Züchterglück

Inhaltsverzeichnis:
1. Die Auswahl des Deckrüden
2. Schwangerschaft
3. Geburt
4. Welpenkäuferauswahl
5. Praktikantinnen
6. Aufzucht und Training des Wurfes
7. Welpenkäufertreffen
8. E-Mails
9. Der Abgabetag
10. Und dann (Echos, Fragen, Welpen- und Käufertraining)
11. Begleit- und Verkehrshundeprüfung
12. Therapiehundeausbildung
13. Behindertenbegleithundeausbildung
14. Einsatzgebiete der Hunde dieses Wurfes
15. Erfahrungsberichte

Züchterglück - Aufzucht und Training des Wurfes

Selina übt Welpenstreicheln
Selina übt Welpenstreicheln

Wenn Welpen auf die Welt kommen, dann können sie zwar nicht sehen und hören, aber riechen und fühlen. Dies mache ich mir zu Nutze, indem ich die frisch Geborenen auf meinen Hals/Kehlkopf lege.

Dort riechen sie meinen Körpergeruch und nehmen gleichzeitig die Vibrationen durch die Stimme wahr. So werden sie auf ihre Mutter und auf mich geprägt.

Täglich werden sie mit Berührungen an den verschiedensten Körperteilen vertraut gemacht. D.h. sie werden sanft am ganzen Körper gestreichelt und gezielt am Maul, Bauch, Pfoten und After berührt.

Dies sind Regionen, die auch der Tierarzt, der Zuchtwart, Ausbilder und der Ringrichter anfassen können muß, ohne dass der Hund knurrt oder sogar zuschnappt.

Freßtraining: jedem seine Schüssel!
Freßtraining: jedem seine Schüssel!

Bisher habe ich nur einen einzigen Wurf bei mir erlebt, wo zwei Welpen Afterkrallen hatten. Diese wurden am dritten Tag vom Tierarzt entfernt. Bei dem hier beschriebenen Wurf war kein Hund dabei, so dass deswegen der Doktor nicht kommen mußte.

 

Am 10ten Tag ist die erste Entwurmung angesagt, die dann wöchentlich wiederholt wird. Das ist für jeden Praktikanten eine interessante Tätigkeit, denn oft wollen die kleinen Vierbeiner nicht so, wie wir Menschen uns das wünschen. Es gehört eine ganze Portion Geduld und Sanftheit zur Eingabe des Medikamentes dazu.

Wenzel und Wide waren schon von Geburt an die kleinsten Welpen. Sie bekamen täglich immer wieder eine extra Portion Muttermilch indem sie auch in den Zwischenzeiten, wenn die anderen schliefen angelegt wurden. Schließlich waren alle anderen Geschwister so stark und drückten die beiden ständig von den „Tankstellen“, dass tägliches wiegen nötig wurde. So hatte ich die Sicherheit, dass Wenzel und Wide nicht zu kurz kamen und trotzdem zunahmen. Ihr Gewicht wuchs nicht so schnell wie bei den anderen, aber für sie war es in Ordnung. Offensichtlich hatten sie den zarteren Knochenbau von Oma und Mama geerbt.

Etwa mit zwei Wochen gehen die Augen und Ohren der Welpen langsam auf. Jetzt heißt es, die Trainingspalette zu erweitern in Form von optischen und akustischen Lerneinheiten. Einen ausführlichen, nicht wurfgebundenen Artikel finden Sie unter: Link

Baumwurzel links, Tunnel vorne, dicke Steine im Hintergrund. Sand und Kies sind nur ein paar Umweltreize, die täglich trainiert werden.
Baumwurzel links, Tunnel vorne, dicke Steine im Hintergrund. Sand und Kies sind nur ein paar Umweltreize, die täglich trainiert werden.
Die Baumwurzel bietet guten Schutz zum Schlafen, ist aber gleichzeitig Turngerät und Trainingsmöglichkeit für die Feinmotorik.
Die Baumwurzel bietet guten Schutz zum Schlafen, ist aber gleichzeitig Turngerät und Trainingsmöglichkeit für die Feinmotorik.
Holzzelt, Stöckchen und ein Antidequbitusfell stellen weitere Reize dar.
Holzzelt, Stöckchen und ein Antidequbitusfell stellen weitere Reize dar.

Mit drei Wochen krabbelten alle aus der Wurfkiste, die inzwischen in ein anderes Zimmer verlegt worden war. Dieses Zimmer hat einen direkten Ausgang für die Hunde ins Freie, ist aber auch intern zu erreichen. Waschmaschine, Trockner und Radio boten zeitweise die große Welt der Geräusche. Täglich kamen fremde Menschen dazu. Neues Spielzeug mußte erkundet und erobert werden.

 

Küchentraining: Hier dürfen die Welpen nicht frei herumlaufen. Dies wäre zu gefährlich. Heiße Töpfe und Pfannen in der Hand könnten schnell ein Stolpern über den freilaufenden Welpen verursachen.
Küchentraining: Hier dürfen die Welpen nicht frei herumlaufen. Dies wäre zu gefährlich. Heiße Töpfe und Pfannen in der Hand könnten schnell ein Stolpern über den freilaufenden Welpen verursachen.

Mit der vierten Woche ging es ins Freie, allen voran: Tove. Sie zeigte ihren Kindern was buddeln heißt und war eine ausgesprochen gute Hundemama – nicht nur was die Pflege betrifft. Sie bot sich als Spielobjekt an, animierte sanft, setzte später Grenzen, genoß mit dem Wurf die Sonne oder zeigte auch, wo und wie man der Hitze entgehen konnte. Wenn es Tove zuviel wurde, legte sie sich auf das Hochbrett und beobachtete ganz genau ihre Kinderschar.

Da die Käufer schon sehr früh feststanden, reisten sie nun an, um den Kaufvertrag zu unterzeichnen, ihren Liebling zu besichtigen, mit ihm zu schmusen (wobei hier die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Praktikanten zu erfolgen hatten) und ersten Lerneinheiten auf beiden Seiten zu durchlaufen.

Wenzel (sein Name bedeutet „Ruhm durch das Kreuz“) bekam noch den Zusatznamen „Ronjo“ von den neuen Eigentümern, dem Ehepaar Wendling. Diese haben ein kleines Kinderheim, welches dem Diakonischen Werk angeschlossen ist. Hier würde nur ein etwas lebhafterer Hund hinpassen, denn Kinder wollen keine Schlafmütze zum Spielen. Ronjo ist abgeleitet von Ronja, die Räuberhauptmannstochter. Das passte, denn Wenzel-Ronjo war ein echter Räuberhauptmann, machte ständig Dummheiten, erzählte teilweise wie ein Weltmeister, war aber auf der anderen Seite sehr ruhig im Haus.

Wide ( bedeutet „Kampf“) bekam den Zusatznamen „Hanna“ von Familie Darius, die eine sehr ruhige Hündin für ihren mehrfach behinderten Sohn brauchten.

Warner ( bedeutet „wehren“) sollte nun den Rufnamen „Anton“ erhalten. Seine zukünftige Besitzerin wollte eine spezielle Hundeschule aufmachen und evtl. Züchterin werden. Warner-Anton entwickelte sich als der Führer (Alpha-Rüde) der Welpengruppe.

Wilkin (bedeutet „Wille“) erhielt den Zusatznamen „Nelly“ durch seinen Käufer, Herrn Peter Marks aus Berlin/Sylt. Er wollte Multiplikator für unsere Arbeit sein und wurde mir mehrfach durch einen anderen „von der Stellerburg“-Käufer empfohlen.

Wime (bedeutet „Wille) blieb bei mir. Sie wollte ich als zukünftige Zucht- und Therapiehündin ausbilden.

Rollstuhl, Halsband und Leinentraining.
Rollstuhl, Halsband und Leinentraining.

Wikke erhielt von Anfang an ihren Namen durch Ihre zukünftige Eigentümerin.

Walty (bedeutet „walten / herrschen“) bekam von seinen schwersthörigen, zukünftigen Eigentümern den Rufnamen „Napoleon“.

Die Zusatznamen wurden mit in die Ahnentafeln aufgenommen, da diese rechtzeitig genug bekannt waren und mit von mir gegenüber dem Zuchtverband beantragt werden konnten.

Als alle Welpen ihre Zukunft gesichert hatten, begann ich mit dem regelmäßigen Training für die neuen Besitzer bzw. Eigentümer. Der 7.7.2002 um 16.00 Uhr war unser erstes gemeinsames Treffen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Welpen 4 Wochen alt. Diese Lerneinheiten bei den Welpenkäufertreffen werden im nächsten Kapitel (7) näher beschrieben.

Mutterglück pur
Mutterglück pur