alles vom Feinsten. Hier gab es auch die Hundedusche. Da wir einen Platz unmittelbar hinter den Dünen am Wasser erhielten, waren schöne Strandspaziergänge eine gute Erholung. Diesen Platz haben wir in vollen Zügen genossen.

Las Dunas
Las Dunas
Allein die Aussicht bei der Fahrt war ein Genuß
Allein die Aussicht bei der Fahrt war ein Genuß

Von hier ging es über Südfrankreich, vorbei an noch verschneiten Bergen, Richtung Heimat.

Fazit

In zweieinhalb Wochen bin ich ca. 8500 km gefahren, habe eine Unmenge gesehen und gelernt, bin mit den Vierbeinern enger zusammengewachsen und – Gott sei dank! – wohlbehalten wieder zu Hause angekommen. Diese Reise würde ich jederzeit sofort mit den Hunden wiederholen.