Mein Praktikum bei Therapiehunde Deutschland

Ein Bericht von Frauke J. Dinslaken

Meine Voraussetzung fürs Praktikum

An der Universität Koblenz- Landau, Abteilung Koblenz, studiere ich Diplom- Pädagogik. Ich hatte lange Zeit nach dem passenden Beruf für mich gesucht. Ich wollte immer mit Hunden und Menschen gemeinsam arbeiten, fand aber keine Möglichkeit außerhalb naturwissenschaftlich-ausgerichteten Studiengängen mich entsprechend zu qualifizieren. Bis ich dann per Zufall vor eineinhalb Jahren von "Therapiehunde Deutschland" hörte und der Möglichkeit, dort ein Praktikum absolvieren zu können, das von den Hochschulen anerkannt wird. Ich bewarb mich dann auch gleich um einen Praktikumsplatz für die Semesterferien, das war schon vor gut einem Jahr! 
Während dieser Zeit beschäftigte ich mich weiter mit dem Ziel der tiergestützten Therapie, ein Berufsfeld, das mir voll und ganz zusagt. Um so mehr freute es mich dann, daß der Juli 2000 näher rückte. Mein Praktikum sollte den Sommer über von Juli bis einschließlich September dauern. Für diesen Zeitraum hatte ich ein Wohnung bei Frau Puhl gemietet und wollte ursprünglich mit meinem Hund gekommen sein, den ich jedoch leider kurz zuvor hatte einschläfern lassen müssen.

Die Örtlichkeit, auch als Ferienort nicht zu verachten
Ein Strandkorb...

Der Beginn

Zwingerinnenbereich. Auch hier gilt die Rudelordnung.

So fuhr ich denn frohen Mutes gen Norden, obwohl ich meine Praktikumsleiterin vorher nicht persönlich kennengelernt hatte und auch nicht die geringste Ahnung hatte, was mich alles so erwarten würde.

Aber ich ließ mich von meinem inneren Gefühl treiben, daß ich mich dort sehr wohl fühlen und eine Menge interessanter Dinge lernen würde; und ich sollte Recht behalten. Nachdem ich mich mit Frau Puhl, ihren Hunden (zwei Collies und eine Golden Retriever Hündin) und den Örtlichkeiten vertraut gemacht hatte, kam mein erster "Arbeitstag". 
Die Golden-Hündin mußte täglich trainiert werden für die Begleit- und Verkehrshundeprüfung (BVP). Mir wurden die einzelnen Übungen mit ihr gezeigt, die ich in Zukunft mit ihr trainieren sollte. Dabei wurde ich auf allerlei Feinheiten aufmerksam gemacht, wie z.B. die hohe Quietschestimme für gut gemachtes, das Prinzip der positiven Konditionierung mit Leckerchen ... und der Vorgehensweise der Automatisierung, um ein Verhalten zu formen.

Der spannendste Augenblick mit Folgen

Bahnhofstraining mit Simron.
Bahnhofstraining mit Simron.
Zugfahrtstraining mit Simron und Tove
Zugfahrtstraining mit Simron und Tove

Der für mich fast spannendste Augenblick trat gleich zu Beginn ein: nach der Mittagspause nämlich verkündete mir Frau Puhl, daß wir jetzt losfahren werden um zwei sechs-Monate-alte Collierüden wieder zurückzuholen. Aus verschiedenen Gründen bestand in dieser Richtung Handlungsbedarf. Also fuhren wir beide los. Die erste Adresse war ganz unkompliziert: Hund hing an der Hofleine, Kofferraum auf, Hund rein, Kofferraum wieder zu und auf zum Nächsten. Die ehemalige Besitzerin hat diese Aktion mitbekommen und sich nicht im geringsten um den Hund bemüht! Sie hatte danach eine Woche lang Zeit, den Hund wiederzubekommen, doch es erfolgte kein einziger Anruf, keine Erkundigung nach dem Wohlbefinden des Tieres, keine rechtlichen Schritte... kurzum, der Hund war für diese Menschen abgehakt.
Der zweite Hund war topgepflegt, hatte ein prima Zuhause und eine super Beziehung zu seinen Leuten, da wurde man sich noch mal einig. So kamen wir dann abends wieder im Dellweg an und untersuchten den mitgenommenen Knaben erst einmal. Er war ungepflegt, hatte kein glänzendes Fell, dafür aber Flöhe! Er mußte also in Quarantäne, weil der Bursche aber so verunsichert neben den anderen Hunden im Zwinger war und zitterte, nahm ich ihn zu mir über Nacht. Tja..., und das hat so seine Folgen. Kurzum, die Woche verging, ohne daß sich die Vorbesitzer meldeten, und weil Hund Simron und ich uns schon recht lieb gewonnen hatten, kam ich so also wieder auf den Hund. Viel schneller als gedacht!
Jetzt durfte ich täglich mit zwei Hunden trainieren. Während es mit Tove eine Wonne war, war es mit Simron fast ein blanker Horror. Tove und Simron sind gleich alt, super liebe Hunde, die den ganzen Tag wie die jungen Wilden miteinander spielen. Simron stellte sich als sehr selbstbewußt dar und als pubertierend, was mich so manchen Nerv gekostet hat. Doch aufgrund seiner guten Prägung und Sozialisierung ist er als Therapiehund geeignet, und somit haben wir beide die Chance, ein Seminar zur Therapiehunde- Ausbildung zu machen. Leider hatten seine Vorbesitzer kaum mit ihm gearbeitet, so daß eine Menge aufzuholen war! Ohne die fachmännische und seelische Unterstützung von Frau Puhl hätte ich wohl oder übel früh das Handtuch geworfen, denn mein Hund war so dermaßen tief drin in seiner Pubertätsphase, daß ich so manches mal am Ende war.

Die ganz normale Arbeit

Wassertraining
Wassertraining
Beim Praktikumseinsatz auf Romo mit Althündin Asta.
Beim Praktikumseinsatz auf Romo mit Althündin Asta.
"Heider Marktfrieden" mit den Azubis
"Heider Marktfrieden" mit den Azubis

Wenn ich nicht gerade mit den Hunden auf dem Gelände übte, so arbeitete ich im Garten, im Freilauf, im Büro mit oder sonst wo. Im Büro, der Zentrale des Verbandes gibt es immer Unmengen von Arbeit. Die Seminare müssen beantragt, genehmigt und vorbereitet werden. Dafür und für Infomaterial müssen Kopien vorhanden sein, Artikel werden geschrieben, übers Internet wird kommuniziert, die Sprechstunden fesseln ans Telefon und ergeben Arbeit mit dem Versenden der Unterlagen etc. etc. Bei so viel Arbeit im Innenbereich waren die Spaziergänge eine angenehme Abwechslung, da konnten wir lange über spezielle Themen reden, wieder mit den Hunden üben und auch einfach nur die Luft geniessen.

Dazu fuhren wir auch gelegentlich an die Nordsee, unternahmen gemeinsam mit den Hunden Wattwanderungen, fuhren nach Dänemark bummeln (so angenehm kann Stadttraining sein!), übten mit den Hunden am Bahnhof und Bahnfahren (nach Husum), fuhren mit einer Bimmelbahn durch Büsum, schipperten in Friedrichsstadt per Boot über die Treene und waren fast immer da, wo was los war, um die Hunde an so viel wie möglich zu gewöhnen.

In Heide und Umgebung war gerade samstags immer was los: wöchentlicher Markt mit Bühne, mal Kirmes, mal mittelalterliches Festspektakel (Heider Marktfrieden), mal Weinwoche, ein ander mal Trabrennen oder Sportfestival, Dithmarscherscher Kohltage usw. usw...

Für Langeweile gab es die gesamten drei Monate über keinen Raum.

Therapeutische Arbeit im DRK-Seniorenheim ...

Mittwochs ging ich regelmäßig ins Heider Seniorenheim zum Besuchsdienst, was immer gut ankam. Was mir dabei am meisten brachte waren die Besuche bei einer bettlägerigen Frau, die weder Verwandte noch sonstige Personen hat, die sie besuchen könnten. Wenn ich mit Tove kam, breitete ich ein großes Handtuch aus und legte sie neben die Frau ins Bett. Sie kann sich kaum mehr äußern und nicht mehr bewegen, aber wenn Tove neben ihr lag, versuchte sie ihre steifen Finger auszustrecken und lächelte. Tove war geradezu vorbildlich, sie kuschelte sich vorsichtig an meine Lieblingsseniorin und schlummerte bei ihr ein! Einmal brachte die Dame es fertig, einen ganzen Satz zu sprechen, der lautete: "Ich freue mich schon sehr, wenn sie nächste Woche wieder kommen.".

... und auf dem Hundeplatz

Fr. Dinslaken betreut Simron während des Aufwachens aus der Narkose nach Kastration und Pfotenversorgung.
Fr. Dinslaken betreut Simron während des Aufwachens aus der Narkose nach Kastration und Pfotenversorgung.

Es war mir nachmittags dann die Möglichkeit eingeräumt worden, den örtlichen Hundeplatz zu besuchen. Das war mittwochs und samstags, so daß Simron dort auch Gelegenheit hatte, mit anderen Hunden umzugehen und zu spielen. Dort gab es zu meinem Übel aber auch wahnsinnig interessante Hundedamen, so daß ich eigentlich hätte fahren können, Simron wäre es wohl kaum aufgefallen... . Mein Hund entwickelte einen derartigen Hormonüberschuß, daß ich ihn am liebsten an Ort und Stelle hätte kastrieren lassen... Im Dellweg hieß es dann immer, daß mir nichts besseres hätte passieren können, als an einen pubertierenden Rüden zu geraten. In diesem Punkt waren wir nicht immer einer Meinung! 

Die Sache mit dem Gummihammer

Dass Simron allerdings im Seniorenheim so super war, erstaunte mich! Dort war er ruhig und lieb, ein prima Hund! Er reagierte ebenso klasse beim Jahrmarktstraining. Wir hatten uns zurückgezogen, damit die Hunde zur Ruhe kommen und im Schlaf die Vibrationen und Geräusche des regen Treibens ins Unterbewußtsein aufnehmen. Während wir etwas trinken und die Hunde dösen, kommt ein kleiner Junge an und schlägt Simron mit einem aufblasbaren Gummihammer auf den Kopf!!! Er ist hochgeschreckt, guckte sich nach uns um und ließ seinen Kopf wieder sinken! Er hatte super kindersicher reagiert! Das waren so die Momente, die mir dann wieder Auftrieb gaben. Laut seiner Züchterin soll er nämlich das tolle Wesen seiner Mutter haben, was momentan eben durch die Pubertät verschleiert wird...

Agility?!

Eine andere neue und für mich sehr interessante Entdeckung war Agility, diese Freizeitbeschäftigung mit Hund wird ebenfalls auf dem eben erwähnten Hundeplatz angeboten. Ich wußte zwar, was es damit auf sich hat, doch hatte ich es zuvor nie ausprobiert; es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Agility werde ich wohl mit Simron weitermachen!

Wie ein trockener Schwamm Wasser aufsaugt:

Wenn es draußen ungemütlich wurde, gab es im Haus eine Menge an Informationsmaterial in Form von Videos, Zeitungsartikeln, Büchern, Diplomarbeiten usw. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, ins Zuchtgeschehen Einblick zu gewinnen: wie passende Hunde ausfindig gemacht werden, wie kleinkariert die verschiedenen Verbände über Zuchtzulassungen entscheiden, dass es Unmengen an ungesunden Zuchtlinien gibt, daß die Fachfrau schon am Verhalten des gerade geworfenen Welpen Prognosen über sein Verhalten und seine Charaktereigenschaften stellen kann, wie eine möglichst vielseitige Kinderstube auszusehen hat, wie bedeutsam die Prägephasen sind usw. usw..

Flexibilität - eine Selbstverständlichkeit

Leider gab es in diesem Sommer keinen Wurf, den ich hätte mit betreuen können. Dafür aber ist Putiel belegt worden, und Ende Oktober stehen wieder Welpen an. Mit Putiel war es so, dass sie unseren Zeitplan etwas durcheinander gebracht hatte. Es war zu einem gewissen Zeitpunkt geplant, sie zum ausgesuchten Deckrüden zu bringen. Aber die Rechnung ging nicht auf, die junge Hündin wollte schon eher, Simrons ausgeprägtes Interesse war ausnahmsweise mal positiv. Alleine seine Bemühungen um Putiel wiesen nämlich darauf hin, dass Putiel bereit ist aufzunehmen, denn sie legte die Rute beiseite! In Windeseile wurde bei der zuständigen Tierärztin ein Progesterontest gemacht, der ihre Bereitschaft bestätigte. Somit wurden von heute auf morgen Termine umgelegt bzw. abgesagt, und Putiel fuhr Hochzeit feiern! Flexibilität war sehr häufig gefordert.

Ein neuer Welpe kommt ins Haus

Bildunterschrift

Einen Welpen bekam ich dennoch mit. Mitte August holten wir aus Dänemark eine acht-Wochen-alte Golden Retriever-Hündin. Sie stammt aus der ruhigsten Linie von einer renommierten Züchterin (Therapiehunde sollten ein ruhiges und ausgeglichenes Wesen haben). Diese hatte mit 85 Jahren ihren letzten Wurf aufgezogen, war damit aber ganz offensichtlich überfordert. Die kleine Hündin war äußerst quirlig, immer unternehmungslustig und stets gut gelaunt. Dies ließ nicht ahnen, daß sie Flöhe, Haut- und Ohrmilben und außerdem noch Würmer mitbrachte, ganz abgesehen von Schuppen. Die Blutwerte stimmten ebenfalls nicht. Der dänische Kennelklub sieht die Gesundheitsvorsorge recht locker, so daß die Kleine auch nicht geimpft war! Am Tag der Abholung wurden diese "Mitbringsel" von der Tierärztin festgestellt. Aus diesem Grund konnte sie noch nicht geimpft werden, dabei sollte der Welpe gerade in der Prägezeit ganz viel kennenlernen! Im Dellweg angekommen sollte sich die Althündin der Kleinen annehmen, aber die hatte seit ihrem letzten Wurf die Schnauze voll von Welpen.

Putiel sollte sich aber um ihren eigenen Wurf kümmern, und Tove war mit ihren neun Monaten wohl noch zu jung, um die Mutterrolle zu übernehmen. Aber da hatte man sich geirrt: von Anfang an kümmerte sich Tove rührend um die Kleine, und fortan waren die beiden Golden nur noch im Doppelpack anzutreffen. Aus der wilden Balgerin Tove ward mit einem Mal eine fürsorgliche Hundemama geworden. Die kleine Lovey fügte sich wunderbar ins Rudel ein, um so größer der Schrecken, dass bei ihr nach drei Tagen Eingewöhnung Kokzidien festgestellt wurden. Kokzidien sind auch für den Menschen ansteckende Darmbakterien, somit stand der gesamte Zwinger unter Quarantäne! Es erstaunte mich immer wieder, daß dieser kleinen Hündin überhaupt nichts anzumerken war, nie war sie kränklich, nie schlecht gelaunt, sondern immer quietschfidel!

Tierarztbesuche

Die Tierärztin kann sich glücklich schätzen, an eine Züchterin und einen Verband gekommen zu sein, denn mit so vielen Hunden schaut man doch immer mal in der Praxis vorbei. Diese Veterinärin stellte sich im Sommer vor; so wie sie den Zwinger besichtigte, so begutachteten wir auch ihre neue Praxis, dieses Kennenlernen begünstigt eine vertrauensvolle und ehrliche Zusammenarbeit. 
In der Folgezeit sollte ich noch häufig genug in die Praxis kommen, nicht nur wegen der Kleinen, sondern auch wegen anderer Vorfälle und vor allem wegen Simron, der sich während einer Wattwanderung das Krallenbett durch eine Muschel eingeschnitten hatte. Diese Verletzung dauerte eine halbe Ewigkeit, zumal mein Mister es schaffte, trotz Kragen an seiner Pfote rumzuknabbern. Mit der Zeit wurde ich zur halben Krankenschwester, Verbände kann ich wohl mittlerweile im Schlaf anlegen... Was Arzneimittel betrifft, war ich zunehmend auch immer besser bestückt... So konnte ich auch eine Labrador-Hündin verarzten, die sich auf einem Spaziergang die Sohle aufgerissen hatte... Ich habe wirklich in sämtlichen Bereichen dazugelernt: ob es nun die Ausbildung der Hunde betrifft, Genetik, Zuchtgeschehen, medizinische Versorgung, Bürokratie, Aufbau eines neuen Berufes, Besuch von Hundeausstellungen, Vorbereitung und Durchführung von Seminaren und Prüfungen im Rahmen der Therapiehunde-Ausbildung, Vereinssatzungen im Hundewesen etc. etc..

Ich will ins Seminar!!

Die BVP habe ich übrigens mit beiden Hunden geschafft, mit Tove schien mir das kein Problem zu sein, doch Simron verursachte bei mir schon einiges Magendrücken. Ich war zwar nie ohne Hund bisher gewesen, doch hatte ich keinen so exakt ausgebildet. Wie erleichtert war ich also, als ich nach sechs Wochen Training mit Simron als Greenhorn die BVP bestand... Die ist die Grundvoraussetzung für die Seminare, und daran wollte ich doch teilnehmen. 
Bei der Eingangsprüfung zur Therapie- und Behindertenbegleithundeausbildung war ich dann auch nicht mehr aufgeregt, alles klappte wunderbar, und das erste Wochenende des Seminars war richtig schön. Alle Teilnehmer waren sehr interessiert, motiviert und irgendwie harmonierte alles; ein sehr gelungener Start!

Der Dellweg: Anlaufstelle für Viele

Menschen kamen hier ohnehin recht häufig hin, ob nun solche, die sich in Erwägung eines Praktikums hier umschauen möchten, andere hier Informationsmaterial für anstehende Diplomarbeiten suchen, Eltern von behinderten Kindern, die sich über Therapiehunde kundig machen möchten, potentielle Käufer bereits ausgebildeter Hunde oder solche, die Welpen vorbestellen möchten. Diese Menschen kommen alle so nebenbei in den Dellweg. Darüber hinaus treffen sich aber auch alle Seminaristen in Neuenkirchen zu den einzelnen Prüfungen und den Seminaren.

Da es bisher noch keinen öffentlichen Schulungsraum gibt, findet alles in den privaten Räumlichkeiten der Verbandsgründerin statt. Die Seminare und Prüfungen haben daher auch viel Atmosphäre. Als ein Herr vom Arbeitsamt hier war, um die Seminare bundesweit zu bewilligen und die Kurse in die Listen der Arbeitsämter aufzunehmen, drängte er auf die Einrichtung einer Lehranstalt. Alleine dieses Wort drückt schon Ungemütlichkeit aus. Jedem Teilnehmer soll ein eigener Spind gestellt werden, die Schulungssräume müssen Normmaßen entsprechen, Sanitäranlagen unterliegen bestimmten gesetzlichen Vorschriften usw.. Mit Recht bestehen diese Ausbauforderungen für die Zukunft, zumal die Bereitstellung der Räume noch auf Kosten der Bewohnerin und Gründerin geht. Aber wo findet man ein geeignetes Haus mit entsprechendem Gelände für die Trainingseinheiten? Nun ja, der Verband befindet sich im Aufbau und die Zeit wird es bringen, außerdem ist jeder Anfang schwer und alle haben mal klein begonnen...

Auch hier ist Flexibilität hoch im Kurs: unerwartete Gäste.
Auch hier ist Flexibilität hoch im Kurs: unerwartete Gäste.

Öffentlichkeitsarbeit

Zur Öffentlichkeitsarbeit zählen u.a. die Fernsehberichte über die Therapiehundearbeit. Am 21. September war wieder Spontaneität gefragt: der WDR rief an und bat Frau Puhl um ein Live-Interview am nächsten Tag, allerdings in Münster! (Der mittlerweile 66. Fernsehauftritt.) So wurden wieder einige Termine hin- und hergeschoben, die nötigsten Vorbereitungen getroffen und auf ging es ins Münsterland, mit dabei Tove.

Beispielhafte Arbeitsfelder für Vierbeiner

Carola Breiholz mit Held beim Kaufmann.
Carola Breiholz mit Held beim Kaufmann.

Diese wurde am darauffolgenden Wochenende an ihre Käuferin abgegeben. Sie lebt nun in Südbayern in einer Familie mit zwei Kindern und verrichtet ihren Dienst in einem Seniorenheim mit angegliederter Schmerzklinik. Sie ist eine erstklassige und bildschöne Hündin.Da mich die Ausbildung der "Schäferhunde" interessiert, durfte ich eine Züchterin von Border Collies, die ihre Hunde auf dem eigenen Hof bei Schafen einsetzt besuchen und sie stand mir freundlicherweise Rede und Antwort.

Das war wieder ein sehr interessanter Nachmittag, der zu dem Fazit führte, dass erziehungstechnisch nach den gleichen Prinzipien vorgegangen wird, lediglich die Ziele anders sind. Das leibhaftige Beispiel dazu lieferte mir "Held von der Stellerburg", der als Behindertenbegleithund für ein morbus down Mädchen angeschafft und ausgebildet wurde. Wir besuchten ihn in seiner Familie und begleiteten ihn und seine Freundin zum Einkaufen. Das Mädchen ging unwahrscheinlich selbstbewusst mit ihrem Hund die Straßen entlang, war durch ihn zugleich geschützt und selbständig; ein tolles Bild! Bei Kaffee und Kuchen wurden dann die Alben und Urkunden gezeigt, die die gesunde Schwester mit Held gewonnen hat. Außerdem wurden Geschichten vom Kinderhund par excellence erzählt, so dass er z.B. in Abwesenheit der Eltern auch schon mal in einen Schlafanzug schlüpft und jeden Spaß mitmacht.

Ein Welpe wärmt jedes Herz

Unser kleiner "Eisbär" Lovey
Unser kleiner "Eisbär" Lovey
Frauke Dinslaken beim nonverbalen Hundetraining. Hier: "Bleib!"
Frauke Dinslaken beim nonverbalen Hundetraining. Hier: "Bleib!"

So eine Kandidatin wäre auch der kleine Welpe Lovey, sie scheint auch für jeden Spaß zu haben. Sie musste sich umorientieren, nachdem Tove abgegeben wurde und ist seitdem sehr anhänglich und schmusig. Im Seniorenheim hatte ich schon angekündigt, dass bald wieder Welpenbesuch ansteht, und alle waren gespannt auf die Kleine. Wo auch immer sie auftaucht, zieht sie streichelnde Hände an: ob von Besuchern, Passanten oder den Senioren. Sie sieht aus wie ein kleiner Eisbär, den man stundenlang beschmusen möchte.

Im Altenheim aber kam die Kleine endlich mal an ihre Grenzen, die unermüdliche Retrieverin war doch stark beeindruckt von den vielen neuen Eindrücken und den Senioren, die sichtliche Freude an dem Welpen fanden. Selbst die bettlägerige Dame strahlte übers ganze Gesicht und ließ sich von dem fröhlichen Hundekind anstecken. Darin liegt der Grund, weshalb künftige Therapie- und Behindertenbegleithunde schon mit acht Wochen in die für sie vorgesehene Familie kommen: Der Welpe an sich ist nämlich schon Therapie! Wie viele Menschen durch ihre Hunde Freude erfahren (haben), zeigen immer wieder Anrufe oder Briefe mit Photos.

Seines eigenen Glückes Schmied sein...

Aus seinem Hobby endlich einen Beruf zu machen beschloss ein Herr, der sich im Dellweg gerne umschauen wollte. Er hatte sich eine Woche Urlaub genommen, kurz zuvor einen sicheren Arbeitsplatz gekündigt und wollte sich die Prüfungen schon mal anschauen. Nachdem die Eingangsprüfung abgenommen war, guckten seine Frau und er Info-Videos. Innerhalb einer Stunde hatte sich bei diesem Paar jedoch viel getan, denn sie waren von der Therapiehundearbeit begeistert und er wollte am liebsten gleich einsteigen, traute sich dies mit seinen beiden Jagdhundmischlingen nicht so recht zu. Weil die Gelegenheit aber günstig war, "packte er den Stier bei den Hörnern" und entschloss sich, noch am selben Abend sowohl die BVP als auch die Eingangsprüfung zu versuchen! Und es klappte phantastisch! Von jetzt auf gleich hatte er die Voraussetzungen zur Teilnahme an einem Therapiehunde-Seminar erfüllt und konnte am nächsten Tag gleich einsteigen! Damit war er einen gewaltigen Schritt weitergekommen bezüglich seiner beruflichen Umorientierung.

Kleine Nahrungskunde

Gegen Ende meiner Praktikumszeit lud die Firma Effem/ Pedigree zu einem Züchterseminar nach Schleswig ein, Titel des Vortrages war "Antioxidantien in der Nahrung". Da meine Begabungen nicht so sehr im naturwissenschaftlichen Bereich liegen, war dieses Referat weniger spannend für mich. Ohnehin bin ich doch eher ein praktisch veranlagter Typ und weniger ein theoretischer. Es ist aber schon interessant, was die Züchter so für rassetypische Erkrankungen hinnehmen, Boxer mit Reizmagen, Schäferhunde leiden wohl häufig an Bauchspeicheldrüsenerkrankungen... und die Futtermittelindustrie stellt sich darauf ein. Futter wird "Sensitive", "Light", "Energy" etc. sowohl in großen wie auch kleinen Brocken angeboten, um jedem Hundemagen und -energiehaushalt gerecht zu werden.

Viel zu schnell kam der Herbst

Tja, und damit war der Sommer dann vorüber... Die Zeit verflog in Windeseile. In diesen drei Monaten habe ich unglaublich viel für mich gelernt. Ich bin mir sicher, dass ich keinen besseren Praktikumsplatz für mich hätte finden können, er war wie maßgeschneidert. Das habe ich zu einem Großteil Frau Puhl zu verdanken, die mir sehr viele Möglichkeiten geboten hat und mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat! Meine Koffer habe ich nur ungern gepackt, doch bleibe ich weiterhin mit dem Berufsverband in Verbindung, da ich an einem Wochenendseminar teilnehme und auch gerne zum Ausbau/Aufbau des Verbandes beitragen möchte. So fuhr ich denn mit gemischten Gefühlen nach Nordrhein-Westfalen zurück, meinen Trost und meine Hoffnung auf der Rückbank dabei: "Simron von der Stellerburg", meinen Partner mit der kalten Schnauze!

Praktikantin Frauke Dinslaken beim Hundetraining.
Praktikantin Frauke Dinslaken beim Hundetraining.