Züchterglück

Inhaltsverzeichnis:
1. Die Auswahl des Deckrüden
2. Schwangerschaft
3. Geburt
4. Welpenkäuferauswahl
5. Praktikantinnen
6. Aufzucht und Training des Wurfes
7. Welpenkäufertreffen
8. E-Mails
9. Der Abgabetag
10. Und dann (Echos, Fragen, Welpen- und Käufertraining)
11. Begleit- und Verkehrshundeprüfung
12. Therapiehundeausbildung
13. Behindertenbegleithundeausbildung
14. Einsatzgebiete der Hunde dieses Wurfes
15. Erfahrungsberichte

Züchterglück - Schwangerschaft

Tove von der Stellerburg, die werdende Hundemama
Tove von der Stellerburg, die werdende Hundemama

Die Belegung von Tove war am 9.4.2002, somit war ihr Wurfstichtag am 11.6.2002. Zunächst veränderte ich nichts, denn eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Tove war in unserem Zwinger zu Hause und von daher gab es da auch keine Schwierigkeiten. 

Am 6.5.2002 ging ich auf große Fahrt mit "Tove von der Stellerburg" und "One Love of Dawn Harbour", einer Colliehündin. Von dieser Fahrt habe ich ausführlich berichtet in dem Artikel "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass selbst weite Reisen den Hunden - auch im Zustand einer Schwangerschaft - unter Berücksichtigung des normalen Auslaufes, von genügenden Bewegungen, nicht zu warmer Außentemperaturen und gewohnheitsmäßiges Futter und Wasser dem Vierbeiner ein Vergnügen sein können. Meine beiden tobten sich am Strand von Frankreich, Portugal und Spanien jedenfalls gründlich aus und das Meer war Tove und Oney eine Labsal.

Schwierigkeiten gab es nur durch eine schwedische Futtermittelfirma, die mir angeboten hatte, die gesamten Futterkosten während der Trächtigkeit und Aufzucht zu übernehmen., wenn ich bereit sei, die Hündin und die Welpen mit ihrem Futter zu füttern. Ich hatte darin eingewilligt. Leider war schon zu Beginn der Spendenaktion der "Wurm in der Sache". Tove vertrug das Futter nicht. Sie bekam starke Durchfälle.

Insgesamt habe ich an Tove dieses Futter fünfmal ausprobiert und an zwei weiteren Rassen jeweils einmal, da man mir von der Firma aus weismachen wollte, dass es nur an der Rasse der Golden Retriever liegen würde. Aber auch die anderen beiden Rassen bekamen von diesem Futter massiven Durchfall, so dass ich das Kreisveterinäramt in Dithmarschen informierte. Dieses riet mir , sofort mit dem Futter aufzuhören, da es nicht in Ordnung schien. ( Die Dosen haben Luft unter dem Deckel und es muß ein zusätzliches Trockenmaterial zu dem Naßfutter gefüttert werden. Wie kann das angehen, wenn es angeblich doch ein Futter sein soll, dass sogar als für Menschen geeignet dargestellt wird?. Dann genügte doch nur die Dose, warum also ein Zusatztrockenmaterial, was angeblich zur Vermeidung von Durchfällen unbedingt nötig ist?)

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von heftigen Beschwerden von Hundebesitzern, die die gleichen und schlimmere Erfahrungen wie ich mit diesem Futter gemacht haben. Tove und den Welpen hat der Durchfall zum Glück nicht geschadet, dank eines Tierarztes aus Wöhrden/Dithmarschen, der mir Tag und Nacht nicht nur Hilfe zugesichert hatte, sondern auch wirklich zukommen ließ. Ihn konnte ich auf der großen Fahrt über Handy immer erreichen, was mir persönlich eine große Beruhigung und Unterstützung war.

Ab der fünften Woche der Schwangerschaft wußte ich, dass Tove Welpen erwartete. Sie hatte an ihrer Vulva einen weißlich-durchsichtigen, zähflüssigen Ausfluß, der das einzig sichere Zeichen von Schwangerschaft ist. Die Hündinnen können dick werden, Milcheinschuß bekommen und die Wehen einsetzten, aber raus kommt nur Luft. Dies nennt man dann Scheinschwangerschaft. Sieht man jedoch den Schleimausfluß, kann man sicher sein, dass werdendes Leben entsteht.

So mancher Züchter ist ungeduldig und will vorher wissen, was ist. So läßt er die Hündin mit Ultraschall untersuchen. Leider habe ich bisher keine guten Erfahrungen damit gemacht, denn die vermeintlich Schwangere bekommt den Bauch rasiert, ein kaltes, glibberiges Material darauf gestrichen und schließlich den Ultraschallkopf auf den Bauch gepresst und hin und her bewegt. Für viele Züchter hat das bereits geheißen "Ihre Hündin ist trächtig. Ich zähle Welpen". Als es dann soweit war und die Welpen geworfen werden sollten, kam nichts. Die Hündin hatte resorbiert. Warum? Aus lauter Angst.

Ob nun mit Wissen oder ohne das Wissen einer Ultraschalluntersuchung, warten muss ich sowieso. Also unterwerfe ich meine Hündin so einem Streß nicht.

Tove legte sich gerne auf den Rücken, um die Last mal anders zu spüren. Hier kann man auch gut die vergrösserte Vulva sehen, bereits für die Geburt vorbereitet.
Tove legte sich gerne auf den Rücken, um die Last mal anders zu spüren. Hier kann man auch gut die vergrösserte Vulva sehen, bereits für die Geburt vorbereitet.

Ab der 6 Woche habe ich 2x täglich 2 Tabletten Calcipot (zum Knochenerhalt der Mutterhündin und zum Knochenaufbau der Welpen) und 10 Tropfen Pulsatilla Tove gereicht und 1x täglich angefangen ihr Fieber zu messen, damit sie sich auch an das Thermometer in ihrem Po gewöhnt.

Auf diese Art und Weise erhielt ich zuverlässige Werte, um klar sagen zu können, wann die Wehen einsetzen. Dazu war es allerdings nötig, dass ich in der siebten Woche 2 x täglich, in der 8 Woche 3 x täglich und schließlich am 58 Tag der Trächtigkeit alle 4 Stunden Tag und Nacht durch, am 59 Tag alle 2 Stunden und am 60 Tag jede Stunde ihre Temperatur gemessen habe. So wusste ich, dass der 60 Tag der Wurftag werden würde, denn die Temperatur ging zweimal um 1 bzw. 1,5 Grad runter. Wenn dann die Temperatur wieder steigt, zeigt das die Wehentätigkeit an. (Reiben Sie Ihre Hände und Sie werden merken, dass diese warm werden. Wenn die Muskulatur mit den Wehen beschäftigt ist, entsteht ebenfalls Wärme und von daher geht die Temperatur in den Normalbereich hoch.)

In der letzten Woche zeigte mir Tove ihre Instinktsicherheit: Sie buddelte ein ca. 1m x 1m x 80 cm grosses Loch unter einem Betonweg in ihrem Zwinger als Wurfhöhle. Vollkommen verdreckt von der Nasenspitze bis zum Schwanzende strahlte sie mich an, nach vollbrachter Leistung. Ich war nicht schlecht erstaunt. Trotz, dass sie so einen dicken Bauch hatte, hatte sie sich fast verausgabt. Offensichtlich spürte sie deutlich, dass es nun bald losging. Ein toller Platz in der Wildnis, aber trotzdem für mich als Züchter nicht akzeptabel. So versteckt hätte keiner sie beobachten, geschweige helfen können.

Toves dicker Bauch mit viel quirligem Leben. Die Hundemama lag gerne auf den kühlenden Fliesen.
Toves dicker Bauch mit viel quirligem Leben. Die Hundemama lag gerne auf den kühlenden Fliesen.

Am 1.6.02 konnte ich erste Tritte der Welpen im Mutterleib sehen und der Milcheinschuß fand statt. Indem ich ganz sanft eine hintere Zitze vom Bauch zur Zitzenspitze ausstrich, kam die weiße Köstlichkeit zum Vorschein.

Am 58 Tag bemerkte ich, dass Tove anfing zu hecheln. Es war mein Startsignal, weswegen ich sofort die Häufigkeit des Fiebermessens erhöhte. Schließlich wollte nicht nur ich dabei sein, sondern auch andere, die von weit her angereist kamen. Denen mußte ich rechtzeitig genug Bescheid geben, denn schließlich hatte Tove nicht vor, bis zum 63 Tag zu warten, sondern schon einige Tage früher die süße Last lozuwerden.

Als Praktikanten waren dabei:
Frau Heike Külpmann aus Soest/ NRW und
Frau Frauke Dinslaken aus Elsdorf im Rheinland.