Züchterglück

Inhaltsverzeichnis:
1. Die Auswahl des Deckrüden
2. Schwangerschaft
3. Geburt
4. Welpenkäuferauswahl
5. Praktikantinnen
6. Aufzucht und Training des Wurfes
7. Welpenkäufertreffen
8. E-Mails
9. Der Abgabetag
10. Und dann (Echos, Fragen, Welpen- und Käufertraining)
11. Begleit- und Verkehrshundeprüfung
12. Therapiehundeausbildung
13. Behindertenbegleithundeausbildung
14. Einsatzgebiete der Hunde dieses Wurfes
15. Erfahrungsberichte

Züchterglück - Geburt

Es war der 8.6.2002, also der 60ste Tag der Trächtigkeit um 22.35 Uhr, wo ich die erste Presswehe bemerkte. Presswehen kann man ganz gut sehen, denn sie laufen wie Wellen über den Körper am oberen Bauch beginnend hinunter bis zu den hinteren Zitzen. Daraufhin wurden die z.T. noch schlafenden Praktikanten geweckt, dem Geburtstisch die Tücher abgenommen (um möglichst Keimarmut zu erreichen, werden die Gegenstände auf diesem Tisch, wie entsprechende Medikamente, Waage mit sterilem Tusch, Q-Tipps etc. mit mehreren ausgekochten, gebügelten Abtockentüchern abgedeck ) und der Tierarzt verständigt.

Die Praktikanten hatten sich sterile Oberbekleidung anzuziehen. Diese brachten sie entweder selbst mit (Bauwollartikel die sie selbst ausgekocht, gebügelt und in einen Kunststoffbeutel dicht verpackt hatten) oder sie bekamen von mir entsprechende grüne Hosen und Oberteile, die ich für diese Zwecke angeschafft habe. Darüber hinaus muß sich jeder an den Händen und Armen mit einem Desinfektionsmittel desinfizieren. Wieso dieser Aufwand? Die Hündin hat gegen meine Keime Antikörper gebildet und gibt diese mit der Milch weiter an die Welpen, so dass diese geschützt sind. Aber die fremden Menschen bringen fremde Keime mit, wogegen die Mutterhündin keine Antikörper an die kleinen Vierbeiner geben kann. In der Natur kommt in den ersten Wochen auch kein fremdes Tier an die Kinderschar!

 

Tove hatte vor den Presswehen häufiges Erbrechen, ansonsten allerdings verhielt sie sich allerbest.

 

Um die Wurfkiste mit der Hündin saßen die Praktikantinnen und ich. Wir hatten Kniekissen direkt vor uns liegen, damit wir u.U. schnell zupacken konnten. Bei einem gefließten Boden ist das sicher angenehmer, als auf einem harten, kalten Boden zu hocken.

Eine der Praktikantinnen hatte die Aufgabe, den genauen Ablauf zu dokumentieren. Dies geschieht bei mir bei jedem Wurf. Dadurch kann ich jederzeit nachweisen, wie was gelaufen ist und auch klar sagen, wie jeder Welpe sich einmal im Erwachsenenalter genetisch verhalten wird. Da gibt es sehr ruhige, super temperamentvolle und auch besonders mitteilungsbedürftige Welpen. So, wie sie sich bei der Geburt verhalten, sind sie auch im späteren Leben.

Wir brauchten nur 11 Minuten zu warten und der erste Welpe wurde geworfen. Der dokumentatorische Eintrag, den ich diktierte, lautete: „ 22.46 Uhr, Rüde, 375g schwer, Kennung: hinten rechts I, Verhalten: dunkel, sauffaul, aber quaken-erzählen, sehr energisch, Steißlage, Mutter Plazenta gefressen.“ Er bekam den Namen „Wenzel“. Wir sollten noch feststellen, dass alle Merkmale, bis auf den heutigen Tag, zutreffen.

 

23.18 Uhr, Hündin, 440 g schwer, Kennung: hinten rechts I, Verhalten/besondere Merkmale: Frischlingsstreifen dunkel, schnell an Zitze, Geburtslage: Bauch gegen Rücken, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Wide“.

 

23.43 Uhr, Rüde, 500 g schwer, Kennung: hinten rechts II, Verhalten/ besondere Merkmale: sofort Milchsuche, sehr ruhig, weißer Fleck auf der Stirn, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Warner“

 

0.01 Uhr, Hündin, 475 g schwer, Kennung: hinten rechts II, Verhalten/besondere Merkmale: dunkel, sehr agil, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Wilkin“.

Tove mit den ersten drei Welpen "Wide", "Warner" und "Wilkin" die noch feucht im Fell von der Geburt sind.
Tove mit den ersten drei Welpen "Wide", "Warner" und "Wilkin" die noch feucht im Fell von der Geburt sind.

0.32 Uhr, Hündin, 500 g schwer, Kennung: hinten rechts III, Verhalten/besondere Merkmale: ruhig, ganz hell, Lucky-Typ, möhrenfarbener Kot an Rutenansatz, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Wime“. Hier stand sehr schnell fest, dass ich diese behalten wollte.

0.43 Uhr, Hündin, 510g schwer, Kennung: hinten links I, Verhalten/besondere Merkmale: ganz hell, sucht sofort die Zitzen, sehr lebendig, Lucky-Typ-Kopf, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Wikke“.

1.31 Uhr, Rüde, 505 g schwer, Kennung: hinten rechts III, Verhalten/besondere Merkmale: hell, Beatmung nötig, Schnappatmung, mit Cognac ins Leben gerufen, gut rege geworden, Mutter Plazenta gefressen. Name: „Walty“.

Hiernach wurde der Tierarzt verständigt, denn die Hündin brauchte offensichtlich Unterstützung.

 

2.07 Uhr, Rüde, tot, Plazenta über Kopf gestülpt, nicht nach Luft geschnappt trotz Cognac.

Der Tierarzt untersuchte daraufhin Tove erneut, gab ihr eine Calzium- und eine Antibiotikumspritze, beglückwünschte mich und äußerte die Hoffnung, dass wir alle noch ein paar Stunden Schlaf erhalten würden.

Bemerkung zur Kennung: Weil Golden Retriever nur sehr schwer auseinaner zu halten sind, werden diese mit dem Rasierapparat quer zum Haarbewuchs an den Hinterschenkeln markiert, d.h. mit dem Rasierer einmal ein bis drei Streifen ins Fell eingeschnitten.

Nun ging es ans Aufräumen und säubern. Tove mußte einmal raus und einen sehr langen Bach machen. In der Zwischenzeit wurde die Wurfkiste komplett entleert, neu mit einer dicken Lage Zeitungspapier ausgelegt und ein ausgekochtes Antidequbitusfell hinein gelegt. Die Hundemama bekam ein lauwarmes Frischwasserbad an den Hinterläufen, Schwanz und dem gesamten Po. Als Tove frisch, trocken, satt und zufrieden wieder in der Wurfkiste lag, wurden ihr alle Welpen gegeben, die sogleich sich auf Mutters Tankstelle stürzten.

Die Wärmelampe über der Wurfkiste mußte noch, im richtigen Abstand eingestellt, ihren Dienst übernehmen. Eine ganze Wanne voll Aufnehmer / Tücher wanderte in die Waschmaschine. Sie hatten dazu gedient, das viele Fruchtwasser jeweils eines Welpen aufzunehmen. Die blutverschmierten Zeitungslagen verschwanden in den grünen Tonnen. Dazu habe ich eine Sondergenehmigung.

Nun war wirklich für 3 Stunden Ruhe angesagt. Ich behielt meine Tür zum Wurfzimmer offen, damit ich sofort nachsehen konnte, falls ein Welpe anfing zu schreien. Ich hatte meinen typischen leichten Schlaf, ständig darauf bedacht, sofort da zu sein, wenn es einem meiner Schützlinge nicht gut ging. Dies war mir vertraut von meinen eigenen Geburten meiner Söhne. Ständig ist man mit einem inneren Ohr bei den Atemgeräuschen der Säuglinge. In sofern ist diese Erfahrung für eine Züchterin von besonderer Bedeutung.

Züchterglück pur
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